BGH: Kinderlärm kann zu Mietminderung führen

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Heftiges Kinderstampfen, Springen, Schreien und Streitereien in der Familie nebenan: All das kann Mieter unter Umständen zu einer Mietminderung berechtigen, wie der Bundesgerichtshof in einem jetzt veröffentlichten Beschluss feststellt (BGH, Az.: VIII ZR 226/16). Zwar seien normale Begleiterscheinungen kindlichen Verhaltens hinzunehmen. Diese Toleranz habe aber Grenzen.

Kinder, Lärm, Kinderlärm, schreien, Foto: soupstock/fotolia.com
Kinder sind ein großes Glück – können aber auch viel Lärm machen. Der BGH urteilt nun, dass eine Mietminderung aufgrund von Kinderlärm prinzipiell möglich ist. Foto: soupstock/fotolia.com

Kinder machen nun einmal Lärm – das lässt sich oft nicht vermeiden. Wenn dieser Lärm jedoch ein gewisses Maß überschreitet, kann das für den Nachbarn eine Mietminderung rechtfertigen. Dieser Auffassung jedenfalls ist der BGH. Er musste sich vor kurzem mit einem Fall beschäftigen, in dem sich eine Berliner Mieterin vom Kindergeschrei ihrer Nachbarn derart gestört fühlt, dass sie die Miete um die Hälfte minderte. Bisher hatten Gerichte weitgehend geurteilt, dass Kinderlärm grundsätzlich hinzunehmen sei.

Link-Tipp

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Mietminderung bei Lärm.

„Vater brüllt, Kind schreit“

In Lärmprotokollen hatte die Mieterin bildhaft aufgezeichnet, was sie da aus der Nachbarwohnung wahrnahm: Stampfen, Springen, Poltern, Schreie und aggressive familiäre Auseinandersetzungen zu jeder Tages- und Ruhezeit sowie Erschütterungen, die so stark waren, dass in der Küche die Töpfe aus den Regalen sprangen. Um die Berlinerin zu zitieren: „Vater brüllt, Kind schreit.“ Dennoch: Mit ihrer Klage auf Beseitigung der Ruhestörung und Feststellung des Mietminderungsrechts scheiterte die Mieterin sowohl vor dem Amts- als auch vor dem Landgericht.

BGH: Toleranz hat Grenzen

Für den BGH sieht der Fall aber ein wenig anders aus. Die Richter stellten fest, dass die Vorinstanzen den Schilderungen der Mieterin nicht genügend Gehör geschenkt hatten. Zwar müsse diese wie alle anderen Mieter auch die normalen Begleiterscheinungen kindlichen Verhaltens hinnehmen – und dazu zählt eben auch Lärm. Diese erhöhte Toleranz habe aber auch Grenzen. Diese seien unter Berücksichtigung von Art, Qualität, Dauer und Zeit der Lärmbelästigungen im Einzelfall zu bestimmen. Auch das Alter und der Gesundheitszustand des Kindes, sowie das objektiv gebotene Einwirken des Erziehers können dabei eine Rolle spielen. Der BGH verwies den Fall daher zurück an die Vorinstanz. Diese muss nun prüfen, ob die Mieterin weiterhin das „Poltern, Stampfen und Herumtrampeln“ ihrer Nachbarn hinnehmen muss – oder ob die Toleranzgrenze hier überschritten ist.

12.09.2017


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17 Kommentare

Linde am 14.12.2019 09:00

In der mir überliegenden Wohnung (42m2 - 1,5 Zimmer) ist ein getrennt lebender Mann, vor ca. 2 Jahren eingezogen. Seit seinem Einzug habe ich nach Feierabend keine ruhige Minute mehr. Es hat den Anschein, als würde er zum einen... mehr

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Immowelt-Redaktion am 16.12.2019 10:39

Hallo Linde,

Lärm, der über das zulässig Maß hinausgeht, müssen Mieter i.d.R. nicht hinnehmen - zumindest, wenn es sich um von Erwachsenen verursachte Geräusche handelt. Ansprechpartner ist hier der Vermieter, auch wenn er nicht der... mehr

Klaus am 27.11.2019 15:36

Leider habe ich so ähnliche Nachbarn, da fahren die Kinder in der Wohnung mit den Inlinern durch die Wohnung, 2 Stockwerke über mir, so etwas muß man mal ( so 4 Stunden am Stück …) selber gehört haben, um dieses Poltern nachvollziehen... mehr

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Muck am 05.11.2019 21:52

Ich habe zwei Etagen über mir Inder wohnen und die Kinder machen bis 23-24 Uhr Lärm und das den ganzen Tag.Um 8 halb neun fängt das Getrammpel an.Trozt Mietminderung geht der Krach weiter.Was soll ich jetzt noch machen.Um eine neue... mehr

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Immowelt-Redaktion am 06.11.2019 09:24

Hallo Muck,

zwar drücken Gerichte bei Kinderlärm eher mal ein Auge zu, bei erheblichen Lärmbelästigungen um Mitternacht dürfte man aber im Regelfall wohl eher nicht davon ausgehen, dass es sich um typische durch Spielen verursachte... mehr

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