100-Prozent-Finanzierung versetzt Bundesbank in Alarmbereitschaft

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Eine Hausfinanzierung ohne Eigenkapital ist heutzutage nicht unüblich. Die Deutsche Bundesbank warnt allerdings in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2014, der heute in Frankfurt vorgestellt worden ist, vor Gefahren durch die 100-Prozent-Finanzierung. Sollte es nämlich bei den kreditfinanzierten Wohnimmobilien zu einem Rückgang der Preise und entsprechenden Kreditausfällen kommen, könnte das immense Auswirkungen auf die Finanzstabilität der Banken haben.

Deutsche Bundesbank, 100-Prozent-Finanzierung, Foto: Deutsche Bundesbank
Die Deutsche Bundesbank warnt in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2014 vor eine Gefahr durch 100-Prozent-Finanzierung. Foto: Deutsche Bundesbank Foto: Deutsche Bundesbank

Steigende Preise für Wohnimmobilien in Deutschland bergen bislang keine übermäßigen Risiken für die Finanzstabilität der Banken, betont Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch in einer Pressemitteilung. Es gebe kaum Hinweise auf ein prozyklisches Verhalten der Banken bei der Vergabe von Wohnungsbaukrediten. Eine destabilisierende Wechselwirkung zwischen Kreditvergabe und Preisentwicklung sei daher bisher noch nicht zu erkennen.

100-Prozent-Finanzierung: Strukturelle Anfälligkeiten im deutschen Bankensystem

Dennoch warnt die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2014 vor einer Gefahr: Vor allem in Städten, in denen die Immobilienpreise rasch steigen, sei die 100-Prozent-Finanzierung Gang und Gäbe. Das deute durchaus auf „strukturelle Anfälligkeiten im deutschen Bankensystem“ hin. Gingen nämlich an den Immobilienmärkten die Preise zurück und stiegen gleichzeitig die Ausfallraten an, würde dies die Gewinne der Banken belasten. Übermäßige, vorrangig kreditfinanzierte Preissteigerungen auf Immobilienmärkten seien in der Vergangenheit häufig der Auslöser für Finanzkrisen gewesen, so die Bundesbank.

Eine wichtige Rolle beim künftigen Umgang mit Risiken schreibt die Bundesbank der Bankenunion zu. Die europäische Bankenaufsicht könne strenge einheitliche Aufsichtsstandards und -praktiken durchsetzen und länderübergreifende Quervergleiche durchführen. Mit dem einheitlichen Abwicklungsmechanismus verbessere die Bankenunion die Voraussetzungen dafür, Banken in Schieflage zu sanieren oder abzuwickeln. „Leitgedanke der neuen Regeln ist das Instrument des Bail-in“, sagte Buch. Künftig sollen grundsätzlich Eigentümer und Gläubiger an den Kosten einer Bankenrestrukturierung beteiligt werden. Damit würde der Privatsektor in Zukunft eingegangene Risiken auch selbst tragen, wenn sich diese realisieren.

25.11.2014


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