Urteil: Hund darf auf Gelände einer Eigentümergemeinschaft ohne Leine herumlaufen

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Wohnungseigentümer müssen akzeptieren, dass Nachbarn ihren Hund ohne Leine herumlaufen lassen – zumindest, wenn in der Hausordnung nichts anderes vorgesehen ist. Dies entschied das Amtsgericht München (Az.: 113 C 19711/13). Ein freilaufender Hund beeinträchtige nicht die ungestörte Nutzung des Wohneigentums, argumentierten die Richter.

Hund, Leine, Foto: bigandt/fotolia.com
Ein Hund darf auf dem Gelände einer Eigentümergemeinschaft frei herumlaufen wenn dies in der Hausordnung nicht verboten ist. Foto: bigandt/fotolia.com Foto: bigandt/fotolia.com

Der Hund gilt zwar als der beste Freund des Menschen – das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass auch alle Menschen gut mit Hunden zurechtkommen. Insbesondere wenn sie noch jung und ungestüm sind, neigen die Vierbeiner dazu, an Menschen hochzuspringen und sie unter Einsatz von Zunge und kalter Schnauze genau zu inspizieren. So geschehen auch im Münchner Stadtteil Perlach, wo der Hund eines Mieters einen Nachbarn regelmäßig mit seiner allzu freundlichen Art konfrontierte. Beide Wohnungen – die des Mieters und die des Nachbarn – sind Teil einer Eigentümergemeinschaft.

Der Nachbar, der seine Eigentumswohnung selbst bewohnt, wollte sich das Verhalten des Hundes nicht länger gefallen lassen. Daher versuchte er per Gerichtsbeschluss, dem Hund einen Leinenzwang aufzuerlegen. Das Tier, das etwa 28 Kilogramm schwer ist und eine Schulterhöhe von etwa 48 Zentimetern hat, habe mehrmals versucht, seine Ehefrau zu beschnüffeln und an ihr hochzuspringen. Durch das Verhalten des Hundes fühle sich das Ehepaar in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Richter folgten der Klage allerdings nicht: Der Hund darf weiterhin unangeleint herumlaufen.

Hund beeinträchtigt nicht das Eigentumsrecht

In ihrer Begründung führten die Richter an, dass die Hausordnung keine Leinenpflicht für Hunde in der Wohnungsanlage vorsehe. Zudem  beeinträchtige der Hund auch nicht das Eigentumsrecht des Klägers. Dieser könne Wohnung und Gemeinschaftsflächen ungehindert nutzen, denn von dem Tier gehe keinerlei Gefahr aus. Das Beschnuppern und Bespringen sei sofort von den Hundehaltern unterbunden worden, auch die Haltung des Tieres sei genehmigt gewesen.

Um den Streit nicht weiter anzuheizen entschlossen sich die Hundehalter übrigens trotz rechtskräftigem Urteil, den Hund künftig nur noch an der Leine herumlaufen zu lassen. Das Gericht gab dem Kläger zu guter Letzt noch den Ratschlag, dies dankend anzunehmen – denn einen Rechtsanspruch darauf habe er nicht.

10.10.2014


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