Steigende Mieten: Mietpreisbremse wirkt in Millionenstädten nicht

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Die Mieten in den vier deutschen Millionenstädten steigen weiter an – obwohl die Mietpreisbremse genau das eigentlich verhindern sollte. In Berlin sind die Mieten seit Inkrafttreten des Gesetzes sogar noch stärker gestiegen als vorher, von 2015 auf 2018 kletterten sie um 34 Prozent nach oben. In Berlin ringt die Koalition indes um eine Gesetzesänderung zur Verschärfung der Mietpreisbremse.

Die Mieten in Berlin steigen weiter rasant – trotz Mietpreisbremse. Foto: AKhodi/fotolia.com

Die vor drei Jahren beschlossene Mietpreisbremse sollte eigentlich dazu beitragen, den Anstieg der Mietpreise vor allem in den teuren Ballungszentren zu begrenzen. Ohne wirklichen Erfolg, wie eine Analyse von immowelt.de* jetzt zeigt. Trotz Mietpreisbremse sind die Mieten in den vier deutschen Millionenstädten weiter gestiegen. Besonders stark stiegen die Mieten in Berlin. Von 2015 bis 2018 gab es in der Hauptstadt ein Plus von 34 Prozent zu verzeichnen, der Quadratmeter kostet jetzt im Median 11,40 Euro.

Preissteigerungen in Berlin, München, Hamburg und Köln

Ebenfalls gestiegen sind die Mieten im ohnehin schon teuren München. Neubauten sind dort in vielen Fällen im Luxussegment angesiedelt und für die meisten Wohnungssuchenden nicht erschwinglich. Lagen die Mieten dort im Jahr 2015 im Schnitt noch bei 15 Euro pro Quadratmeter, so zahlen Mieter jetzt 17,90 Euro. Eine Steigerung um 19 Prozent in drei Jahren.

Zumindest ein wenig gebremst wurde der Anstieg der Mieten in Hamburg und in Köln. In der Hansestadt stiegen die Mieten von 2015 bis 2018 um neun Prozent, zwischen 2012 und 2015 waren es noch 14 Prozent. Aktuell kostet der Quadratmeter in Hamburg 11,90 Euro. In Köln betrug der Preisanstieg in den vergangenen drei Jahren sieben Prozent, zwischen 2012 und 2015 stiegen die Preise noch um 15 Prozent. Im Median liegen die Mieten hier derzeit bei 10,70 Euro pro Quadratmeter.

Ob die abgebremste Mietpreissteigerung in beiden Städten etwas mit der Mietpreisbremse zu tun hat, ist aber zumindest fraglich. Denn beide Städte gehen aktiv gehen die Wohnungsknappheit vor, in Hamburg entstehen jährlich etwa 3.000 Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen, 10.000 sind es insgesamt. Die Stadt Köln hat dagegen das Stadtentwicklungskonzept Wohnen ins Leben gerufen. In den kommenden Jahren sollen 66.000 neue Wohnungen entstehen.

Politik diskutiert über Mietpreisbremse

In der Bundespolitik wird derweil weiter über eine etwaige Verschärfung der Mietpreisbremse diskutiert. Von ihrem ursprünglichen Plan ist Justizministerin Katarina Barley aber schon wieder abgerückt. So war zunächst hatte sie geplant, dass bei Modernisierungen im gesamten Bundesgebiet statt wie bisher elf künftig nur noch acht Prozent der Kosten auf die Jahresmiete aufgeschlagen werden können. Nach ihren neuerlichen Plänen soll diese Regelung nur noch für Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt gelten.

Weiter im Gespräch ist darüber hinaus, dass Vermieter, wenn sie die festgelegte Obergrenze der Miete übersteigen, dem Mieter belegen müssen, dass sie das auch dürfen. In vielen Fällen kann das bedeuten, dass sie dem Mieter offenlegen müssen, wieviel Miete sie vom Vormieter verlangt haben. In diesem Fall gilt nämlich Bestandsschutz und Vermieter dürfen weiterhin die höhere Miete verlangen.

Link-Tipp

Auf unserer Übersichtsseite finden Sie weitere Informationen zum Thema Mietpreisbremse.

Die Mieten und Mietpreissteigerungen in Berlin, München, Hamburg und Köln im Überblick

 BerlinMünchenHamburgKöln
Mietpreise im 1. Halbjahr 20126,80 €/m²12,50 €/m²9,60 €/m²8,70 €/m²
Mietpreise im 1. Halbjahr 20158,50 €/m²15,00 €/m²10,80 €/m²10,00 €/m²
Mietpreise im 1. Halbjahr 201811,40 €/m²17,90 €/m²11,90 €/m²10,70 €/m²
Mietpreise im 1. Halbjahr 2012 bis zum 1. Halbjahr 201525 %20 %14 %15 %
Mietpreise im 1. Halbjahr 2015 bis zum 1. Halbjahr 201834 %19 %9 %7 %

*Berechnungsgrundlage
Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise in den Städten Berlin, München, Hamburg und Köln waren 105.800 Mietwohnungen und -häuser, die jeweils in 2012, 2015 und 2018 auf immowelt.de inseriert wurden. Die Mietpreise spiegeln den Median der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider. Es handelt sich um Angebotspreise.

19.07.2018


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1 Kommentar

Wolfgang K. am 19.07.2018 23:42

Ungeachtet von Mietpreisbremsen habe ich mal in der Schule bzw. Uni gelernt: "Angebot und Nachfrage regeln den Preis" und das gilt im Besonderen auch bei Mieten. Darum werden diese dort, wo die entsprechende Balance nicht stimmt, auch... mehr

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Immowelt-Redaktion am 20.07.2018 15:05

Hallo und besten Dank für Ihren Hinweis,

wir haben die entsprechende Information am Ende des Artikels ergänzt. In der Tat erhalten wir keine Rückmeldung über die im fertigen Mietvertrag vereinbarten Mieten und es handelt sich um... mehr