Durchschnittsverdiener sind Verlierer der Mietpreisbremse

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Die jetzt vom Bundestag beschlossene Mietpreisbremse soll verhindern, dass die Mieten in angespannten Wohnungsmärkten ins Unermessliche steigen. Tatsächlich verschärft sich durch sie die Situation von Durchschnittsverdienern, die eine Durchschnittswohnung suchen.

Mietpreisbremse
Neue Wohnungen bleiben für den Durchschnittsverdiener unbezahlbar, normaler Wohnraum wird wegen der Mietpreisbremse noch knapper. Foto: pathdoc/fotolia.com

Die jetzt beschlossene Mietpreisbremse soll eigentlich Mietern mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen helfen, bezahlbare Wohnungen zu finden. Doch wird sie nach Ansicht von Experten nicht dazu beitragen, dass das Gros der Wohnungssuchenden künftig leichter eine bezahlbare Wohnung finden wird. Im Gegenteil: Von der Preisbremse werden vor allem finanzstarke Wohnungssuchende profitieren, ist Rolf Kornemann, Präsident des Eigentümerverbandes Haus & Grund, überzeugt. Das gilt zumindest für Städte mit angespanntem Wohnungsmarkt, für die die Regelungen der Preisbremse gelten sollen. Zwar können Vermieter bei einer Neuvermietung nur noch maximal zehn Prozent mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete verlangen. Diese Preisdeckelung wird aber aus drei Gründen nicht dazu beitragen, dass der Durchschnittsmieter künftig leichter eine passable und bezahlbare Wohnung findet.

Erstens: Mehr Konkurrenzdruck

Die Preisbremse erhöht das Angebot an Wohnraum in angespannten Märkten nicht. Die Mieten für attraktive Wohnungen, die einen Durchschnittsverdiener ansprechen, werden zwar gedeckelt. Gleichzeitig erhöht sich aber der Konkurrenzdruck: Sind die Mieten für die knappen guten Wohnungen moderat, gibt es mehr Interessenten. Das Rennen macht dann derjenige, der eben etwas solventer als der typische Durchschnittsverdiener ist. Die Folge: Der Durchschnittsverdiener selbst muss um die eher schlechteren Wohnungen kämpfen, um überhaupt eine Bleibe zu finden.

Zweitens: Perspektivisch schlechtere Wohnungsqualität

Vermieter sind meist Marktakteure mit Gewinnerzielungsabsicht. Weil Neubau und Modernisierung teuer sind, investieren sie nur dann, wenn ihr Investment eine angemessene Rendite erwirtschaftet. Zwar gilt die Mietpreisbremse für Neubauten und grundlegend sanierte Altbauwohnungen nicht, wegen der hohen Kosten entstehen solche Wohnungen jedoch überwiegend im gehobenen Preissegment, dort also, wo Vermieter eine höhere Miete verlangen können und dürfen. Zielgruppe sind hier solvente Mieter und nicht Durchschnittsverdiener.

Durchschnittswohnungen werden oft aber nur teilsaniert: In einem Jahr neue Fenster, beim nächsten Mieterwechsel ein neues Bad. In solchen Fällen greift die Mietpreisbremse. Zwar gestehen viele Mietspiegel ein paar Prozentpunkte Preisaufschlag zu, wenn Fenster bestens gedämmt und Bäder modern sind. Zudem können Vermieter bei bestehenden Mietverhältnissen eine Modernisierungsmieterhöhung durchführen, wenn die Maßnahmen wohnwertverbessernd oder energieeinsparend sind. Bei einer Neuvermietung gilt aber: Mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete sind nicht erlaubt. Da aber schon einzelne Gewerke oft fünfstellige Kosten verursachen, lohnen sich Teilmodernisierungen für den Vermieter oft nicht mehr. Die Folge: Das alte giftgrün geflieste, aber funktionsfähige 70er-Jahre-Bad bleibt drin.

Drittens: Noch knapperes Angebot

Mietpreisbremse und Modernisierungspflichten durch die Energieeinsparverordnung: Immer mehr Regulierungen verunsichern Vermieter und Investoren. Wer sich von einem komplexen und einschränkenden Regelwerk konfrontiert sieht, wird nicht in bezahlbare Mietwohnungen investieren. Außerhalb des Luxussegments werden deshalb auch in Städten mit Wohnungsknappheit kaum neue bezahlbare Wohnungen entstehen. Hier gilt: Es hilft dem Durchschnittsverdiener nicht, wenn die wenigen passablen Wohnungen dank Mietpreisbremse zwar bezahlbar bleiben, er aber keine bekommt. Wohnungsknappheit in wachsenden Städten kann nur durch mehr Wohnungen beseitigt werden. Und hier ist die Mietpreisbremse kontraproduktiv.

05.03.2015


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