Wohnung chaotisch und unaufgeräumt: Kein Kündigungsgrund

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Unordnung in der Mietwohnung ist kein Kündigungsgrund. Der Mieter darf seine Wohnung bis zu den Grenzen einer Gefährdung nach seinem Geschmack gestalten – Chaos inbegriffen.

Unordnung ist kein Kündigungsgrund
Wohnung unaufgeräumt? Kein Kündigungsgrund! Foto: THPStock/fotolia.com

Chaos und Unordnung in der Mietwohnung mögen einem Vermieter nicht gefallen, doch ein Kündigungsgrund ist das nicht. Das entschied das Landgericht Berlin (Az.: 65 S 225/13). Grundsätzlich darf ein Mieter seine Wohnung so gestalten, wie er will. Solange dadurch die Substanz der Wohnung nicht gefährdet wird, schließt das Unordnung und Chaos mit ein, so die Richter.

Chaos in der Mietwohnung: Kein Kündigungsgrund

Im verhandelten Fall kam es schon im Vorfeld der fristlosen Kündigung des Vermieters zu Spannungen zwischen den Vertragsparteien: Der Vermieter hatte zuvor bereits mehrere ordentliche – aber letztlich unwirksame – Kündigungen ausgesprochen. Auch sein neuer Anlauf, seine Mieterin loszuwerden, scheiterte vor Gericht. Er warf der Mieterin zwei Dinge vor: Erstens schimmele es in ihrem Bad und zweitens sei die Wohnung unaufgeräumt und verwahrlost.

Hinsichtlich des Schimmelbefalls stellte das Gericht fest, dass die Schadensursache ungeklärt sei: Zunächst müsse aber der Vermieter beweisen, dass der Schimmelbefall kein Mangel der Mietsache sei. Erst dann sei der Mieter in der Beweispflicht, dass unzureichendes Heiz- oder Lüftverhalten als Ursache nicht in Frage kämen. Weil das unklar blieb, lag kein Kündigungsgrund vor.

Keine Substanzbeeinträchtigung durch Anhäufung von Gegenständen

Auch hinsichtlich der Unordnung gaben die Richter dem klagenden Vermieter nicht Recht: Alleine die Anhäufung von Gegenständen in der Wohnung und die dadurch verursachte Unordnung könne keine Kündigung rechtfertigen. Der Mieter dürfe seine Wohnung grundsätzlich bis zu den Grenzen einer Gefährdung nach seinem Geschmack gestalten, so die Richter. Substanzbeeinträchtigungen, üblen Geruch oder den Befall durch Ungeziefer konnte das Gericht nicht feststellen. Auch habe der Vermieter nicht dargelegt, dass Derartiges zu befürchten sei. Die vom Vermieter zur Akte gegebenen Fotos belegten lediglich, dass das Wohnzimmer der Wohnung mit diversen Gegenständen erheblich zugestellt sei – organischer Müll sei auf den Bildern nicht zu erkennen. Die Mieterin darf also in ihrer Wohnung bleiben.

09.12.2014


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2 Kommentare

exprimo85@googlemail.com am 01.09.2018 22:38

Hallo ich habe eine unordentlich 1 Zimmer Wohnung in der Wohnung stehen viel kosten Rum mit Werkzeuge und Materialien die zum Arbeiten brauche . Jetzt Kamm meine Vermieterin und hat 1 Fenster zumauern lassen . Und ein Fenster würde... mehr

auf Kommentar antworten

exprimo85@googlemail.com am 01.09.2018 22:39

Kosten sind Kisten


Immowelt-Redaktion am 03.09.2018 09:51

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

eine unaufgeräumte oder unordentliche Wohnung ist kein Grund für eine fristlose Kündigung, die im Übrigen schriftlich erfolgen muss. Selbst bei einer wirksamen fristlosen Kündigung können... mehr

stefano38 am 09.08.2016 15:01

In meinem Fall geht es darum das ich ein Zimmer gemietet habe und eines Morgens musste ich nach einem dringenden Telefonanruf alles stehen und liegen lassen sodass ich das Zimmer unaufgeräumt verlassen musste. Da an diesem Tag die... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 09.08.2016 15:39

Hallo Stefano38,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Der Vermieter kann dem Mieter generell nur aus bestimmten Gründen kündigen, etwa aufgrund von Eigenbedarf oder weil der Mieter die Miete nicht zahlt oder die Wohnung beschädigt. Eine... mehr