Belege zur Nebenkostenabrechnung: Keine Kopien bis 30 Kilometer Distanz zum Vermieter

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Mieter haben ein Recht auf Belegeinsicht, wenn sie an der Richtigkeit der Nebenkostenabrechnung zweifeln. Kopien der Belege bekommen sie aber nur dann, wenn die Distanz bis zum Büro des Vermieters sehr weit ist. Ein Gericht entschied nun: Ab 30 Kilometer Luftlinie bekommt der Mieter Kopien.

Nebenkostenabrechnung, Foto: Denis Junker/fotolia.com
32 Kilometer Distanz sind zu weit: Vermieter muss Kopien zur Nebenkostenabrechnung machen. Foto: Denis Junker/fotolia.com

Jeder Mieter hat das Recht, die Belege zur Nebenkostenabrechnung einzusehen, um deren Richtigkeit zu überprüfen. Kopien erhält er aber in der Regel nicht, auch nicht gegen Geld. Ausnahme: Die Entfernung zwischen Mieterwohnung und Vermieterbüro ist so groß, dass der weite Weg für den Mieter unzumutbar wäre. Dann und nur dann kann der Mieter Kopien gegen Erstattung der Kopierkosten verlangen. Wie groß die Distanz sein muss, hat jetzt das Amtsgericht Halle entschieden (Az.: 93 C 2040/13). Nach Ansicht der Richter müssen es mindestens 30 Kilometer sein.

Nebenkostenabrechnung: Keine Nachzahlung ohne Möglichkeit zur Prüfung

Im verhandelten Fall sollte ein Mieter aus Halle (Saale) laut Abrechnung Betriebskosten nachzahlen. Um die Abrechnung zu überprüfen, forderte er Belegkopien von der in Leipzig ansässigen Hausverwaltung. Diese verweigerte die Kopien mit Verweis auf die Möglichkeit, Einsicht in die Belege direkt in ihrem Büro nehmen zu können und bestand weiterhin auf der Nachzahlung. Weil der Mieter den Abrechnungsbetrag nicht beglich und weiter auf die Kopien bestand, kam es zum Streit – der zugunsten des Mieters endete.

Mehr als 30 Kilometer Distanz sind unzumutbar

Das Gericht entschied, dass es in der Regel zwar ausreichend sei, wenn der Mieter im Büro des Vermieters Einsicht in die Belege nehmen könne. Dies gelte aber dann nicht, wenn die Distanz zwischen Mieterwohnung und Vermieterbüro sehr groß sei. In solchen Fällen sei es dem Mieter nicht zuzumuten, die weite Strecke zurückzulegen und er habe ausnahmsweise ein Anrecht auf Kopien gegen Erstattung der Kopierkosten. So lag der Fall hier: Mehr als 30 Kilometer Luftlinie seien unzumutbar, urteilten die Richter. Weil die Luftlinie zwischen Mieterwohnung und dem Büro der Hausverwaltung 32 Kilometer betrug kann der Mieter so lange die Nachzahlung zurückbehalten, bis der Vermieter die Kopien zwecks Überprüfung zur Verfügung stelle.

22.10.2014


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