Geldwäsche: Trotz drastischer Strafen sind Makler gelassen

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Verdächtige Situationen, die auf Geldwäsche hindeuten, kommen für Makler in ihrem Geschäft nur selten vor – das ist das Ergebnis einer Umfrage des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Dennoch: Immobilienmakler sollten sich unbedingt an das Geldwäschegesetz halten. Denn bei einer grob fahrlässigen Missachtung des Gesetzes, die tatsächlich zu einer Geldwäsche führt, kann das für den Makler drastische Folgen haben.

Geldwäsche, Immobilien, Geldschein, Bargeld, Foto: vege / fotolia.com

Um zu verhindern, dass Gewinne aus Straftaten in Umlauf gebracht werden, verpflichtet das Geldwäschegesetz Immobilienmakler dazu, die Identität ihrer Kunden zu überprüfen. Die Verpflichtung gilt nur bei sogenannten Veräußerungsgeschäften. Bei Ungereimtheiten muss der Makler eine Verdachtsanzeige beim zuständigen Landeskriminalamt machen. Von Mietinteressenten müssen sich Makler den Personalausweis nicht zeigen lassen. Darauf hat sich vor einigen Jahren das Bundesfinanzministerium mit den Finanzministern der Länder verständigt. 

Drei Jahre nach Einführung des Gesetzes hat der IVD nun eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt. Das Ergebnis: Die Teilnehmer der Umfrage gaben an, dass „nur“ in etwa fünf Prozent ihrer Fälle ein Kunde sich kaum für die Details der Immobilie und den Preis interessiert habe, was ein Hinweis auf einen fragwürdigen Hintergrund sein kann.

92 Prozent der Immobiliengeschäft ohne Bargeld abgewickelt

Zudem werden laut der Befragten über 92 Prozent der bundesweit vermittelten Immobiliengeschäfte ohne Bargeld abgewickelt. Ein entscheidender Aspekt für das Entstehen von Geldwäschedelikten sei jedoch die Anzahl der Bargeldtransaktionen, betont Sun Jensch, Bundesgeschäftsführerin des IVD und kommt zu dem Schluss: „Geldwäsche ist im Immobilienbereich in Deutschland kaum ein Problem.“ 

Geldwäsche: Makler fühlen sich sicher im Umgang mit fragwürdigen Geschäftssituationen

Die Umfrage hat auch ergeben, dass sich die Mehrheit der Makler im Umgang mit fragwürdigen Geschäftssituationen sicher fühlt. Knapp 60 Prozent der Befragten versuchen sogar mit eigenen Recherchen die Hintergründe des potentiellen Geschäftspartners herauszufinden, sollte ein Interessent keine oder unglaubwürdige Angaben machen.

Missachtung des Gesetzes: Drastische Folgen für Makler

Trotzdem: Bei einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Missachtung des Gesetzes, die tatsächlich zu einer Geldwäsche führt, droht dem Makler nicht nur ein Bußgeld, vielmehr können auch strafrechtliche Aspekte tangiert sein, sagt Rudolf Koch, Vizepräsident des IVD. Aus diesem Grund sollten sich Immobilienmakler unbedingt an das Gesetz halten:

  • Makler müssen ihre Mitarbeiter auf Zuverlässigkeit überprüfen und diese über die Regelung des Geldwäschegesetzes unterrichten.
  • Alle Dokumente müssen mindestens fünf Jahre lang aufbewahrt werden.
  • Auf Nachfrage der zuständigen Behörden muss der Makler nachweisen, wie er seinen Pflichten nachgekommen ist.
  • Der Makler muss die Identität des Kunden feststellen.
  • Bei jeder noch so kleinen Ungereimtheit muss eine Geldwäscheverdachtsmeldung beim jeweiligen Landeskriminalamt gemacht werden.

30.06.2015


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