BGH: Kinderlärm kann zu Mietminderung führen

Lesermeinungen:  

(15)

Heftiges Kinderstampfen, Springen, Schreien und Streitereien in der Familie nebenan: All das kann Mieter unter Umständen zu einer Mietminderung berechtigen, wie der Bundesgerichtshof in einem jetzt veröffentlichten Beschluss feststellt (BGH, Az.: VIII ZR 226/16). Zwar seien normale Begleiterscheinungen kindlichen Verhaltens hinzunehmen. Diese Toleranz habe aber Grenzen.

Kinder, Lärm, Kinderlärm, schreien, Foto: soupstock/fotolia.com
Kinder sind ein großes Glück – können aber auch viel Lärm machen. Der BGH urteilt nun, dass eine Mietminderung aufgrund von Kinderlärm prinzipiell möglich ist. Foto: soupstock/fotolia.com

Kinder machen nun einmal Lärm – das lässt sich oft nicht vermeiden. Wenn dieser Lärm jedoch ein gewisses Maß überschreitet, kann das für den Nachbarn eine Mietminderung rechtfertigen. Dieser Auffassung jedenfalls ist der BGH. Er musste sich vor kurzem mit einem Fall beschäftigen, in dem sich eine Berliner Mieterin vom Kindergeschrei ihrer Nachbarn derart gestört fühlt, dass sie die Miete um die Hälfte minderte. Bisher hatten Gerichte weitgehend geurteilt, dass Kinderlärm grundsätzlich hinzunehmen sei.

Link-Tipp

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Mietminderung bei Lärm.

„Vater brüllt, Kind schreit“

In Lärmprotokollen hatte die Mieterin bildhaft aufgezeichnet, was sie da aus der Nachbarwohnung wahrnahm: Stampfen, Springen, Poltern, Schreie und aggressive familiäre Auseinandersetzungen zu jeder Tages- und Ruhezeit sowie Erschütterungen, die so stark waren, dass in der Küche die Töpfe aus den Regalen sprangen. Um die Berlinerin zu zitieren: „Vater brüllt, Kind schreit.“ Dennoch: Mit ihrer Klage auf Beseitigung der Ruhestörung und Feststellung des Mietminderungsrechts scheiterte die Mieterin sowohl vor dem Amts- als auch vor dem Landgericht.

BGH: Toleranz hat Grenzen

Für den BGH sieht der Fall aber ein wenig anders aus. Die Richter stellten fest, dass die Vorinstanzen den Schilderungen der Mieterin nicht genügend Gehör geschenkt hatten. Zwar müsse diese wie alle anderen Mieter auch die normalen Begleiterscheinungen kindlichen Verhaltens hinnehmen – und dazu zählt eben auch Lärm. Diese erhöhte Toleranz habe aber auch Grenzen. Diese seien unter Berücksichtigung von Art, Qualität, Dauer und Zeit der Lärmbelästigungen im Einzelfall zu bestimmen. Auch das Alter und der Gesundheitszustand des Kindes, sowie das objektiv gebotene Einwirken des Erziehers können dabei eine Rolle spielen. Der BGH verwies den Fall daher zurück an die Vorinstanz. Diese muss nun prüfen, ob die Mieterin weiterhin das „Poltern, Stampfen und Herumtrampeln“ ihrer Nachbarn hinnehmen muss – oder ob die Toleranzgrenze hier überschritten ist.

12.09.2017


Ihre Meinung zählt

(15)
3.7 von 5 Sternen
5 Sterne
 
10
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
5
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Tipps für MieterTipps für Vermieter

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben

14 Kommentare

Schwede62 am 18.07.2019 08:59

Wir haben in unserem Viertel in Flensburg immer prima ruhig gewohnt. Im Nachbarhaus sind jetzt statt Studenten ,Migranten. Lärm,Schmutz,Ruhestörung , Bedrohung. Man ist machtlos.....

auf Kommentar antworten

neis82 am 16.06.2019 12:32

Super Narrenfreiheit. Uber mier wohnt eine t. Familie deren töchter und und Enkelkinder jeden Tag hier sind, das Haus Vibriert hinterm Hau ist gleicht einen Spielplatz obwohl keine 150m einen Spielplatz vorhanden ist. Aber da ea Kinder... mehr

auf Kommentar antworten

Kai am 13.06.2019 15:49

Kinder sind keine lärmbelästigung und kindliche Geräusche sind hinzunemen so der Bürgermeister persönlich zu uns kurz nachdem der Kindergarten neben uns fertig gestellt War

auf Kommentar antworten

Sayu am 15.09.2019 10:52

Sie Glückspilz^^ Der KiGa ist irgendwann zu und die Kiddies weg. Mir ist sowieso schleierhaft, warum 8-10jährige bis 23:30Uhr und länger aufbleiben dürfen. Und ich muß diesen Lärm solange 'hinnehmen', bis die Kinder wieder zum Vater... mehr

11 weitere Kommentare laden