Makler stellen sich gegen Bestellerprinzip beim Immobilienkauf

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Wer den Makler bestellt, der zahlt: Dieses Prinzip soll auch beim Verkauf von Wohnungen und Häusern gelten. So fordert es die SPD schon seit längerer Zeit. Nun will Bundesjustizministerin Katarina Barley dafür sorgen, dass das Gesetz rasch eingeführt wird. Doch noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die Immobilienbranche sieht den Vorstoß größtenteils kritisch – und viele stellen sich dagegen.

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Bestellerprinzip beim Immobilienkauf? Die Mehrheit der Immobilienprofis sieht das kritisch. Foto: iStock/UberImages

Bereits seit Juni 2015 gilt bei Mietwohnungen das Bestellerprinzip: Wer den Makler bestellt, muss ihn auch bezahlen. Erst im letzten Jahr forderten SPD, Grüne und Linke, dieses Prinzip auch auf den Kauf von Wohnimmobilien auszudehnen, waren damit aber nicht durchgekommen. Nun kocht das Thema wieder hoch: Im Zuge des Wohnungsgipfels verkündeten sowohl Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) als auch SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles, dass das Bestellerprinzip auch beim Immobilienkauf gelten soll. Barley sagte gegenüber der „Rheinischen Post“, sie wolle dafür sorgen, dass es rasch eingeführt werde. Dann müsste in den meisten Fällen der Verkäufer den Makler bezahlen – und Erwerber von Eigenheimen würden entlastet. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) befürwortet diesen Vorstoß.

Doch nicht alle sind damit einverstanden: Viele Profis in der Immobilienbranche erteilen dem Bestellerpinzip eine klare Absage. Die einschlägige Meinung: Möchte man die Käufer entlasten, dann müsse vielmehr an der Grunderwerbsteuer geschraubt werden.

Makler kritisieren Einführung des Bestellerprinzips

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Jürgen Michael Schick, Präsident des IVD, spricht sich klar gegen das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien aus. Foto: Die Hoffotografen

Unter dem Claim „Maklerprovision fair teilen “ macht der Immobilienverband Deutschland (IVD) auf Facebook gegen die Einführung des Bestellerprinzips bei Kaufimmobilien mobil. Gemeinsam mit dem Bundesverband für die Immobilienwirtschaft (BVFI) hat er seine Positionierung hierzu geplant und stellt den Mitgliedern von beiden Verbänden Textbausteine zur Verfügung, mit denen sie sich an die Politiker wenden und gegen das Bestellerprinzip stellen können.

„Die Ankündigung, die Erwerbskosten von Wohneigentum zu senken, indem die Maklerkosten reduziert werden sollen, ist völlig sachfremd“, sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des IVD, in einer Stellungnahme. Viele Makler glauben nicht, dass Käufer dadurch finanziell entlastet würden. Laut IVD-Präsident Schick werde der Verkäufer die Kosten für die Maklerprovision auf den Immobilienpreis aufschlagen, soweit es der Markt zulässt. Die Folge wären weiter steigende Immobilienpreise.

„Die Ankündigung, die Erwerbskosten von Wohneigentum zu senken, indem die Maklerkosten reduziert werden sollen, ist völlig sachfremd.“

— Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverband Deutschland (IVD)

Ein weiterer Kritikpunkt von Seiten des IVD ist: Immobilienkäufer sind nicht in gleicher Weise schutzbedürftig wie Wohnungssuchende, da sie im Verhältnis zum Verkäufer nicht sozial schwächer seien. Vielmehr stehen sich Verkäufer und Käufer auf Augenhöhe gegenüber – oder der Käufer könne gar die stärkere Position einnehmen. „Wer ist vor wem zu schützen? Das junge Doppelverdiener-Ehepaar, das das Haus kauft, oder die ältere Dame, die es verkauft?“, fragt Schick.

Darüber hinaus wird der Verbraucherschutz des Käufers als starkes Argument ins Feld geführt: Laut IVD hätte das Bestellerprinzip zur Folge, dass Immobiliensuchende vom Makler keine Beratungsleistungen mehr verlangen könnten, da ihm gesetzlich verboten werde, mit dem Interessenten einen Vertrag abzuschließen. Der Makler stünde somit nur im Lager des Verkäufers.

Das spricht für das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf

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Thorsten Hausmann, Immobilienmakler in Hamburg und Norderstedt, ist für das Bestellerprinzip. Foto: privat

Nicht alle Immobilienmakler sind gegen das Bestellerprinzip. Thorsten Hausmann, Immobilienmakler in Hamburg und Norderstedt, würde es sogar begrüßen: „Es sollte lieber heute als morgen eingeführt werden. Das wäre eine echte Qualitätsverbesserung des Maklerberufs.“

Denn die Ausweitung der Regelung auf Kaufimmobilien würde den Wettbewerb der Makler untereinander ankurbeln „Der Verkäufer wird bereit sein, nur für die erfolgreichen Makler zu zahlen.“

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Ralf Robert Hundt, Immobilienmakler von Immobilien-Management Hundt in Gelsenkirchen. Foto: www.HUNDT.IM

Immobilienmakler Ralf Robert Hundt von Immobilien-Management Hundt in Gelsenkirchen sieht das ähnlich. Bei ihm müssen Immobilienkäufer auch schon jetzt keine Provision zahlen. „Schließlich richtet sich mein ganzer Service als Sachverständiger – Marktwertanalysen, hochwertige Fotos, Homestaging, Informationen für die Kunden – einzig an den Auftraggeber und hilft ihm, den bestmöglichen Verkaufspreis zu erzielen.“ Diese Leistungen solle er honorieren, und in diesem Sinne auch bezahlen.

„Meine Leistungen sind einzig und alleine für den Auftraggeber. Das soll er honorieren und in diesem Sinne auch bezahlen. Dadurch kann er den bestmöglichen Kaufpreis bekommen.“

— Ralf Robert Hundt, Makler und geprüfter Sachverständiger für Immobilienbewertung

Hundt sieht auch beim Vermitteln der Immobilie klare Vorteile: „Ich lebe in Nordrhein-Westfalen, da gibt es hohe Erwerbsnebenkosten und es ist schwer, eine Immobilie anzubieten.“ Wenn er aber nur vom Verkäufer die Provision nehme, gebe es 100-prozentig Marktteilnehmer, die das interessieren könnte. Denn die Kaufnebenkosten werden von der Bank bei der Immobilienfinanzierung nicht miteinbezogen. „Muss der Käufer aber nichts für die Maklerprovision beiseitelegen, hat er mehr Eigenkapital und bekommt so einen besseren Zinssatz.“

Wie lassen sich die Kaufnebenkosten für Wohnimmobilien ohne Bestellerprinzip senken?

Den richtigen Ansatzpunkt, die Käufer von selbstgenutzten Immobilien zu entlasten, sehen die Immobilienverbände IVD und BVFI in Änderungen bei der Grunderwerbsteuer. Laut IVD ist diese der eigentliche Preistreiber bei den Kaufnebenkosten. „Redlicher wäre es, genau dort anzusetzen, statt in die Vertragsfreiheit einer ganzen Berufsgruppe einzugreifen“, meint IVD-Präsident Schick.

Ein Gegenvorschlag des IVD: Die Grunderwerbsteuer senken. Auch die Immobilienmakler Hundt und Hausmann fänden das die beste Lösung. Aber: „Sie wird vermutlich nicht kommen, weil die Grunderwerbsteuern ein elementares Finanzierungsmittel für die Kommunen und die Gemeinden sind“, meint Hausmann. „Was der Fiskus einmal eingesackt hat, wird er nicht wieder hergeben.“

Alternativ könne der Staat laut IVD Familien und Normalverdiener beim Erwerb einer selbstgenutzten Wohnung unterstützen, indem er einen Freibetrag schaffe, der von der Grunderwerbsteuer verschont bleibe. In seinem Positionspapier beziffert der IVD den Betrag auf 250.000 Euro je Erwerber. „Denkbar wäre auch, dass wenn der Käufer die Immobilie zum Eigennutz erwirbt, wird er von der Grunderwerbsteuer befreit“, meint Immobilienprofi Hausmann. „Das fände ich sehr gut.“

„Eigentlicher Kostentreiber sind die Grunderwerbsteuern.“

— Jürgen Michael Schick, Präsident des IVD
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Engel & Völkers-Managar Kai Enders fordert, dass Käufer und Verkäufer die Maklerprovision je zur Hälfte zahlen. Foto: Engel & Völkers

Ein anderer Vorstoß in Richtung Maklercourtage kommt von Seiten des Engel & Völkers-Managers Kai Enders:

In einem Brief an die Politik fordert er eine Gesetzesreform, nach der sich Käufer und Verkäufer die Courtage künftig zur Hälfte teilen müssen. Bei der Anhörung im Bundesjustizministerium am 7. November wolle man dieses Modell zur Diskussion stellen.

Aktueller Stand: Kommt das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien?

Ob und wann das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien eingeführt wird, ist noch unklar. So rasch, wie es sich Barley vorstellt, dürfte es allerdings nicht gehen: Die rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabet Winkelmeier-Beck, hat dem Vorstoß gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland bereits eine Absage erteilt (RND, 26.10.2018). Denn, dass Verkäufer und Käufer die Provision gemeinsam zahlen, sei eine faire Regelung, bei der beide Seiten darauf achten, dass die Kosten im angemessen Rahmen bleiben. „Wenn die Maklerkosten allein vom Verkäufer zu tragen sind, ist vor allem bei großer Nachfrage zu befürchten, dass der Verkäufer die zusätzlichen Kosten plus Nebenkosten auf den Kaufpreis aufschlägt.“

Info

Maklerprovision bei Kaufimmobilien in Deutschland

In Deutschland ist die Höhe der Courtage bei Kaufimmobilien frei verhandelbar. Meist gilt aber die sogenannte ortsübliche Provision, die je nach Region zwischen drei und sieben Prozent des Kaufpreises liegt. Auch wer den Makler zahlt, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden: In manchen Ländern teilen sich Käufer und Verkäufer die Maklergebühr, in anderen trägt der Käufer die Kosten alleine.

Alles Wichtige zum Bestellerprinzip bei der Mietwohnungssuche haben wir hier für Sie zusammengefasst.

02.11.2018


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17 Kommentare

Petra-Arnhold-i am 12.11.2018 16:51

Vieles Gutes wurde von meinen Vorrednern schon gesagt.

Nicht nur, dass das Bestellprinzip für mehr Aufträge bei Gerichten sorgt, auch ist das Angebot für wirklich Suchende ist absolut weniger geworden. Mit Suchaufträgen von Mietern... mehr

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Michael am 12.11.2018 12:19

Man will die Dienstleistungshonorare für die Makler beschneiden, damit die Käufer weniger ausgeben müssen? Da hätte ich eine bessere Idee: Man halbiert die Diäten der Abgeordneten und Minister und entlastet so die Steuerzahler, dann... mehr

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Karl Sehling, Makler und Jurist am 12.11.2018 10:37

Die gesetzgeberische Festlegung von Vertragspflichten beim Kauf von Immobilien dürfte als Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb verfassungswidrig sein, weil - anders als bei der Wohnraumsuche - beim... mehr

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