Immobilienbranche gegen Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien

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Seit Sommer 2015 gilt bei der Mietwohnungssuche: Wer den Makler bestellt, der zahlt. Seitdem wird auch immer mal wieder darüber diskutiert, das Bestellerprinzip auch bei Kaufimmobilien einzuführen – gerade jetzt nach einem SPD-Vorstoß kocht die Diskussion wieder hoch. Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Ein Großteil der Branche hat sich aber bereits klar gegen diese Idee positioniert. Die einschlägige Meinung: Möchte man die Käufer entlasten, dann müsse vielmehr an der Grunderwerbsteuer geschraubt werden. In der Schweiz hingegen, wo generell der Verkäufer den Makler zahlt, gehen die Immobilienprofis recht entspannt mit der Regelung um.

Wer bestellt, bezahlt – seit Juni 2015 gilt das Bestellerprinzip für die Mietwohnungssuche. Die SPD will das Gesetz nun auch auf Wohnungsverkäufe ausweiten. Vor einigen Tagen hat die Bundestagsfraktion ein Papier beschlossen, dass es in sich hat – eines der Themen: „Von der Miete zu den eigenen vier Wänden“.  Seit die Zinsen sich im Dauertief befinden, ist auch die Nachfrage nach Immobilien gestiegen. Immer mehr Mieter möchten ein Eigenheim erwerben, doch oft bereiten ihnen die zu hohen Erwerbsnebenkosten Schwierigkeiten. Um das zu ändern will die SPD das Bestellerprinzip vom Mietwohnungsmarkt auf den Kaufmarkt übertragen. In den meisten Fällen dürfte dann der Verkäufer derjenige sein, der den Makler bezahlt. Käufer hingegen könnten das Geld, das sie sonst für die Courtage aufbringen müssten, als Eigenkapitalanteil in die Finanzierung einbringen – so die Idee. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)  befürwortet den Vorstoß und selbst Bundesjustizminister Heiko Maas hat sich nun öffentlich für eine Ausweitung des Bestellerprinzips ausgesprochen.

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Jürgen Michael Schick, Präsident des IVD, spricht sich klar gegen das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien aus. Foto: IVD

Das Thema ist gerade ebenso heiß diskutiert wie umstritten. Klar gegen die Einführung des Bestellerprinzips bei Kaufimmobilien positioniert sich der Immobilienverband IVD. „Beim Wohnungskauf müssen ganz andere Kriterien als bei der Vermietung angesetzt werden“,  betont Jürgen Michael Schick, Präsident des IVD, in einer Stellungnahme. Mieter seien schutzbedürftig, weil sie typischerweise gegenüber den Vermietern die sozial Schwächeren seien. Der Käufer  wäre jedoch nicht schutzbedürftig, weil er im Verhältnis zum Verkäufer nicht der sozial Schwächere sei. „Wer ist vor wem zu schützen? Das junge Doppelverdiener-Ehepaar, das das Haus kauft, oder die ältere Dame, die es verkauft?“, fragt Schick.

Zudem sei der Wohnungskauf die größte Kaufentscheidung im Leben eines Menschen, so der IVD-Präsident. Diese ohne fachkundige Beratung durchzuführen, sei zu riskant. Müsste per Gesetz der Verkäufer den Makler bezahlen, müsse der Makler ausschließlich die Interessen des Verkäufers vertreten und könnte den Käufer kaum objektiv beraten.

Generell argumentiert ein Großteil der Branche, dass laut Bürgerlichem Gesetzbuch die Courtage grundsätzlich frei verhandelbar sei. „Nur wenige begreifen, dass es das Bestellerprinzip im Kaufbereich schon immer gibt“, betont auch Harald Blumenauer von der Blumenauer Consulting GmbH im hessischen Bad Soden. Er hält die ganze Diskussion gerade sowieso nur für „reinen Wahlkampf und Augenwischerei“.

Kritik: Eigentliche Kostentreiber sind die Grunderwerbsteuern

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Markus Gruhn, Vorsitzender des RDM, hat vor allem die Grunderwerbsteuer im Blick. Foto: Erwin Gruhn Immobilien

An eine finanzielle Entlastung der Käufer glauben die meisten Makler in diesem Fall nicht. IVD-Präsident Schick betont: „Wenn der Makler die Provision ausschließlich vom Verkäufer verlangen darf, wird der Verkäufer diese Kosten auf den Immobilienpreis aufschlagen, soweit es der Markt zulässt.“

Eigentlicher Kostentreiber sind laut Schick die Grunderwerbsteuern. „Es kann nicht sein, dass die Länder die Grunderwerbsteuer von Jahr zu Jahr anheben und damit die Kaufnebenkosten erhöhen.“ Sein Vorschlag: Erstkäufer müssten von der Grunderwerbsteuer befreit werden.

Die Grunderwerbsteuer im Blick hat auch Markus Gruhn, Immobilienmakler und Vorsitzender des Rings Deutscher Makler (RDM) Berlin-Brandenburg: „Man könnte eine Art Freibetrag für die Grunderwerbsteuer einführen. So könnte die Steuer – zumindest für selbstgenutzte Immobilien – erst ab Kaufbeträgen oberhalb von 400.000 Euro greifen.“

Immobilienmakler aus Norderstedt sieht Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien als Chance

Thorsten Hausmann, Immobilienmakler in Hamburg und Norderstedt, hingegen freut sich auf das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien: „Es sollte lieber heute als morgen eingeführt werden. Das wäre eine echte Qualitätsverbesserung des Maklerberufs.“ Die Einführung des Bestellerprinzips bei Mietimmobilien habe gezeigt, wie gut diese Regelung für die ganze Branche sei. „Heute gehen die Vermieter mehr nach der Qualität des Maklers und das ist doch der Sinn einer Marktwirtschaft.“ Die Ausweitung der Regelung auf Kaufimmobilien würde den Wettbewerb unter den Maklern nur ankurbeln. „Dienstleister für einen Auftraggeber sein – das ist die Herausforderung in unserem Beruf.“

„Die Ausweitung der Regelung auf Kaufimmobilien wird den Wettbewerb unter den Maklern ankurbeln.“

— Thorsten Hausmann

Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien in anderen europäischen Ländern

Wie das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien funktionieren kann, zeigt ein Blick in andere europäische Länder. In den Niederlanden zahlt seit vielen Jahren der den Makler, der ihn beauftrag. In Dänemark und in der Schweiz zahlt durchgängig der Verkäufer den Makler. „Ich finde diese Regelung ganz gut, weil dadurch einfach alles sauber geregelt ist“, sagt der Schweizer Urs Felber, Immobilienmakler bei RE/MAX Liestal Waldenburg. Felber kennt beide Systeme, denn er verkauft auch Immobilien in Frankreich – dort ist das Provisionssystem ähnlich geregelt wie in Deutschland. Natürlich komme es ab und zu vor, dass Verkäufer in Gegenden, in denen die Nachfrage nach Immobilien höher ist als das Angebot, versuchen, die Provision herunterzuschrauben. Da müsse man dann eben überlegen, ob man den Auftrag noch annimmt oder nicht. „Vorteile hat man als Makler in der Schweiz auf jeden Fall, wenn man lange am Markt ist, bekannt ist und viele Referenzen vorweisen kann.“

Info

Provision bei Kaufimmobilien in Deutschland

In Deutschland ist die Höhe der Courtage bei Kaufimmobilien frei verhandelbar. Meist gilt aber die sogenannte ortsübliche Provision, die je nach Region zwischen drei und sieben Prozent des Kaufpreises liegt. Auch wer den Makler zahlt, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden: In manchen Ländern teilen sich Käufer und Verkäufer die Maklergebühr, in anderen trägt der Käufer die Kosten alleine.

Umsetzung noch in der Schwebe

Ob und wann das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien eingeführt wird, ist noch unklar. Laut Bundesjustizministerium sei das ein „langfristiger“ Plan. In der aktuellen Legislaturperiode dürfte dieser Plan wohl nicht mehr durchzusetzen sein – das ist aus einem Zitat das Bundesjustizministers zu schließen: „Leider wurde die Einführung des Bestellerprinzips für den Kauf von Immobilien nicht in den Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode aufgenommen.“

27.01.2017


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66 Kommentare

Gustav.A am 21.10.2017 23:05

Ja und dann kommt es wie bei Miete: nochmals viel teurer und noch weniger was angeboten wird.

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A. P. am 21.10.2017 18:54

Die SPD wollte mit der Mogelpackung nur Stimmen fangen. Dem Käufer bringt es letztendlich überhaupt nichts.

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Alex P. am 21.10.2017 18:15

Wer glaubt das Bestellerprinzip würde die Kaufkosten senken täuscht sich aber gewaltig. Im Gegenteil: Der Kaufpreis würde sich erhöhen und alles wieder ausgleichen oder übertreffen. Ein Profimakler arbeitet auch für den Käufer und sollte... mehr

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