Offensichtlicher Fehler bei der Stromabrechnung: Verbraucher müssen nicht bezahlen

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Verbraucher müssen außerordentlich hohe Stromrechnungen nicht bezahlen, wenn der ungewöhnlich hohe Verbrauch Anlass zur Annahme gibt, dass es sich um einen Fehler handeln könnte. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az.: VIII ZR 148/17). Im verhandelten Fall hatte ein Energieversorger für einen Haushalt einen zehnfach höheren Verbrauch als im Vorjahreszeitraum festgestellt.

Die jährliche Stromabrechnung treibt vielen Verbrauchern den Angstschweiß auf die Stirn. Die Angst vor Nachzahlungen ist hoch und auch der monatliche Abschlag könnte sich erhöhen. Eine Stromabrechnung der besonderen Art bekam ein älteres Ehepaar aus Oldenburg. Für den Abrechnungszeitraum 2014 und 2015 hatte der örtliche Energieversorger über 9.000 Euro berechnet – beruhend auf einem Verbrauch, der zehnmal höher war als im Vorjahreszeitraum. Dabei müsse es sich um einen Fehler handeln, dachten sich die Eheleute – und zahlten nicht. Daraufhin wurden sie vom Energieversorger auf Zahlung des fraglichen Betrags verklagt.

BGH sieht offensichtlichen Fehler

Der BGH hat jetzt entschieden, dass der Energieversorger leer ausgeht, das Ehepaar muss die Rechnung nicht bezahlen. In ihrer Begründung wiesen die Richter darauf hin, dass bei der Höhe der Rechnung und bei dem gemessenen Verbrauch die „ernsthafte Möglichkeit eines offensichtlichen Fehlers“ bestehe.

Weiterhin erklärten die Richter, dass Verbraucher zwar in der Regel bei Zweifeln an der Richtigkeit einer Abrechnung dennoch zahlen und ihr Geld später zurückfordern müssen. Dass aber in diesem speziellen Fall der angebliche enorme Verbrauch genüge, um aufzuzeigen, dass es sich um einen offensichtlichen Fehler handelt. Diesen konnte das Energieversorgungsunternehmen auch nicht ausräumen. Der Grund: Das Unternehmen selbst hatte den Zähler ausbauen lassen und entsorgt. Wie es zu dem angeblich außergewöhnlich hohen Verbrauch gekommen ist, bleibt somit rätselhaft.

07.02.2018


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