Wegweiser durch den EnEV-Dschungel: Antworten auf häufige Fragen von Eigentümern

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Mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014, die am 1. Mai 2014 in Kraft getreten ist, sind viele neue Pflichten auf Immobilieneigentümer zugekommen. Jetzt, ein Jahr später, wirft die Gesetzesnovelle noch immer etliche Fragen auf. Alle Antworten auf einen Blick.

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Für viel Verwirrung sorgt die EnEV 2014 bei Immobilieneigentümern auch noch nach einem Jahr. Foto: Marco2811 / fotolia.com Foto: Marco2811 / fotolia.com

Wann müssen Hausbesitzer dämmen, wer ist dafür zuständig und ab wann wird ein Energieausweis zwingend? – Auch noch ein Jahr nach ihrer Einführung sorgt die EnEV 2014 für Verwirrung bei Immobilieneigentümern. Ein Wegweiser durch den Verordnungsdschungel.

1. Ich besitze ein Einfamilienhaus. Muss ich sanieren oder dämmen?

Eigentümer, die schon im Februar 2002 selbst in ihrem Einfamilienhaus wohnten, sind von der Pflicht zur Sanierung ausgenommen.

Für alle, die das Haus vermietet haben, erst nach 2002 erwarben oder selbst nutzten gilt:

  • Die oberste Geschossdecke muss bis zum 31. Dezember 2015 gedämmt werden. Laut EnEV 2014 gilt die Pflicht zur Dämmung als erfüllt, wenn das Dach den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 genügt.
  • Ältere Heizkessel, die bis Ende 1984 eingebaut wurden, dürfen nicht mehr betrieben werden. Heizanlagen, die danach eingebaut wurden, müssen nach spätestens 30 Jahren ausgetauscht werden. Ausgenommen von der Regelung sind allerdings Niedertemperatur- und Brennwertkessel.
Achtung

Bei einem Eigentümerwechsel hat der neue Besitzer zwei Jahre Zeit, das Haus zu dämmen und die Heizkessel auszutauschen. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld bis zu einer Höhe von 50.000 Euro.

2. Ich besitze eine Eigentumswohnung in einem Mehrparteienhaus. Wer ist für die Sanierung zuständig und was muss gemacht werden?

Prinzipiell gilt für Mehrparteienhäuser das Gleiche wie für Einfamilienhäuser: Auch hier muss die oberste Geschossdecke bis spätesten 31. Dezember 2015 gedämmt werden. Heizkessel, die bis Ende des Jahres 1984 eingebaut wurden, müssen ausgetauscht werden. Jüngere Heizkessel dürfen nach 30 Jahren nicht mehr betrieben werden.

Zuständig für die Dämmung und den Austausch der Heizkessel ist in der Regel die Hausgemeinschaft. Bei einer Wohnungseigentümergemeinschaft unterscheidet man zwischen Sonder- und Gemeinschaftseigentum. Das Dach und die Heizungsanlage gehört allen, ist also Gemeinschaftseigentum.

Ausnahme: Eigentümer von Zweifamilienhäusern, die schon im Februar 2002 in einer der Wohnungen selbst leben, sind von der Pflicht ausgenommen.

3. Das Dach eines Mehrfamilienhauses soll als Einheit verkauft und ausgebaut werden. Wer ist für die Dämmung der obersten Geschossdecke zuständig und wer muss sie zahlen?

Normalerweise ist das Dach Gemeinschaftseigentum. Für die Dämmung der obersten Geschossdecke ist also die Hausgemeinschaft zuständig.

Soll aber das Dach ausgebaut werden, muss laut EnEV nicht nur die oberste Geschossdecke, sondern das Dach gedämmt werden. Das kostet deutlich mehr.

Tipp: Um Streitigkeiten zu vermeiden, sollten die Verantwortlichkeiten schon im notariellen Kaufvertrag detailliert geklärt werden.

4. Ich vermiete meine Immobilie, kann ich die Sanierungskosten auf den Mieter umlegen?

Der Vermieter darf aktuell noch elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Jahresmiete aufschlagen. Tritt das sogenannte Mietrechtsnovellierungsgesetz in Kraft (voraussichtlich am 1. Juni 2015), können nur noch zehn Prozent auf den Mieter umgelegt werden und auch nur noch so lange, bis die Aufwendungen gedeckt sind.

5. Meine Immobilien ist denkmalgeschützt, muss ich sanieren?

Nein. Denkmalgeschützte Immobilien sind von der Regelung ausgenommen.

6. Wann brauche ich einen Energieausweis?

Sobald eine Wohnung oder ein Haus vermietet oder verkauft werden soll, müssen schon im Immobilieninserat bestimmte Angaben aus dem Energieausweis enthalten sein. Spätestens bei der Besichtigung muss der Ausweis dem Inserenten aktiv gezeigt werden. Kauft oder mietet er die Immobilie, muss ihm der Ausweis oder eine Kopie davon ausgehändigt werden. Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Ausgenommen von der Regelung sind wieder denkmalgeschützte Immobilien.

24.04.2015


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2 Kommentare

Immowelt-Redaktion am 07.05.2015 09:05

Sehr geehrte Frau Buchberger,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Unabhängig davon, dass sich die verschiedenen Angaben im Energieausweis inzwischen geändert haben, sind auch Ausweise, die zwischen 2010 und 2011 ausgestellt wurden, noch... mehr

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Rosemarie Buchberger am 06.05.2015 18:18

Ich habe mein vermietetes Haus 2010 bis 2011 komplett nach EnEf 2010 sanieren lassen und für Beratung, Betreuung und Bewertung sehr viel Geld bezahlt. Inzwischen haben sich die Bezeichnungen für die Werte inzwischen so geändert, daß ich... mehr

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