Herumdoktern an Symptomen, aber keine Problemlösung: 80 Prozent der Immobilienexperten halten Mietpreisbremse für unwirksam

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Die Mietpreisbremse soll den rasanten Anstieg der Mieten in Ballungsgebieten bekämpfen. Deutschlands Immobilienprofis haben da allerdings so ihre Zweifel: 80 Prozent glauben nicht, dass die Mietpreisbremse steigende Mieten verhindern kann. Sie sehen das Problem eher in der regionalen Wohnungsknappheit. Jeder zweite Makler hat mittlerweile sogar festgestellt, dass Vermieter die Mieten vorsorglich erhöht haben schon bevor das Gesetz beschlossen wurde.

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Die Mietpreisbremse soll den Mietanstieg eindämmen. Die Mehrheit der deutschen Makler glaubt nicht, dass die Bremse dieses Problem lösen kann. Foto: Ralf Gosch / fotolia.com Foto: Ralf Gosch / fotolia.com

Am 1. Juni 2015 tritt die Mietpreisbremse in Kraft. Ihr Ziel: den vielerorts steigenden Mieten entgegenwirken. Die Mehrzahl der Immobilienexperten in Deutschland sieht die Mietpreisbreme allerdings eher als ein „Herumdoktern an Symptomen“ denn als Problemlösung. 80 Prozent der Makler glauben, dass die Mietpreiserhöhungen der letzten Jahre vielmehr im Wohnungsmangel begründet liegen. Das hat eine aktuelle Umfrage von immowelt.de ergeben.

Gesetz mit zahlreichen Ausnahmen

Tritt die Mietpreisbremse in Kraft, darf der Mietpreis bei Neuvermietungen maximal zehn Prozent über dem Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ausgenommen vom Gesetz sind neu gebaute Wohnungen, die nach dem 1. Oktober 2014 fertiggestellt wurden, sowie umfassend modernisierte Immobilien. Als solche gelten Objekte, deren Renovierungskosten etwa ein Drittel der Kosten für einen vergleichbaren Neubau betragen. Eingesetzt werden soll die Mietpreisbremse zudem nur in Gebieten, die als „angespannt“ gelten. Zu ermitteln, auf welche Gegenden dies zutrifft, obliegt den Bundesländern.

Makler befürchten Schlupflöcher

Gerade einmal sechs Prozent der befragten Makler halten das Gesetz dazu geeignet, die steigenden Mieten einzudämmen. Mindestens jeder zweite Makler hingegen befürchtet aufgrund des Gesetzes Mieterhöhungen, Qualitätseinbußen und noch weniger Neubau. 49 Prozent der Befragten glauben, dass es in Zukunft ausreichend Schlupflöcher geben wird, um doch höhere Mieten durchzusetzen.

Mietpreisbremse führt zu Renovierungsstaus

Gleichzeitig sind 78 Prozent der Immobilienprofis davon überzeugt, dass die Mietpreisbremse zu Renovierungsstaus führen könnte. Kleinere Renovierungen würden immer seltener durchgeführt, weil sich diese für den Vermieter nicht mehr rentierten. 59 Prozent der Befragten befürchten, dass Vermieter Wohnungen zunehmend generalsanieren, um sie hinterher losgelöst von der Mietpreisbremse zu vermieten.

Eine weitere Befürchtung ist hingegen schon eingetreten: Jeder zweite Makler hat bereits festgestellt, dass Vermieter bei Neuvermietungen schon vor Beschluss der neuen Regelung die Miete vorsorglich erhöht haben.

Die Umfrage wurde innerhalb des Immobilien-Professional-Panels (IPP) der Immowelt AG erhoben, dem ersten deutschen Profi-Panel für Marktforschung. An der Umfrage beteiligten sich 833 Fachleute aus der Immobilienwirtschaft.

31.03.2015


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2 Kommentare

Evi1M4chine am 10.06.2017 17:58

Ich habe gerade recherchiert, wann die Miete tatsächlich erhöht werden kann, und um wieviel,

und die Mietpreisbremse is definitiv nicht unwirksam.

Klar kann der Vermieter eine Modernisierung durchführen, um mehr zu erhöhen. Aber dann... mehr

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Dr. Reischel am 31.03.2015 17:09

Die Miete darf bei Neuvermietungen lediglich auf 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete steigen. Hieraus folgt ein Bestandsschutz für Wohnungen, die bereits vorher zu noch höheren Mieten vermietet waren. Diese können zu den... mehr

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