Makler: Dachdämmung ist Sanierungsmaßnahme Nummer eins

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Eine energetische Sanierung kann nicht nur den Primärenergiebedarf einer Immobilie drosseln, sondern auch ihren Wert steigern. Nach Ansicht vieler Makler ist dazu vor allem die Dachdämmung geeignet. Das geht aus dem Marktmonitor Immobilien hervor, der in Zusammenarbeit von immowelt.de mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen entstand. Ein Grund ist die besondere Rolle, die die Dachdämmung in der Energieeinsparverordnung von 2014 einnimmt.

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Nur eine Möglichkeit der Dachdämmung. Im Nachhinein kann ein Dach zum Beispiel auch von innen gedämmt werden. Foto: Kara/fotolia.com Foto: Kara/fotolia.com

Steht eine Immobilie zum Verkauf, bemüht sich der Verkäufer, einen möglichst hohen Preis zu erzielen. Zu den einfachen Methoden gehören putzen, aufräumen und gute Fotos. Auch die energetische Sanierung kann den Preis ordentlich nach oben treiben. Dabei empfehlen Makler vor allem die Dämmung des Daches, keine andere Sanierungsmaßnahme ist in ihren Augen hinsichtlich der Vermarktung einer Immobilie besser geeignet. Das ist das Ergebnis des Marktmonitors Immobilien 2015, eine Studie von immowelt.de in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen wird die Immobilie durch ein gedämmtes Dach umweltfreundlicher und energiesparsamer. Zum anderen kann je nach architektonischen Gegebenheiten aber auch zusätzliche Wohnfläche entstehen, die der neue Eigentümer entweder selbst nutzen oder vermieten kann.

EnEV 2014: gedämmtes Dach ist Pflicht

Doch es gibt noch einen weiteren wichtigen Grund, das Dach zu dämmen. Im Rahmen der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2014 ist es nämlich Pflicht, die oberste Geschossdecke oder aber das Dach zu dämmen. Ausgenommen sind nur Wohnhäuser mit zwei oder weniger Wohneinheiten und auch nur dann, wenn der Eigentümer schon länger selbst in der Immobilie wohnt. Wer eine Immobilie kauft, muss so oder so dafür sorgen, dass die oberste Geschossdecke oder der Dachboden gedämmt wird. Dafür hat er zwei Jahre Zeit. Es kann also durchaus ein Argument für eine Immobilie sein, wenn der Käufer hier einen gemachten Dachboden betritt.

Achtung

Verstöße gegen die EnEV können mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro belegt werden. Kontrollen durch Energiedetektive sind zwar bisher keine bekannt, doch verschärft die Bundesregierung den Ton. Makler sollten diese Tatsache nicht verschweigen – weder dem Verkäufer noch dem Käufer und ganz gewiss nicht, wenn sich der Käufer explizit danach erkundigt. Denn sonst macht der Makler sein Geschäft womöglich zunichte und verliert dadurch letztendlich auch seinen Anspruch auf Provision.

Dachdämmung top, Fassadendämmung flop

Während die Dachdämmung in der Studie – und übrigens auch in allen Vorgängerstudien seit 2010 –  die wichtigste Sanierungsmaßnahme ist, empfehlen immer weniger Makler die Fassadendämmung. Im Jahr 2010 lag sie mit 65 Prozent noch auf Platz zwei, 2015 findet sie sich mit 23 Prozent weit unten in der Rangliste wieder. Offensichtlich lohnt sich diese Investition nicht. Ein Grund könnte sein, dass viele Immobilien ohnehin eine gedämmte Fassade besitzen und diese Sanierungsmaßnahme also gar nicht mehr notwendig ist. Ein anderer, dass die Fassadendämmung immer wieder in der Kritik steht und insbesondere die Styropordämmung im Wärmedämmverbundsystem als zu teuer, wirkungslos und hässlich angeprangert wird – obwohl diese Vorurteile in vielen Fällen gar nicht stimmt.

Link-Tipp

Ob die Kritik an der Fassadendämmung berechtigt ist oder nicht, erklären vier Energie- und Architekturexperten im Artikel: Vom Sinn und Unsinn der Fassadendämmung.

Jeder vierter Makler würde überhaupt nicht sanieren

Fassadendämmung, neue Heizung oder Dachdämmung? Nichts davon. Das sagen zumindest 25 Prozent aller Makler. Sie glauben nicht, dass energetische Sanierungsmaßnahmen einen ausreichend großen Effekt auf Verkaufspreis oder Vermarktungsdauer haben. Das ist der höchste Wert seitdem die Studie im Jahr 2010 zum ersten Mal durchgeführt wurde. Offenbar ist der Immobilienmarkt vielerorts derzeit derart ausgestaltet, dass sich die Kosten für eine energetische Sanierung nicht ausreichend auf den Verkaufspreis niederschlagen. Das kann vor allem in besonders ausgeprägten Anbietermärkten der Fall sein. Dort erzielen auch Immobilien in weniger gutem Zustand Höchstwerte, weil das Angebot knapp ist und Käufern sehr wenig Verhandlungsspielraum bleibt. Aber auch in besonders ausgeprägten Käufermärkten spielt Energieeffizienz eine geringere Rolle, weil entsprechend teure Preise gar nicht verwirklicht werden können. Preise, die eine Sanierung lohnend machen würden, werden gar nicht erst gezahlt.

Die gesamte Studie Marktmonitor Immobilien 2015 ist hier abrufbar.

23.07.2015


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2 Kommentare

Immowelt-Redaktion am 06.08.2015 16:07

Sehr geehrte Frau Schieber,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Ist das Dach nicht gedämmt, muss zumindest die oberste Geschossdecke nachträglich gedämmt werden. Ist allerdings der Ausbau des Daches geplant, wäre diese Maßnahme sinnlos.... mehr

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Sofie Schieber am 05.08.2015 15:36

Die Dachdämmung ( lt. Energieeinsparverordnung ) betrifft doch nur die nicht begehbaren Dachgeschosse - oder ? Soviel mir bekannt ist sind die begehbaren, bzw. ausbaubaren Dachgeschosse davon ausgenommen. ( das Dachgeschoss könnte ja... mehr

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