Feuchter Keller in Altbau kein Grund für Mietminderung

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Ein feuchter Keller in einer Altbauwohnung ist kein Grund für eine Mietminderung. Auch Schadensersatz für beschädigte Gegenstände, die im Keller gelagert wurden, steht Mietern nicht zu. Das hat das Landgericht Ansbach in einem Urteil (Az.: 1 S 228/14) entschieden.

Feuchter Keller, Foto: mathess/fotolia.com
Ein alter Keller ist oft auch ein feuchter Keller. Ein Recht deswegen die Miete zu mindern, haben Mieter dabei jedoch nicht. Foto: mathess/fotolia.com Foto: mathess/fotolia.com

In vielen Altbauten sind die Kellerräume nach außen hin nicht isoliert. In der Folge dringt häufig Feuchtigkeit ein. Solche Keller sind nicht geeignet, um in ihnen offene Lebensmittel oder Möbel zu lagern, weil sich leicht Schimmel bilden kann. In Ansbach hatte ein Mieter dennoch Polstermöbel im Keller aufbewahrt. Diese wurden von Schimmel befallen und so unbrauchbar. Der Mieter minderte daraufhin die Miete um zehn Prozent und verlangte zudem Schadensersatz in Höhe von rund 5.400 Euro.

Feuchter Keller: Entscheidend ist der Standard bei Errichtung des Gebäudes

Nachdem der Vermieter mit der Forderung des Mieters nicht einverstanden war, ging die Sache vor Gericht. Das Amtsgericht Ansbach gab dem Vermieter Recht. Der Mieter wollte es dabei jedoch nicht belassen und ging in Berufung – erfolglos, denn das Landgericht Ansbach folgte der Argumentation der Vorinstanz. Wenn beurteilt wird, ob bei einer Wohnung oder einem mitvermieteten Keller ein Mangel vorliegt, sei es grundsätzlich entscheidend, wann die Immobilie erbaut worden sei, begründeten die Richter ihr Urteil. Denn zu anderen Zeiten galten beim Hausbau auch andere Maßstäbe. Im vorliegenden Fall war das Gebäude im Jahr 1900 errichtet worden – eine Isolierung des Kellers gegen Feuchtigkeit gehörte damals nicht zum Stand der Technik, ein feuchter Keller war Normalität.

Ihr Urteil stützte das Gericht auch auf ein Sachverständigengutachten. Demnach stammen die ersten Regelwerke zur Bauwerksabdichtung aus dem Jahr 1932. Auch in der Bayerischen Bauordnung aus dem Jahr 1900 seien keine Regelungen zum Schutz der Bauwerke gegen Feuchtigkeit vorgesehen. Der Mieter könne daher bei einem Kellerraum nicht erwarten, dass dieser zur jahrelangen Einlagerung von Polstermöbeln geeignet ist. Für den Fall sei bedeutungslos, dass der Vermieter den Keller hätte abdichten lassen können – schließlich genüge das Gebäude insgesamt dem Mindeststandard.

17.09.2014


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3 Kommentare

Immowelt-Redaktion am 16.10.2014 09:27

Liebe Dominique,

das Landgericht Ansbach entschied im vorliegenden Fall, dass für die Maßstäbe, die an ein Gebäude angelegt werden, der Zeitpunkt entscheidend ist, zu dem es erbaut wurde. Eine allgemeingültige Aussage lässt sich... mehr

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Dominique am 15.10.2014 18:34

Wie wird es dann gehandhabt, bei einem Bestandsbau von 1957? Ebenfalls feuchter Keller und Regale, welche extra von der Nässe schützen sollten (da Kellerboden hin und wieder nass war) geholt wurden und ebenfalls vom Schimmel befallen... mehr

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Franz Laböck am 14.10.2014 12:04

Interessant für Vermieter

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