Europavergleich: Wo das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf gilt

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Aktuell kommen beim Immobilienkauf in Deutschland in der Regel Käufer und Verkäufer, oder aber der Käufer allein für die Maklercourtage auf. Hochrangige Regierungsvertreter denken aber offen über die Einführung des Bestellerprinzips nach: Dann würden mehrheitlich die Verkäufer den Makler bezahlen müssen. Und in anderen europäischen Staaten? Ein Überblick, wie es unsere Nachbarn handhaben.

Bestellerprinzip, Wohnungsbesichtigung, Foto: Nicolas McComber / iStock
Bestellerprinzip beim Immobilienkauf: Was in Deutschland diskutiert wird, ist in anderen europäischen Ländern schon Realität. Foto: Nicolas McComber / iStock

Die Grünen fordern es und auch die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz Katarina Barley hat sich mehrfach für die Einführung des Bestellerprinzips beim Immobilienkauf ausgesprochen. Dann würde der Besteller, also der Auftraggeber eines Maklers dessen Courtage übernehmen – in den meisten Fällen wäre das der Verkäufer, der einen Interessenten für seine Immobilie sucht.

Nach aktuellem Stand ist die Kostenfrage Ländersache: So teilen sich Käufer und Verkäufer in den meisten Bundesländern die Maklerprovision, etwa in Bayern, Baden-Württemberg oder Sachsen. Anderswo, wie in Hamburg, Bremen oder Brandenburg zahlt der Käufer die komplette Summe allein. Die Höhe ist dabei nicht in Stein gemeißelt, liegt aber je nach Bundesland üblicherweise zwischen drei und sieben Prozent des Kaufpreises, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Das Bestellerprinzip für Kaufimmobilien gilt aktuell in Deutschland noch nirgendwo – lediglich für Mietobjekte wurde es 2015 bundesweit eingeführt. Bei unseren europäischen Nachbarn ist das mitunter anders, weshalb sich ein Blick über die Grenzen lohnt.

Link-Tipp

Mehr Information zur Maklerprovision in Deutschland erfahren Sie hier.

Frankreich – Niederlande – Schweiz: In der Regel zahlt der Verkäufer

Auch wenn die rechtlichen Regelungen im Detail Unterschiede aufweisen: Sowohl in Frankreich, der Schweiz wie auch den Niederlanden gilt grundsätzlich das Bestellerprinzip.

In Frankreich vermittelt der agent immobilier (dt.: Immobilienmakler) die Kaufimmobilien. Wer ihn beauftragt, zahlt in der Regel auch die Courtage in Höhe von fünf bis zehn Prozent des Kaufpreises, zuzüglich 20 Prozent Umsatzsteuer. Einzige Ausnahme: Wenn vertraglich etwas anderes festgelegt wird, etwa eine Teilung der Kosten, kann auch nach diesem Prinzip verfahren werden. Dies ist aber eher selten der Fall.

In den Niederlanden und der Schweiz gilt eine Reinform des Bestellerprinzips. Wer hier den Makler beauftragt, muss auch zahlen. Anderslautende vertragliche Vereinbarungen, wie etwa in Frankreich, sind nicht zulässig. In der Regel trägt damit der Verkäufer die Kosten. Die Höhe der Courtage ist in beiden Ländern Verhandlungssache. In den Niederlanden werden üblicherweise ein bis zwei Prozent des Kaufpreises fällig, inklusive Umsatzsteuer. In der Schweiz schwankt die Provision von Kanton zu Kanton deutlich, in der Regel zwischen ein und fünf Prozent, meist inklusive Mehrwertsteuer. Der Makler kann aber zusätzliche Kosten, wie Werbungskosten und Spesen geltend machen, muss dies aber vertraglich vorab mit dem Auftraggeber regeln.

Österreich – Käufer und Verkäufer teilen sich die Courtage

In Österreich besteht aktuell eine ähnliche Regelung wie in vielen deutschen Bundesländern: Käufer und Verkäufer teilen sich die anfallenden Kosten für den Makler zu jeweils 50 Prozent. Zwar gibt es erste Ansätze, sich ebenfalls mit dem Bestellerprinzip auseinander zu setzen, das aber zunächst in Hinblick auf Mietobjekte. Aber selbst hier gibt es wenige konkrete Bestrebungen auf höchster politischer Ebene. Vom Bestellerprinzip beim Immobilienkauf scheint Österreich jedenfalls weiter entfernt zu sein als Deutschland. Die Höhe der Courtage ist bei Immobilien ab einem Wert von  48.448,51 Euro bei drei Prozent des Kaufspreises gedeckelt, zuzüglich 20 Prozent Umsatzsteuer. Bei Immobilien mit einem Preis zwischen 36.336,42 Euro und 48.448,51 Euro ist die Provision festgelegt auf exakt 1.453,46 Euro. Bei noch günstigeren Immobilien dürfen Makler bis zu vier Prozent Courtage verlangen.

Großbritannien: Zwei Berufsbezeichnungen, zwei Ausrichtungen

Ein Sonderfall stellt Großbritannien dar. Hier gibt es zwei komplett unterschiedliche Ausrichtungen des Maklerberufs. Sogenannte estate agents (dt.: Immobilienmakler) bieten ihre Dienste Immobilienverkäufern an und werden auch von ihnen bei erfolgreicher Vermittlung bezahlt: Üblicherweise werden dann zwischen einem und drei Prozent des Kaufpreises sowie 17,5 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Diese Variante ist in Großbritannien auch die häufigste. Anders die relocation agents (dt.: Umsiedlungsagenten): Ihr Angebot richtet sich an Kaufwillige und geht oft über die reine Immobilienvermittlung hinaus – dies kann bis zum Ausfindigmachen geeigneter Schulen für die Kinder am neuen Wohnort reichen. Kommt es hier zum Vertragsabschluss, bezahlen die Käufer die Provision. Die Höhe ist dabei frei verhandelbar. Prinzipiell gilt damit auch in Großbritannien eine Variante des Bestellerprinzips.

Das Bestellerprinzip in Deutschland

Wie und ob sich das Bestellerprinzip in Deutschland auch beim Kauf durchsetzen wird, ist derzeit noch offen. Befürworter hoffen auf eine gerechte Kostenverteilung und insgesamt sinkende Immobilienpreise. Gegner bringen an, dass Makler hierdurch zu alleinigen Dienstleistern der Verkäufer würden und ausschließlich deren Interessen vertreten könnten. Außerdem wird befürchtet, dass Verkäufer ihre Immobilie entweder ohne ausreichende Fachkenntnisse auf eigene Faust verkaufen, oder aber die Maklerkosten schlichtweg auf den Verkaufspreis draufschlagen würden. Wie auch immer sich die rechtliche Situation in Deutschland entwickeln wird: Der Blick über die Bundesgrenzen hinweg zeigt, wie unterschiedlich die Regelungen in Europa auch 2019 noch ausfallen.

Maklerprovisionen in anderen europäischen Staaten

Staat MaklerprovisionZahlung durch
Deutschland3-7%Käufer oder Käufer + Verkäufer
Österreich3-4%Käufer oder Käufer + Verkäufer
Schweiz1-5%Besteller (meist Verkäufer)
Frankreich5-10%Besteller (meist Verkäufer)
Großbritannien1-3%Besteller (meist Verkäufer)
Norwegen0,75 - 3%Verkäufer
Niederlande1-2%Besteller (meist Verkäufer)
Bulgarien3-5%Käufer
Griechenlandca. 2%Käufer
Italien2-4%Käufer
Kroatienca. 3%Käufer oder Käufer + Verkäufer
Portugalca. 5%Besteller (meist Verkäufer)
Türkeica. 4%Verkäufer + Käufer
Spanien3-5%Besteller (meist Verkäufer)

 

07.01.2019


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9 Kommentare

Doris am 01.04.2019 16:55

Sehr zum Schmunzeln wie sich die Immobilienmakler hier gegenseitig aufmuntern ;-)

Mit 100%iger Sicherheit ist es fast jedem Immobilienmakler klar, so verblendet er auch sein mag, dass die Maklerprovision in aktueller Höhe reine Abzocke... mehr

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Reiter am 18.05.2019 17:43

Dies ist zu lesen, wenn ungebildete Menschen Ihre Meinung veruchen auf ein Blatt zu schreiben...Bitte erstmal nachdenken und notfalls nochmal zur Schule gehen...ganz abgesehen von den Rechtschreibfehlern im Text...

Mit freundlichen... mehr

BESTELLERPRIMZIP am 15.03.2019 22:20

PRO Bestellerprinzip!

Gegendarstellung zu den Totschlagargumenten sowie fadenscheinigen Behauptungen der Immobilienmakler und Lobbyisten gegen das Bestellerprinzip.

"Bestellerprinzip bei Immobilienverkäufen bringt keinen Vorteil für... mehr

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ICH am 15.03.2019 22:19

Wer einen Makler beauftragt, der muss ihn auch bezahlen. Was logisch klingt, gilt bei Mietwohnungen erst seit 2015. Und wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, fragt sich heute noch oft, wofür er dem Makler, den der Verkäufer verpflichtet... mehr

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