5 Argumente gegen das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf

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Über das Bestellerprinzip wird wieder heiß diskutiert. Seit 2015 gilt es bereits bei der Vermittlung von Mietwohnungen. Nun soll es auch auf den Immobilienkauf ausgeweitet werden, zumindest wenn es nach dem Willen von Bundesjustizministerin Katarina Barley geht. Dadurch sollen Immobilienkäufer entlastet werden. Viele Experten aus der Immobilienbranche sind von dem Vorstoß allerdings wenig überzeugt.

Seit Bundesjustizministerin Barley angekündigt hat, das Bestellerprinzip auch für den Immobilienkauf einführen zu wollen, wird in der Immobilienbranche kontrovers über das Für und Wider diskutiert. Wird das Bestellerprinzip verabschiedet, muss künftig nur noch derjenige die Provision für den Makler bezahlen, der ihn auch beauftragt. Das dürfte in den allermeisten Fällen der Verkäufer sein. Je nach Region kommen im Moment beim Immobilienkauf in der Regel Käufer und Verkäufer, oder der Käufer allein für die Maklercourtage auf. In weniger gefragten Gegenden kann es aber auch vorkommen, dass der Verkäufer die gesamte Provision übernimmt.

Link-Tipp

Zur Maklerprovision existieren derzeit unterschiedliche Regelungen, je nachdem ob es sich um einen Immobilienkauf oder eine Vermietung handelt. Wer wieviel zahlt, klärt dieser Ratgebertext zur Maklerprovision.

Mit der Einführung des Bestellerprinzips verfolgt Barley das Ziel, die Kaufnebenkosten für Immobilienkäufer zu senken, indem für sie die Kosten für die Maklerprovision wegfallen. Viele Experten aus der Immobilienwirtschaft sehen die Einführung des Bestellerprinzips jedoch kritisch. Sie argumentieren, dass der Käufer letztendlich gar nicht entlastet würde und das Bestellerprinzip am Ende sowohl Käufern als auch Verkäufern schade.

Das sind die fünf wichtigsten Argumente gegen das Bestellerprinzip:

1. Durch das Bestellerprinzip steigen die Kaufpreise

Bestellerprinzip, Frau geht Kaufanzeigen in einer Zeitung durch und ist entsetzt, Foto: istock/igor_kell
Experten befürchten, dass Immobilien durch das Bestellerprinzip erheblich teurer werden könnten. Foto: istock/igor_kell

Hauptziel ist die Entlastung der Immobilienkäufer. Doch genau das wird durch die Einführung des Bestellerprinzips möglicherweise gar nicht erreicht, befürchten viele Experten.

Der Grund dafür ist, dass viele Verkäufer die Maklercourtage auf den Kaufpreis aufschlagen könnten. Das vermutet auch Kurt Friedl, Geschäftsführer der Maklerfirma RE/MAX Germany. „Soll der Verkäufer künftig die Maklergebühr tragen, liegt es für ihn nahe, sie einfach auf den Kaufpreis der Immobilie aufzuschlagen. Der Käufer zahlt sie indirekt also dennoch“, heißt es in einem Pressestatement.

Und auch in der Politik hat Barleys Vorhaben einige Gegner: Daniel Föst, Sprecher für Bau- und Wohnpolitik der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag, sieht ebenfalls das Risiko steigender Kosten für Käufer: „In angespannten Märkten wandern die Maklerkosten einfach in den Verkaufspreis. Damit braucht man eine höhere Finanzierungssumme, was wiederum höhere Zinszahlungen zur Folge hat“, so Föst gegenüber Immowelt. „Außerdem erhöhen sich durch die Einpreisung dann automatisch auch die Kaufnebenkosten, wie beispielsweise die Grunderwerbsteuer. Insgesamt würde die gesamte Immobilie teurer werden.“

2. Wer die Kaufnebenkosten senken will, muss an wirkungsvolleren Stellschrauben drehen

Die Kaufnebenkosten ließen sich besser auf andere Weise senken, meinen Immobilien-Experten. Vor allem die Grunderwerbssteuer ist Vielen zu hoch angesetzt und schlägt für Käufer massiv zu Buche. „Bevor die Politik das Bestellerprinzip auch beim Kauf und Verkauf von Immobilien vorschreibt, sollte sie vor der eigenen Tür kehren und auf die Grunderwerbsteuer verzichten“, erklärt Verbandspräsident Kai Warnecke von Haus & Grund Deutschland in einer Stellungnahme.

Die Grunderwerbssteuer ist je nach Bundesland unterschiedlich hoch. Sie bewegt sich insgesamt in einem Rahmen von 3,5 Prozent bis 6,5 Prozent des Kaufpreises. Wer beispielsweise in Köln eine Immobilie für 350.000 Euro erwirbt, zahlt satte 22.750 Euro an Grunderwerbssteuer.

Unterstützung erhält eine Reform der Grunderwerbssteuer auch von Seiten der FDP. Die Liberalen halten bei der Grunderwerbsteuer einen Freibetrag für eine selbstgenutzte Immobilie von 500.000 Euro für ein probates Mittel zur Entlastung von Immobilienkäufern.

Link-Tipp

Wie sie die Grunderwerbssteuer berechnen können und mit welchen Tricks sich Steuern sparen lassen, erfahren angehende Eigentümer in unserem Ratgebertext zur Grunderwerbssteuer.

3. Die Position des Käufers wird geschwächt

Bestellerprinzip, eine Schachfigur wird von einer anderen geschlagen, Foto: borabalbey/stock.adobe.com
Kommt das Bestellerprinzip, müssen Käufer aufpassen, dass sie im Zuge des Verkaufsprozesses nicht schachmatt gehen. Immobilienexperten erwarten, dass sie es deutlich schwerer haben werden als bisher. Foto: borabalbey/stock.adobe.com

Viele erwarten, dass durch die Einführung des Bestellerprinzips in Zukunft wohl fast nur noch der Verkäufer als Besteller auftritt und somit den Makler bezahlen muss. In der Praxis kann das jedoch zu einigen Problemen für die Käuferseite führen, denn der Makler stünde nur noch dem Verkäufer als Berater zur Verfügung, während der Käufer bei seiner womöglich größten Investitionsentscheidung auf sich allein gestellt sei, so der IVD-Bundesverband in seiner Stellungnahme.

„Dem Makler wäre es dann verboten, den Erwerber für dessen Entscheidungsprozess hinreichend qualifiziert zu beraten und über Risiken rückhaltlos aufzuklären, weil das eine Verletzung der Vertrauenspflicht gegenüber seinem alleinigen Auftraggeber, also dem Besteller, auf der Verkäuferseite bedeuten würde“, erläutert auch der Politologe Prof. Dr. Volker Eichener von der Hochschule Düsseldorf. Dabei seien insbesondere Erwerber von Immobilien auf qualifizierte Beratungs- und Vermittlungsleistungen angewiesen, betont der Experte für Stadtentwicklung und Immobilienwirtschaft gegenüber Immowelt.

4. Verkäufer müssen Immobilien verstärkt selbst vermitteln – für Käufer steigt das Risiko von Fehlkäufen

Die Einführung des Bestellerprinzips könnte zudem dazu führen, dass Verkäufer die Vermittlung ihrer Immobilie verstärkt selbst in die Hand nehmen, so die Kritiker. Das bedeutet für sie nicht nur einigen Mehraufwand an Zeit und Energie gegenüber der Vermittlung mit Hilfe eines Maklers. Auch für den Käufer lauerten dabei Risiken, so der IVD: „Führt der Verkäufer den Verkauf in Eigenregie durch, werden im Verkaufsprozess zahlreiche Fragen nicht angesprochen, sodass Kauf und Verkauf von Fehlvorstellungen begleitet werden. Vorhandene Mängel bleiben unaufgedeckt. Im schlimmsten Fall kommt es zum Fehlkauf. Die Einschaltung eines Immobilienmaklers dient somit dem Verbraucherschutz. Wer ein Bestellerprinzip fordert, setzt den Schutz der Verbraucher aufs Spiel“, heißt es in der Stellungnahme.

5. Die Berufsausübungsfreiheit der Makler wird eingeschränkt

Bestellerprinzip, Makler mit gefesselten Handgelenken, Foto: FotolEdhar/stock.adobe.com
Der Ring Deutscher Makler befürchtet, das Bestellerprinzip könnte Maklern in ihrer Arbeit Fesseln anlegen. Foto: FotolEdhar/stock.adobe.com

Und auch Immobilienmakler hätten unter der Einführung des Bestellerprinzips zu leiden. Der Ring Deutscher Makler (RDM) sieht Makler gar in ihrem Recht auf Ausübung der Berufsfreiheit betroffen. Eine Regelung, die zwingend die Zahlung der Maklerprovision bei privaten Immobilienkäufer durch den Verkäufer bestimme, sei eine unzulässige Einschränkung der Berufsausübungsfreiheit, nach Artikel 12, Abs. 1. Grundgesetz, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands. Zur Garantie der freien Berufsausübung gehöre auch das Entgelt für berufliche Leistungen frei mit den Interessenten auszuhandeln, heißt es dort weiter.

Kompromisslösung: Provision teilen?

Eine Kompromisslösung könnte schließlich darin bestehen, gesetzlich festzuhalten, dass die Maklerprovision künftig zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt werden muss. Zumal dies in vielen Bundesländern bereits jetzt gängige Praxis ist. Für eine solche Lösung spricht sich zum Beispiel der Bundesverband für die Immobilienwirtschaft (Bvfi) in einem Positionspapier aus. Und auch die Maklerfirma Von Poll Immobilien hält eine Teilung für fair und schlägt in ihrem 10-Punkte-Programm für Käufer und Verkäufer jeweils eine Provision von 3 Prozent Netto vor.

Ob das Bestellerprinzip auch für Immobilienkäufe kommt, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Regierungskoalition ist sich uneins, ein Gesetzentwurf im Moment noch nicht in Sicht. Somit bleibt abzuwarten, ob die Regierung in dieser Sache überhaupt handelt und in welchem Maße die Kritiker des Bestellerprinzips mit ihren Argumenten in Berlin durchdringen.

07.02.2019


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38 Kommentare

Maron am 15.05.2019 13:32

Ich denke, wenn der Makler ausschließlich für den Verkäufer arbeitet, werden auch die Kaufpreise weiter steigen.

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Handte am 09.05.2019 21:13

Ich denke die Pro Argumente haben nichts mit der Realität zu tun. Bald kommt das Gesetz, jeder nur noch eine Wohnung, die er selbst bewohnt. Dann wird höchstens noch getauscht werden. Woher kommt den eigentlich die Wohnungsnot?

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Hansi am 09.05.2019 15:56

Bei der rechtlichen Einordnung gab es zwischen den Experten unterschiedliche Einschätzungen.

Markus Artz von der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld begrüßte eine mögliche Einführung des Bestellerprinzips beim... mehr

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