Schlecht gedämmt und doch verkauft – Energieeffizienz für Vermarktung unwichtig

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Die Energieeffizienz einer Immobilie spielt derzeit nur noch eine untergeordnete Rolle im Vermarktungsprozess, berichten Makler. Insbesondere in angespannten Märkten können es sich Interessenten nicht leisten, auf Energieeffizienz zu achten, wenn Sie ein Haus oder eine Wohnung kaufen oder mieten wollen. Im Umkehrschluss heißt das, dass Eigentümer keine Sanierungsmaßnahmen durchführen müssen, um ihre Immobilien zu vermarkten.

Energieeffizienz, MMI, ungedämmter Dachstuhl, Foto: epr/Ultrament
Ein ungedämmtes Dach. Eine Dämmung kurz vor dem Verkauf würde sich nach Ansicht vieler Makler nicht rentieren. Foto: epr/Ultrament

Eine energetische Sanierung vor dem Verkauf oder der Vermietung einer Immobilie ist derzeit kaum noch ein Vermarktungsargument, berichten Immobilienprofis. Zwar sind Kaufpreis oder Miete möglicherweise höher, die Vermarktungsdauer kürzer und der Aufwand geringer, letztendlich steht der Sanierungsaufwand aber in keinem wirtschaftlich positiven Verhältnis zum damit erzielten Vorteil. Ein Grund könnte die Energieeinsparverordnung (EnEV) sein, die gewisse Anforderungen an Gebäude stellt. Weil die Richtwerte, die in der EnEV gesetzt werden, immer wieder steigen, steigen auch die Kosten für Sanierungsmaßnahmen. Etwa ein Drittel aller Makler würde deswegen von einer Sanierungsmaßnahme vor der Vermarktung abraten. Das ist das Ergebnis des Marktmonitors Immobilien (MMI) 2016 von immowelt.de, der bereits im siebten Jahr in Folge erscheint.

Noch nie haben weniger Makler zu einer Sanierung geraten, als bei der diesjährigen Befragung. Der Grund scheint klar: Auf vielen Immobilienmärkten in Deutschland herrscht seit Jahren Nachfrageüberhang. Gleichzeitig sind Immobilien eine attraktive Anlageform, Kredite, um Immobilien zu finanzieren, sind relativ günstig. In einem solchen Marktumfeld brauchen Immobilieneigentümer keine zusätzlichen Anreize wie eine energetische Sanierung zu schaffen, um ihre Immobilie in kurzer Zeit zu einem guten Preis zu vermarkten.

Sanierung nur, um EnEV zu erfüllen

Trotz des anscheinend geringen Einflusses einer energetischen Sanierung auf den Vermarktungserfolg empfehlen Makler ihren Kunden, bestimmte Maßnahmen durchzuführen. Und zwar solche, die von der Energieeinsparverordnung gefordert werden. Die meisten Makler empfehlen eine Dämmung des Dachs, auch der Einbau von Wärmeschutzverglasungen und Brennwertheizungen ist relativ hoch im Kurs. Bei alledem gilt es aber zu beachten: Noch nie in der Geschichte des MMI wurden weniger Empfehlungen für diese Maßnahmen ausgesprochen. Alternative Energieformen wie Solarthermie, Photovoltaik oder Erdwärme spielen keine Rolle mehr.

08.07.2016


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