Baukindergeld: Strukturschwache Regionen profitieren, der Rest kaum

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Das Baukindergeld bringt in den meisten Regionen Deutschlands nur geringe Erleichterungen für Familien. Überwiegend werden die neuen Bundesländer und der Nordosten Bayerns laut einer Analyse von immowelt.de davon profitieren.

Baukindergeld, Familie, Foto: Monkey Business/fotolia.com
Gerade junge Familien soll mit dem Baukindergeld der Weg ins Eigenheim erleichtert werden. Doch nicht überall können Familien von der Finanzspritze profitieren. Foto: Monkey Business/fotolia.com

Eigentlich soll das Baukindergeld Familien den Weg zum Wohneigentum erleichtern. Doch eine Analyse von immowelt.de* macht deutlich: Wirklich fruchten wird das Baukindergeld nicht überall in Deutschland. Einzig der Osten und eher strukturschwache Regionen, wie etwa das nordöstliche Bayern, profitieren davon. Für Käufer in Gebieten mit angespannten Wohnungsmarkt ist die Wirkung der Finanzspritze eher gering.

Hohe Nachfrage und geringes Angebot machen Baukindergeld nahezu wirkungslos

In München beispielsweise kostet eine familientaugliche Wohnung – mindestens vier Zimmer beziehungsweise ab 80 Quadratmeter – inklusive aller Kaufnebenkosten im Durchschnitt etwa 570.000 Euro. Das Baukindergeld beträgt allerdings für eine Familie mit einem Kind nur 12.000 Euro. Das sind gerade einmal 2,1 Prozent des Kaufpreises, womit noch nicht einmal die Kaufnebenkosten gedeckt sind. Problematisch dürfte dabei auch sein, dass das Baukindergeld ja nicht auf einmal, sondern über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgezahlt wird. Die Kaufnebenkosten fallen aber direkt mit dem Kauf an.

„In Ballungsräumen mit hoher Nachfrage und geringem Angebot haben sich die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren so stark verteuert, dass das Baukindergeld kaum Wirkung zeigen wird“, sagt Immowelt-CEO Carsten Schlabritz. München ist da auch kein Einzelfall. In Großstädten wie Hamburg (2,7 Prozent des Kaufpreises inklusive Nebenkosten) und Frankfurt (3 Prozent) zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Auch dort sind die Immobilienpreise so hoch, dass das Baukindergeld den Immobilienkauf nicht wirklich attraktiver macht. Gleiches gilt auch für hochpreisige Studentenstädte wie Wiesbaden (3,1 Prozent), Bamberg (3,2 Prozent) oder Darmstadt (3,2 Prozent).

Großes Gefälle in Bayern

In 176 von 401 Stadt- und Landkreisen Deutschlands beträgt die Förderung weniger als fünf Prozent des durchschnittlichen Angebotspreises inklusive der Kaufnebenkosten. Vor allem in Bayern ändert sich für kaufwillige Familien durch das Baukindergeld wenig. Unter den 20 Stadt- und Landkreisen mit den höchsten Immobilienpreisen und damit den niedrigsten Förderquoten liegen 18 im Freistaat. Der Landkreis Starnberg hat mit 1,2 Prozent die geringste Förderquote Deutschlands. Dicht dahinter der Landkreis München (1,7 Prozent), Miesbach (1,8 Prozent) und Dachau (1,9 Prozent). Ähnlich prekär sieht es im hessischen Main-Taunus-Kreis, dem Bodenseekreis in Baden-Württemberg und dem Landkreis Stormarn (Schleswig-Holstein) aus – dort liegt die Quote jeweils bei rund drei Prozent.

Es gibt in Bayern allerdings auch Regionen, in denen das Baukindergeld Familien tatsächlich eine Hilfe sein kann: in den Landkreisen Hof (14 Prozent) und Wunsiedel (13,8 Prozent). Generell sind die größten Profiteure von der geplanten Förderung Familien im Osten Deutschlands. Allein unter den 20 Stadt- und Landkreisen mit der höchsten Förderquote liegen 14 Kreise in den neuen Bundesländern. So werden beispielsweise im Kyffhäuserkreis in Thüringen durch den Bund 22,9 Prozent des durchschnittlichen Kaufpreises inklusive der Nebenkosten übernommen – nirgends in Deutschland ist der Effekt größer. Auch der sächsische Vogtlandkreis (21,3 Prozent) und der Landkreis Mansfeld-Südharz (20,6 Prozent) profitieren stark.

Baukindergeld, Grafik: immowelt.de
Je teurer die Immobilienpreise, desto weniger kann vom Baukindergeld profitiert werden. Grafik: immowelt.de
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Die genauen Ergebnisse der Analyse können Sie hier kostenfrei herunterladen.

Letzte strittige Punkte in der Koalition geklärt

Innerhalb des Koalitionsausschusses war es jüngst noch einmal zu einem Streit um die Details des Baukindergelds gekommen. Finanzminister Scholz (SPD) hatte den Streit mit Blick auf die befürchteten Mehrkosten in Milliardenhöhe ausgelöst. Doch letztlich konnten sich die Koalitionspartner CDU/CSU und SPD einigen. Ein Streitpunkt war eine mögliche Flächenbegrenzung auf 120 Quadratmeter, die nun aber vom Tisch ist. Das Baukindergeld soll für rückwirkend vom 1. Januar 2018 bis zum 31.  Dezember 2020 bewilligt werden und wird dann über 10 Jahre verteilt ausgezahlt. Die Bundesregierung erhofft sich vom Baukindergeld einen raschen Schub für den Wohnungsbau in Deutschland.

*  Berechnungsgrundlage:

Datenbasis für die Berechnung der Kaufpreise in den 401 deutschen Stadt- und Landkreisen waren alle 2017 auf immowelt.de inserierten Angebote. Die Preise sind jeweils Angebots-, keine Abschlusspreise. Dabei wurden ausschließlich die Angebote berücksichtigt, die vermehrt nachgefragt wurden. Die Preise geben den Median der 2017 angebotenen Wohnungen und Häuser mit mindestens vier Zimmern und 80 Quadratmetern wieder. Der Median ist der mittlere Wert der Angebotspreise. Für die Berechnung der Förderquote einer Familie mit einem Kind wurden zu den mittleren Angebotspreisen die bundeslandspezifischen Kaufnebenkosten addiert und durch die Fördersumme von 12.000 Euro geteilt.

29.06.2018


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