Bundestag beschließt Wohnimmobilienkreditrichtlinie – Widerrufsjoker ist Geschichte

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Der Bundestag hat nun die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) beschlossen: Wer ein Immobiliendarlehen abschließt, soll in Zukunft stärker geschützt werden. Das Gesetz soll am 21. März 2016 in Kraft treten. Für einige Kreditnehmer könnte das Gesetz aber auch Nachteile mit sich bringen: Denn der Bundestag bereitet mit dem neuen Gesetz auch dem sogenannten Widerrufsjoker für Immobiliendarlehen ein Ende.

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Wohnimmobilienkreditrichtlinie beschlossen: Kreditnehmer müssen in Zukunft von der Bank noch besser beraten werden. Foto: contrastwerkstatt / fotolia.com Foto: contrastwerkstatt / fotolia.com

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist beschlossen: Verbraucher sollen in Zukunft besser vor möglichen Fehlentscheidungen bei der Finanzierung von Immobilien geschützt werden. Bankberater müssen daher Interessenten, bevor sie ein Darlehen abschließen, umfassender über die Inhalte des Angebots beraten. Die Berater müssen zum Beispiel erläutern, zu welchen Produkten sie beraten und welche sie empfehlen. Auch müssen die Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden strenger prüfen.

Vermittler von Wohnimmobiliendarlehen brauchen zudem eine Erlaubnis für ihr Geschäft und  Verbraucher dürfen künftig Verträge über Null-Prozent-Finanzierungen widerrufen. Außerdem gibt es neue Vorgaben zur Vorfälligkeitsentschädigung. Um gegen diese Entschädigung vorzeitig aus dem Immobilienkredit herauszukommen, brauchte es bislang die Zustimmung der Bank. Einzige Ausnahme war der Verkauf der finanzierten Immobilie. Jetzt reicht auch schon ein „berechtigtes Interesse“. Was unter einem „berechtigtem Interesse“ zu verstehen ist, hat der Gesetzgeber aber nicht konkretisiert. 

Widerrufsjoker gekippt

Was sich so positiv anhört, könnte aber für einige Kreditnehmer durchaus auch einen Nachteil mit sich bringen: In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Darlehensverträge fehlerhaft waren, da Kreditinstitute ihre Kunden unzureichend beraten haben. Speziell betrifft das vor allem Kreditverträge, die zwischen 1. September 2002 und 10. Juni 2010 geschlossen wurden. Wer so einen Vertrag besitzt, konnte bislang vom sogenannten Widerrufsjoker Gebrauch machen und jederzeit vorzeitig aus dem teuren Vertrag aus- und in einen günstigeren Neuvertrag einsteigen, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen. Nun soll damit Schluss sein. Als Auslaufdatum des ewigen Widerrufsrechts ist der 21. Juni 2016 vorgesehen. Bis dahin müssen sich Wohnungskäufer mit solchen Verträgen entscheiden, ob sie ihren Vertrag widerrufen wollen oder nicht.

Bei neuen Krediten gilt in Zukunft eine reguläre Widerrufsfrist von 14 Tagen nach Vertragsabschluss. Klärt die Bank ihre Kunden über das Widerrufsrecht nicht oder fehlerhaft auf, verlängert sich das Widerrufsrecht um ein Jahr.

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie soll am 21. März 2016 in Kraft treten. Mit der Richtlinie setzt die Bundesregierung eine EU-Richtlinie in nationales Recht um.

19.02.2016


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1 Kommentar

Robert am 22.02.2016 09:29

Genau gesagt kamen fehlerhafte Darlehensverträge (genauer gesagt: Die Widerrufsbelehrungen) nicht "immer wieder" vor. Zwischen 2002 und 2010 waren Fehler die Regel.

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