Umfrage zum Bestellerprinzip: 69 Prozent der Makler erwarten negative Auswirkungen auf ihr Geschäft

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Das Bestellerprinzip ist beschlossen und soll noch im Frühsommer in Kraft treten. Die Mehrheit der deutschen Immobilienprofis erwartet durch die Neuregelungen negative Auswirkungen auf ihr Geschäft – wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Um auf dem Markt bestehen zu bleiben, wollen etliche Makler mit Preiskampf und Selbstmarketing reagieren.

Am 1. Juni 2015 treten Bestellerprinzip und Mietpreisbremse in Kraft. Die deutschen Immobilienprofis blicken diesem Datum eher kritisch entgegen: 69 Prozent gehen davon aus, dass sich die Neuregelungen negativ auf ihr Geschäft auswirken werden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von immowelt.de hervor. 25 Prozent der befragten Makler erwarten dagegen keine Auswirkungen für das eigene Geschäft. Lediglich sechs Prozent können sich positive Folgen durch das Bestellerprinzip vorstellen.

Das Bestellerprinzip sieht vor, dass bei der Vermittlung von Wohnungsmietverträgen derjenige die Provision zahlt, der die Leistung auch in Auftrag gegeben hat. Allerdings ist das Gesetz in der Branche umstritten. Denn der Makler darf keine Provision fordern, wenn er einem Wohnungssuchendem eine Immobilie anbietet, die ihm bereits bekannt ist. Selbst bei identischen Suchaufträgen darf er verschiedenen Kunden nicht die gleiche Wohnung anbieten, wenn er für seine Dienste Provision verlangen will. Gerade dieser Aspekt sei „praxisfern und nicht marktwirtschaftlich“, kritisieren etliche Immobilienexperten und Immobilienverbände. Auch der Fachausschuss des Bundesrats wollte ursprünglich das Gesetz diesbezüglich nachbessern lassen.

Preiskampf und Selbstmarketing als Reaktion auf Bestellerprinzip

Tritt das Bestellerprinzip in Kraft, werden Makler ihre Arbeitsweise größtenteils umstellen müssen. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, künftig Vermieter noch deutlicher über ihre Leistungen zu informieren, um zu zeigen, dass die Provision gerechtfertigt ist. Jeder dritte Makler will zudem nur noch Mietimmobilien vermitteln, bei denen der Kosten-Nutzen-Faktor stimmt. Mit Angebotspaketen und neuen Preismodellen wollen 29 Prozent der Makler Kunden gewinnen. Sie überlegen beispielsweise, Neuvermietungen kostenlos anzubieten, wenn der vermittelte Mieter schon nach kurzer Zeit wieder auszieht. Eine andere Möglichkeit wäre, einzelne Leistungen – wie etwa die Erstellung eines Exposés – abzurechnen statt eine pauschale Provision zu verlangen.

Jeder siebte Makler will sich aus Mietimmobiliengeschäft zurückziehen

15 Prozent der befragten Makler werden sich in Zukunft völlig aus dem Mietimmobiliengeschäft zurückziehen. Nur 14 Prozent werden verstärkt Kontakt zu Mietern suchen, um auch diese als Kunden zu gewinnen.

21 Prozent der befragten Makler wissen allerdings noch nicht, wie sie ihr Geschäft den neuen Rahmenbedingungen anpassen werden. Sie gaben an, alles erst mal auf sich zukommen zu lassen und abzuwarten.

Die Umfrage wurde innerhalb des Immobilien-Professional-Panels (IPP) der Immowelt AG erhoben, dem ersten deutschen Profi-Panel für Marktforschung. An der Umfrage beteiligten sich 833 Fachleute aus der Immobilienwirtschaft.

21.04.2015


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24 Kommentare

Michael Ramisch am 09.05.2015 16:55

Viele Kommentare, die viele berechtigte Fragen und auch Ängste in sich tragen! Es ist ungeheuerlich, was sich Politiker erlauben, siehe damals Norbert Blüm...! Heute argumentiert er ganz anders, als damals, als er lauthals auf allen... mehr

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Stefan G. am 08.05.2015 17:06

@ genervter Mieter

Wenn der Makler weitere Wohnungen hätte, die in das Suchprofil des Kunden passen, würde er sie sicher auch zeigen.

Bei dem knappen Wohnungsangebot, ist man froh, wenn überhaupt eine passende Wohnung dabei ist!

... mehr

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Stefan G. am 08.05.2015 16:27

Die Maklerprovision wird weiterhin vom Mieter gezahlt! Die Eigentümer werden Mittel und Wege finden, sei es eine Staffelmiete mit Mindestlaufzeiten oder andere Tricks.

Zum Beispiel von Florian T. zu kommen:

Der Autoverkäufer verlangt... mehr

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