Wenn die Wohnung zur Sauna wird: Bei unerträglicher Hitze können Mieter die Miete mindern

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Wenn das Thermometer auf hochsommerliche Temperaturen steigt, verwandeln sich manche Wohnungen geradezu in eine Sauna. Wird es zu heiß, kann der Mieter aber in bestimmten Fällen die Miete mindern. Welche Temperaturen Mieter ertragen müssen.

Hitze, Wohnung,  Mietminderung, Foto: Lukas Gojda / fotolia.com
Hitze in der Wohnung: Wird es unerträglich heiß, können Mieter in bestimmten Fällen die Miete mindern. Foto: Lukas Gojda / fotolia.com Foto: Lukas Gojda / fotolia.com

Hochsommer pur: Am Wochenende werden in vielen Regionen Deutschlands bis zu 38 Grad erwartet. Doch der Sommer hat auch Schattenseiten – und die sind nicht gerade kühl. Vor allem in Dachwohnungen kann die Hitze unerträglich werden.

Hitze in der Wohnung: Diese Rechte haben Mieter

Eine allgemeine gesetzliche Regelung, die bestimmt, ab welcher Innentemperatur die Miete um einen bestimmten Prozentsatz gemindert werden kann, gebe es nicht, sagt Anja Franz, Sprecherin des Mietervereins München. Ein Temperaturanstieg in der Wohnung sei grundsätzlich kein Mangel, auch nicht in einer Dachgeschosswohnung. Sollte die Wohnung in den Sommermonaten aber tatsächlich unerträglich heiß werden, kann der Mieter unter Umständen die Miete mindern oder die Wohnung sogar fristlos kündigen, teilt der Mieterverein München mit.

Einen Anhaltspunkt bieten die sogenannten Technischen Regeln für Arbeitsstätten. Demnach darf die Raumtemperatur in Arbeitsräumen nicht höher als 26 Grad Celsius sein. Diese Werte könnten laut Mieterverein auch auf Wohnungen übertragen werden. „Da es sich bei Temperaturen über 26 Grad in der Wohnung um eine Beeinträchtigung der Wohnqualität und somit um einen Mangel handeln dürfte, kann der Mieter auch die Miete mindern“, betont Franz. Allerdings gelte das nur für die Tage im Monat, an denen es tatsächlich so heiß sei und nicht für den gesamten Monat.

Um beweisen zu können, an wie vielen Tagen es wie heiß in der Wohnung war, sollte ein Zeuge benannt werden, rät Franz. Es lohne sich auch, ein Thermometer zu nutzen, das die einzelnen Höchsttemperaturen aufzeichnet und speichert.

Wichtig: Es lohnt sich, bei Problemen immer erst das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen.

Welche Temperaturen muss der Mieter erdulden? – Gerichte sind sich uneins

Mit der Frage, welche Temperaturen Mieter in der Wohnung ertragen müssen, haben sich in der Vergangenheit auch schon etliche Gericht beschäftigt. Das Amtsgericht Hamburg urteilte beispielsweise, dass die Wohlbefindlichkeitsschwelle in einer Wohnung deutlich überschritten sei, wenn tagsüber stets über 30 Grad herrschen. Eine Mietminderung in Höhe von 20 Prozent sei deshalb angemessen (Az.: 46 C 108/049).

Das Amtsgericht Leipzig hingegen entschied, dass der Mieter einer Dachgeschosswohnung die sommerlichen Temperaturen hinnehmen müsse. Wer eine solche Wohnung anmiete, müsse damit rechnen, dass sich dort die Räume im Sommer mehr erhitzen als in anderen Wohnungen. Innentemperaturen von 30 Grad Celsius seien daher zu ertragen (Az.: 164 C 6049/04).

Hitze: Vermieter muss für Wärmeschutz sorgen

Laut Mieterverein München muss der Vermieter für einen den Regeln der Technik entsprechenden  sommerlichen Wärmeschutz sorgen. Er könne zum Beispiel eine Klimaanlage einbauen oder Außenjalousien anbringen. „Verlangen kann der Mieter die Jalousien aber nicht. Es ist Sache des Vermieters, wie er Hitzeschutz schafft“, sagt Franz.

Wollen Mieter selbst Jalousien oder Markisen anbringen, müssen sie den Vermieter um Erlaubnis fragen.

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17.07.2015


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7 Kommentare

lorren am 03.07.2019 09:49

Wir wohnen mit unseren Kindern in einer Dachgeschosswohnung ohne Rolläden oder Außenjalousien und uns ist bewusst, dass wir im Sommer höhere Temperaturen tollerieren müssen (s. Rechsprechung AG Leipzig). Mir ist bewusst, dass hier keine... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 03.07.2019 12:22

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

die Aussage des Mietervereins München gilt prinzipiell für jede Wohnung. Im Einzelfall entscheiden die Gerichte aber durchaus unterschiedlich über solche und ähnliche Fälle. Eine... mehr

jsfrankie am 23.06.2019 01:23

Hallo,

wir wohnen in einer Neubauwohnung von 2015. Also einem energieeffizientem Haus mit dreifach verglasten Fenstern. Seitdem ich hier wohne, kenne ich keinen Winter im Schlafzimmer, unter 21 Grad. Wir heizen überhaupt nicht und haben... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 24.06.2019 12:03

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

wo genau hier das Problem liegt, lässt sich aus der Ferne leider nicht abschließend sagen, das müsste im Zweifel ein Sachverständiger klären.

Mit freundlichen Grüßen

die Immowelt-Redaktion

... mehr

rafting1 am 13.06.2019 13:37

habe in Leipzig eine Dachwohnung und seit 14 Tage 32 bis 34 Grad, muss der Vermieter was machen??

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 13.06.2019 14:40

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

das ist zweifelhaft. Zumindest hat das Amtsgericht Leipzig in einem ähnlichen Fall entschieden, dass sommerliche Temperaturen in Dachgeschosswohnungen hingenommen werden müssen. Wer eine... mehr


rafting1 am 13.06.2019 16:50

Ja das mit dem Gericht in Leipzig hab ich auch gelesen, werde morgen mit den Vermieter sprechen und sehen was heraus kommt;)Leider war ihre Antwort keine Hilfe;(

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