Zwei Jahre Mietpreisbremse: Und trotzdem steigen die Mieten

Lesermeinungen:  

(9)

Vor rund zwei Jahren, am 1. Juni 2015, hat die Bundesregierung die Länder ermächtigt, in Gegenden mit angespanntem Wohnungsmarkt die Mietpreisbremse einzuführen. Inzwischen gilt sie in insgesamt 313 Gemeinden und Städten. Auswirkungen hatte das Gesetz dabei nur in zwei der vier deutschen Millionenstädte.

Mit der Mietpreisbremse wollte die Bundesregierung vor rund zwei Jahren den Anstieg der Mieten vor allem in Ballungszentren eindämmen. Die Länder wurden per Gesetz ermächtigt, Gegenden mit angespanntem Wohnungsmarkt auszuweisen, in denen die Mietpreisbremse gelten soll. Dort dürfen die Mieten bei Neuvermietung höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Diese ergibt sich in den meisten Fällen aus dem Mietspiegel. In zwei der vier deutschen Millionenstädte sind die Preise dennoch weiter gestiegen.

Mieten in Berlin und München steigen ungebremst

Beispiel Berlin: Hier konkurrieren immer mehr Menschen um immer weniger freie Wohnungen. Die Hauptstadt hat daher gleich zum 1. Juni 2015 die Mietpreisbremse eingeführt. Wie immowelt.de festgestellt hat, hat das aber nicht zu mehr Preisstabilität auf dem Mietmarkt geführt. Seit dem 1. Quartal 2016 sind die Mieten in Berlin von im Median 8,50 Euro pro Quadratmeter um 18 Prozent auf zehn Euro gestiegen. Die Mieten haben somit noch stärker angezogen als vor Einführung der Mietpreisbremse.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in München. Seit dem 1. Quartal 2016 sind die Quadratmeterpreise von 14,80 Euro um 14 Prozent auf 16,90 Euro gestiegen. Auch in der bayerischen Landeshauptstadt sind die Mieten vor Einführung der Mietpreisbremse weniger stark gestiegen.

Die Preisanstiege sind nicht unbedingt verwunderlich – denn nach wie vor wächst die Bevölkerung in beiden Städten von Jahr zu Jahr. Bezahlbarer Wohnraum entsteht aber nur zögerlich, viele der Immobilien werden zu Höchstpreisen vermietet und verkauft. Luxussanierungen treiben die Preise zudem weiter in die Höhe – hier kann auch die Mietpreisbremse nichts ausrichten, denn gerade umfassend sanierte Immobilien sind vom Gesetz ausgenommen.

Keine großen Mietpreissteigerungen in Köln und Hamburg

In Köln scheint die Mietpreisbremse mehr Wirkung zu haben. Hier stiegen die Preise seit Einführung um moderate drei Prozent auf 10,30. Zwischen 2013 und 2015 lag der Anstieg noch bei zehn Prozent. Ähnlich haben sich die Preise in Hamburg entwickelt. Der Anstieg seit Einführung der Mietpreisbremse beträgt hier zwei Prozent. Eine Mietwohnung kostet aktuell elf Euro pro Quadratmeter.

Neuer Wohnraum sorgt für stabile Mieten

Köln und Hamburg stehen exemplarisch dafür, dass Gesetze allein nicht gegen hohe Mieten helfen, sondern dass zusätzlich in den Bau neuer und bezahlbarer Wohnungen investiert werden muss. Sowohl in Hamburg als auch in Köln gibt es Bündnisse zur Förderung bezahlbarer Wohnungsneubauten, die mit zur Stabilisierung der Mietpreise beigetragen haben dürften.

2 Jahre Mietpreisbremse, Köln, Hamburg, Berlin, München, Grafik: immowelt.de
Während in Berlin und München auch zwei Jahre nach Einführung der Mietpreisbremse die Wohnungsmieten weiter – und vor allem stärker – steigen, werden die Preissprünge in Köln und Hamburg kleiner. Beide Städte haben verstärkt neuen, bezahlbaren Wohnraum geschaffen. In München und Berlin entstehen hingegen teure – und von der Mietpreisbremse ausgenommene – Neubauten, Altbauten werden luxuriös saniert. Grafik: immowelt.de
Link-Tipp

Mehr Informationen zum Thema Mietpreisbremse finden Sie in unserem Ratgeber.

Die Ergebnisse im Überblick

BerlinMünchenHamburgKöln
Q1/20137,30 €/m²13,20 €/m²10,00 €/m²9,10 €/m²
Q1/20158,50 €/m²14,80 €/m²10,80 €/m²10,00 €/m²
Q1/201710,00 €/m²16,90 €/m²11,00 €/m²10,30 €/m²
Q1/2013 – Q1/201516 %12 %8 %10 %
Q1/2015 – Q1/201718 %14 %2 %3 %

Berechnungsgrundlage

Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise in den Städten Berlin, München, Hamburg und Köln waren 56.332 Mietwohnungen und -häuser, die jeweils im 1. Quartal 2013, 2015 und 2017 auf immowelt.de inseriert wurden. Die Mietpreise spiegeln den Median der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider. 

26.05.2017


Ihre Meinung zählt

(9)
2.8 von 5 Sternen
5 Sterne
 
4
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
5
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Mietpreise

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben

1 Kommentar

GG am 09.06.2017 11:23

Die Mietpreisbremseverordnung war von Anfang an ein totgeborenes Kind. Das war jedem klar, der auch nur etwas Erfahrung in diesem Geschäfft hat. Dieses Gesetz wurde doch nur zusammengeschustert, um den Koalitionsfrieden zu wahren und den... mehr

auf Kommentar antworten