Trotz erfolgreicher Immobilienvermittlung: keine Widerrufsbelehrung, keine Provision

Lesermeinungen:  

(8)

Verträge, die per Telefon, E-Mail oder online zustande kommen, fallen unter das Fernabsatzgesetz: Verbraucher können innerhalb von 14 Tagen den Vertrag widerrufen. Dieses Widerrufsrecht gilt auch für Maklerverträge. Immobilienprofis müssen ihre Kunden auf ihr Widerrufsrecht hinweisen. Versäumen sie das, bedeutet das schlimmstenfalls den Provisionsverlust für den Makler, trotz erfolgreicher Vermittlung – das klärte nun der Bundesgerichtshof in seinem aktuellen Urteil (Az.: I ZR 30/15 und I ZR 68/15).

Online kommt ein Maklervertrag oft so zustande: der Makler stellt ein Objekt ins Netz und ein Interessent meldet sich per E-Mail. Der Makler sendet ihm sein Exposé zu, in dem er auch auf die vom Käufer zu zahlende Maklerprovision und ihre Höhe hinweist – und wenn er alles richtig macht auch auf sein Recht zum Widerruf. Denn diese Art des Vertragsabschluss fällt unter das Fernabsatzgesetz: Demnach ist der Makler verpflichtet, den Kunden auf sein Widerrufsrecht hinzuweisen – also darauf, dass er innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsschluss den Maklervertrag widerrufen kann. Vergisst er die Widerrufsbelehrung, kann das den Verlust der Provision bedeuten – selbst dann wenn eine Immobilie erfolgreich vermittelt wurde. Dies zeigt nun ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofes (Az.: I ZR 30/15 und I ZR 68/15).

Grundstück erfolgreich vermittelt – die Provision ist trotzdem futsch

Die aktuellen Fälle sind recht ähnlich: Zwei Maklerinnen schlossen im Jahr 2013 mit Kunden online einen Maklervertrag ab und belehrten sie nicht über ihr Widerrufsrecht. Die Maklerin zeigte den Kunden das Objekt und die Kunden entschieden sich schließlich dafür, es zu kaufen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Kaufverträge weigerten sich die Käufer allerdings, die Provision zu zahlen und es kam zum Rechtsstreit. Noch während dieser lief, widerriefen die Kunden den Maklervertrag – zu Recht, befand der BGH. In beiden Fällen ging die Maklerin leer aus und hatte keinen Anspruch auf eine Provision oder einen Wertersatz.

Das Urteil ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil Maklerverträge erst seit Juni 2014 explizit unter das Fernabsatzgesetz fallen. Zuvor war dies umstritten. Der BGH befand nun jedoch, dass in diesem Fall eine bestimmte Übergangsregelung zum Bürgerlichen Gesetzbuch greift. Demnach erlischt das Widerrufsrecht bei Verträgen, die vor dem 13. Juni 2014 geschlossen wurden und bei denen eine Widerrufsbelehrung fehlt, nicht vor Ablauf des 27. Juni 2015. Der Widerruf der beiden Immobilienkäufer fiel vor diesen Zeitpunkt und war damit rechtsgültig. Eine Provision stand den Maklerinnen daher nicht mehr zu.

Link-Tipp

Was das Fernabsatzgesetz für Makler bedeutet und wann sie Anspruch auf Provision haben: Lesen Sie hier fünf Fallbeispiele. 

Makler müssen ihre Kunden über das Widerrufsrecht informieren – immowelt.de unterstützt sie dabei. Mehr Informationen und die Vorlage für die schriftliche Widerrufsbelehrung finden Sie hier. 

07.07.2016


Ihre Meinung zählt

(8)
3.6 von 5 Sternen
5 Sterne
 
4
4 Sterne
 
1
3 Sterne
 
1
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
2
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Tipps für Makler

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben

1 Kommentar

benny1943 am 19.03.2018 11:54

Die Sparkasse verlangt von mir, von vornherein auf mein Widerrufsrecht zu verzichten; sonst bekomme ich kein Exposé und kann das Objekt nicht besichtigen. Ist das rechtmäßig?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 19.03.2018 12:01

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

mit solchen Vereinbarungen wollen sich Immobilienvermittler in der Regel nur rechtlich absichern, also sicherstellen, dass Verbraucher etwaige Maklerverträge nicht widerrufen, wenn eine... mehr