Vermieter kann für Legionellen im Trinkwasser haftbar gemacht werden

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Ein Vermieter, der es versäumt, das Trinkwasser in seinem Haus regelmäßig auf Legionellen kontrollieren zu lassen, kann unter Umständen dafür haftbar gemacht werden. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Im vorliegenden Fall hatte die Legionellenbelastung des Wassers zu einer Lungenentzündung geführt (Az.: VIII ZR 161/14).

Legionellen, Trinkwasser, Foto: fotoliaxrender/fotolia.com
Legionellen sind Stäbchenbakterien, die im Wasser Leben und Krankheiten hervorrufen können – insbesondere an der Lunge. Foto: fotoliaxrender/fotolia.com Foto: fotoliaxrender/fotolia.com

Mit Legionellen im Trinkwasser ist nicht zu spaßen. Gelangen sie über das Leitungswasser in die Lunge, beispielsweise beim Duschen, kann dies zu schweren Erkrankungen und sogar zum Tod führen. Vor dem Bundesgerichtshof wurde nun der Fall eines Mieters verhandelt, der an einer Lungenentzündung erkrankt war. Das Bezirksamt hatte in der Wohnung und im Keller des entsprechenden Hauses eine starke Kontamination des Trinkwassers mit Legionellen festgestellt.

Die Tochter des Mieters verklagte den Vermieter daraufhin auf Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von rund 23.400 Euro. Der Mieter selbst verstarb im Laufe des Prozesses.

Vermieter muss Trinkwasser auf Legionellen untersuchen

Sowohl Amts- als auch Landgericht hatten die Klage abgewiesen. Die Richter argumentierten, es sei nicht nachgewiesen, dass der Mieter sich durch das belastete Wasser infiziert habe. Der BGH sah dies anders. Zwar sei der Vermieter erst seit der Novelierung der Trinkwasserverordnung im Jahr 2011 dazu verpflichtet, das Trinkwasser regelmäßig auf Legionellen zu untersuchen. Eine Pflichtverletzung komme dennoch in Betracht – und zwar im Hinblick auf die sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Demnach ist der Vermieter, vereinfacht gesagt,  dazu verpflichtet, mögliche Gefahrenquellen in seiner Immobilie zu beseitigen beziehungsweise zu verhindern, dass andere dadurch Schaden nehmen.

Allerdings entschied auch der Bundesgerichtshof nicht endgültig über den verhandelten Fall. Stattdessen verwiesen die Richter den Fall zurück an das Landgericht. Dieses muss nun klären, ob die Erkrankung des Mieters tatsächlich auf das kontaminierte Wasser zurückzuführen sei. Die Beweisführung sei diesbezüglich zuvor Lückenhaft gewesen.

Was Vermieter über Legionellen wissen müssen

Seit der Novelle der Trinkwasserverordnung vom November 2011 sind Vermieter verpflichtet, das Trinkwasser regelmäßig untersuchen zu lassen – auch auf Legionellen. Wie oft solche Untersuchungen durchgeführt werden müssen, hängt von der Menge des abgegebenen Wassers ab. Genaueres geht aus einer Tabelle in Anlage 4, Teil II der Trinkwasserverordnung hervor. Diese kann auf der Webseite des Bundesministeriums für Verbraucherschutz eingesehen werden.

Die Kosten für die Tests können Vermieter als Betriebskosten abrechnen. Sie sind jedoch auch verpflichtet, die Mieter über die Ergebnisse zu informieren.

06.05.2015


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1 Kommentar

Enkel am 04.02.2019 19:52

Meine Wohnung hat im Bad eine Wasserboiler umfasst 60 LTR.Seit vielen Wochen wird das Wasser nicht mehr richtig heiss.Ich kann den Boiler nicht durcherhitzen vor 2 Monaten noch bis auf 80 Grad.Ich habe meine Vermieter schon zweimal... mehr

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Immowelt-Redaktion am 05.02.2019 09:30

Hallo Enkel und vielen Dank für Ihren Kommentar.

treten in der Wohnung Mängel auf, sollten Sie diese immer schriftlich bei Ihrem Vermieter anzeigen und eine Frist zu Beseitigung setzen. Wie Sie dabei am besten vorgehen, erfahren Sie... mehr