Brexit befeuert Frankfurter Immobilienmarkt

Lesermeinungen:  

(2)

Die Brexit-Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Frankfurt am Main profitiert davon: Diverse Finanzunternehmen haben bereits angekündigt, ihren Sitz dorthin zu verlegen oder wollen ihren Standort in der Finanzmetropole verstärken. Von bis zu 10.000 neuen Jobs ist die Rede. Doch wenn die Banker kommen, treibt das die Immobilienkaufpreise in die Höhe: eine Prognose.

Brexit, Frankfurt am Main, Immobilienkaufpreise, Foto: davis/ fotolia.com
Wenn wegen dem Brexit viele Finanzunternehmen und Banker gehen – dürften viele nach Frankfurt am Main kommen: Schon jetzt steigen die Immobilienkaufpreise. Foto: davis/ fotolia.com

Ein Quadratmeter Eigentumswohnung in Frankfurt am Main kostet schon jetzt ein kleines Vermögen: Laut einer Studie von immowelt.de kommt der Quadratmeter dort im Median auf 3.930 Euro.* Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte die Stadt die 4.000 Euro-Marke noch dieses Jahr knacken – auch ohne den massenhaften Zuzug besonders finanzkräftiger Bürger. Doch der wird kommen: Schon jetzt bauen viele große Player im Finanzgeschäft ihre Präsenz in der Finanzmetropole am Main aus, unter anderem die Deutsche Bank, JP Morgan und Standard Chartered. Das bringt viele gut bezahlte Jobs nach Frankfurt – und die Immobilienpreise dürften noch weiter steigen.

Gering- und Normalverdiener haben das Nachsehen

Für die kommende Flut an Gutverdienern dürfte neben den Banken die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA mitverantwortlich sein. Derzeit hat sie noch ihren Sitz in London, durch den Brexit muss sie aber umziehen: Auch Deutschland hat sich für die Übernahme beworben: mit Frankfurt am Main. Entsprechend groß sind die Erwartungen. Die "Frankfurt Main Finance" rechnet mit bis zu 10.000 neuen Brexit-Jobs in den kommenden fünf Jahren. Das würde die Wirtschaft ankurbeln und ist deshalb erfreulich für Stadt und Bundesland – gleichzeitig stellt der Zuwachs an finanzkräftigen Neubürgern den Wohnungsbau in Frankfurt vor eine neue Herausforderung, damit Gering- und Normalverdiener nicht an den Rand gedrängt werden.

Schon jetzt müssen diese sich für günstiges Wohneigentum laut der Studie von immowelt.de eher im Umland umschauen – und dafür längere Wege und eine schlechtere Anbindung an das S-Bahn-Netz in Kauf nehmen. So etwa in Groß-Gerau: Hier kosten Wohnungen und Häuser 1.890 Euro pro Quadratmeter im Median. In Bruchköbel gibt es den Quadratmeter Eigentum für 1.940 Euro.

Wo die Gutverdiener wohnen: teures Zentrum, teurer Speckgürtel

Wo Menschen mit gutem bis sehr gutem Einkommen bisher wohnten, ist Wohneigentum auch weiterhin teuer:

  • Westend: 6.190 Euro pro Quadratmeter
  • Nordend: 5.070 Euro pro Quadratmeter
  • Sachsenhausen: 4.980 Euro pro Quadratmeter

Richtig günstig wird es auch rund um Frankfurt kaum – im Speckgürtel liegen die Preise locker über 3.000 Euro pro Quadratmeter, in Bad Soden sind es sogar 3.890 Euro.

Frankfurt, Immobilienkaufpreise, Grafik: immowelt.de
Bereits 2015 waren die Immobilienkaufpreise hoch. Grafik: immowelt.de
Frankfurt, Immobilienkaufpreise, Grafik: immowelt.de
Vielerorts wurden die Preise 2016 noch teurer. Grafik: immowelt.de

Diese Preise sind schon ohne den Zuzug der Brexit-Briten hoch – und im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent gestiegen. Sollten tatsächlich bis zu 10.000 neue Stellen im Finanzsektor geschaffen werden, so ist auch der Wohnungsbau gefragt. Andernfalls dürfte der Traum vom Eigenheim in Frankfurt für Otto-Normalverbraucher noch weiter in die Ferne rücken.

*Datenbasis für die Berechnung der Kaufpreise in Frankfurt am Main und Umgebung waren 15.400 auf immowelt.de inserierte Angebote. Die Preise sind jeweils Angebots-, keine Abschlusspreise. Die Preise geben den Median der jeweils im 1. Halbjahr 2017 angebotenen Wohnungen und Häuser wieder. Der Median ist der mittlere Wert der Angebotspreise.

17.08.2017


Ihre Meinung zählt

(2)
3.5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
1
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
1
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Tipps für KäuferKaufpreise

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben