Trotz Mietpreisbremse: Mieten steigen teils rasant

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Die Mietpreisbremse sollte nach dem Wunsch der Bundesregierung dafür sorgen, dass Wohnraum in den Großstädten bezahlbar bleibt. Eine exemplarische Auswertung der Preisentwicklung des Immobilienportals immowelt.de in zwölf deutschen Großstädten zeigt aber: Die Mieten steigen in vielen Ballungsräumen weiter an – teils beträchtlich.

Mietshaus, Mietpreisbremse, Foto: Marcus Hofmann / fotolia.com
Trotz Mietpreisbremse: In vielen Großstädten stiegen die Mietpreise für Wohnungen weiter. Foto: Marcus Hofmann / fotolia.com

Schon seit Jahren steigen die Mieten in vielen Großstädten Deutschlands deutlich schneller und stärker als die Einkommen der Bevölkerung. Um die teils rasanten Preissteigerungen in manchen deutschen Regionen zu begrenzen, hat die Bundesregierung deshalb vor rund einem Jahr die Mietpreisbremse beschlossen. Sie ermächtigt die Bundesländer dazu, in Gegenden mit angespanntem Wohnungsmarkt die maximale Miethöhe zu begrenzen: Dort darf sie bei Neuvermietungen dann maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Allerdings gibt es Ausnahmen: Die Regelung gilt nicht für Neubauten und nicht nach umfassender Sanierung. Zudem können Vermieter, die vor der Einführung der Mietpreisbremse eine Wohnung schon zu einer Miete vermieteten, die mehr als zehn Prozent über dem Üblichen lag, weiterhin die bisherige Miete verlangen.

Preisentwicklung in zwölf Städten: In acht steigen die Mieten

In vielen Fällen scheint die Mietpreisbremse aber nicht dazu zu führen, dass die Mietpreisentwicklung gebremst wird. Das legt jetzt eine statistische Auswertung des Immobilienportals immowelt.de nahe, bei der beispielhaft die Preisentwicklung für zwölf deutsche Großstädte mit Mietpreisbremse betrachtet wurde. Untersucht wurden dabei jeweils die Angebotspreise für Mietwohnungen im Zeitraum Januar bis Mai 2015 sowie Januar bis Mai 2016. Ergebnis: In vier der zwölf untersuchten Städte bewegten sich die Mieten nicht nennenswert (Hamburg, Bonn, Regensburg und Köln). Aber in acht der zwölf Städte zogen sie teils deutlich an. Besonders kräftig war die Mietpreissteigerung in Ingolstadt. Dort zahlen Mieter, die heute eine Wohnung mieten, im Mittel* 11,50 Euro pro Quadratmeter und Monat und damit 15 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. In Düsseldorf (10,30 Euro) und Augsburg (9,40 Euro) stiegen die Neumieten um jeweils durchschnittlich elf Prozent.

Auch mit Mietpreisbremse bleibt München Nummer eins bei den Mieten

Auch in München, der Stadt, die nicht nur fürs Oktoberfest, sondern auch für die im Bundesvergleich mit Abstand höchsten Mieten bekannt ist, legten die Mieten bei Neuvermietungen erneut deutlich zu: Plus neun Prozent auf jetzt durchschnittlich 16,40 Euro pro Quadratmeter. Ebenfalls stattliche Sprünge nach oben gab es in Bielefeld (plus acht Prozent / 6,70 Euro), Nürnberg (plus sieben Prozent / 9,10 Euro), Münster (plus sieben Prozent / 9,70 Euro) und Berlin (plus sechs Prozent / 9,50 Euro).

Regeln zur Mietpreisbremse werden kritisiert

Weil die Mieten gerade in den Großstädten oft trotz Mietpreisbremse weiter steigen, fordert der Deutsche Mieterbund (DMB) eine Nachjustierung der gesetzlichen Regelungen. Denn bisher müssen Vermieter keine Sanktionen befürchten, wenn sie sich nicht an die Bremse halten.

Mieter, die in einem Gebiet mit Mietreisbremse nach dem 1. Juni 2015 eine Wohnung anmieteten, können zum Beispiel anhand eines qualifizierten Mietspiegels überprüfen , ob sie möglicherweise zu viel Miete zahlen. Ist sie zu hoch, können sie dies bei ihrem Vermieter rügen und eine mit der Mietpreisbremse konformen Miethöhe bestehen Nach der derzeitigen Gesetzeslage geht das aber nicht rückwirkend, sondern erst ab dem Zeitpunkt, nachdem die Miete vom Mieter gerügt wurde. Zudem wurden die Qualität und damit der Beweiswert mancher Mietspiegel in letzter Zeit von verschiedener Seite angegriffen, ein Rechtsstreit könnte somit mit Unsicherheiten behaftet sein.

 

*Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise (Nettokaltmieten bei Neuvermietung) waren 64.900 auf immowelt.de inserierte Angebote. Die Preise geben jeweils den Median der zwischen Januar und Mai 2015 sowie Januar und 15. Mai 2016 angebotenen Mietwohnungen und -häuser wieder. Der Median ist der mittlere Wert der Angebotspreise.

Die Mietpreisentwicklung in allen zwölf Großstädten im Überblick:

StadtMietpreise/m2 2015
Mietpreise/m2 2016Prozentuale Veränderung
Ingolstadt10 Euro11,50 Euro15 %
Düsseldorf9,30 Euro10,30 Euro11 %
Augsburg8,50 Euro9,40 Euro11 %
München15,10 Euro16,40 Euro9 %
Bielefeld6,20 Euro6,70 Euro8 %
Nürnberg8,50 Euro9,10 Euro7 %
Münster9,10 Euro9,70 Euro7 %
Berlin9 Euro9,50 Euro6 %
Bonn9 Euro9,10 Euro1 %
Regensburg9,90 Euro10 Euro1 %
Köln10,20 Euro10,30 Euro1 %
Hamburg11,20 Euro11,10 Euro-1 %

02.06.2016


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