Genossenschaftswohnung: Immer mehr Mieter wollen Genossen werden

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Wer weder eine Wohnung kaufen will noch ein konventionelles Mietverhältnis anstrebt, hat eine dritte Option: Genosse werden. Damit ist er Miteigentümer einer Wohnungsgenossenschaft, profitiert von vergleichsweise günstigen Mieten und einem besseren Kündigungsschutz. Der Nachteil: Man muss erstmal investieren und sich in die Genossenschaft einkaufen. Trotzdem erfreut sich das Modell angesichts der Wohnungsknappheit zunehmender Beliebtheit.

Genossenschaftswohnung, Foto: ArTo/fotolia.com
Eine Genossenschaftswohnung ist eine attraktive Alternative zur Mietwohnung. Foto: ArTo/fotolia.com

Genosse werden statt mieten: Dieses alte Konzept erlebt derzeit eine Renaissance. In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Genossenschaften gegründet, so dass der Bestand an Genossenschaftswohnungen steigt. Angesichts der Wohnungsknappheit gibt es dennoch endlose Wartelisten. So plant zum Beispiel die 1993 gegründete Münchner Genossenschaft Wogeno derzeit den Neubau von 220 Wohneinheiten, verzeichnet aber einen Zugang an Neumitgliedern, der deutlich darüber liegt. Die ebenfalls in der bayrischen Hauptstadt beheimatete Wagnis eG baut derzeit 140 Einheiten in fünf Passivhäusern. Insgesamt wohnen hierzulande laut Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW) rund fünf Millionen Menschen in Wohnungen der rund 2.000 Wohnungsgenossenschaften.

Das Konzept geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als breite Teile der Bevölkerung unter katastrophalen Wohnverhältnissen litten. Der Grund für den Erfolg: Anders als Immobilienunternehmen oder private Investoren wollen Genossenschaften keine Gewinne machen. Deshalb ist es oft günstiger, in einer Genossenschaftswohnung zu leben als in einer konventionellen Mietwohnung. Eigentümer einer Genossenschaft sind nicht irgendwelche Investoren oder Firmen, sondern die Genossen selbst, die nach dem Prinzip Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung agieren.

Genossenschaftswohnung mit besserem Mieterschutz

Dementsprechend werden Genossenschaftswohnungen auch nicht an die Genossen vermietet. Vielmehr schließt die Genossenschaft mit ihren Genossen Nutzungsverträge ab. Inhaltlich und rechtlich sind diese regulären Mietverträgen sehr ähnlich. Allerdings ist ein Genosse in der Regel besser geschützt als ein Mieter: So kann es zum Beispiel keine Kündigung wegen Eigenbedarfs geben. Denn eine solche ist nur für den Vermieter oder seine nahen Angehörigen möglich. Da eine Genossenschaft aber keine natürliche Person ist und deshalb auch keine Verwandten haben kann, fällt ein solcher Kündigungsgrund weg.

Auch Erhöhungen des Nutzungsentgelts – ergo Mieterhöhungen – bis zur äußersten Grenze des Zulässigen muss ein Genosse in der Regel nicht fürchten. Zwar wurde das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz, das nur eine reine Kostenmiete erlaubte, schon vor vielen Jahren abgeschafft – Genossenschaften können deshalb durchaus eine höhere als die Kostenmiete bis hin zur ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen. Allerdings begrenzen schon alleine die Satzungen der Genossenschaften exzessive Mieterhöhungen, da sie ja alleine ihren Mitgliedern verpflichtet sind. Im allgemeinen entspricht die Miethöhe deshalb oft der Kostenmiete plus einem Aufschlag als Reserve für schlechte Zeiten oder für geplante Sanierungen.

Genossenschaftswohnung oft günstiger als Mietwohnung

In der Praxis sind Wohnungen von alteingesessenen Genossenschaften oft preiswerter als Wohnungen auf dem freien Mietmarkt. Neu gegründete Wohnungsbaugenossenschaften verfolgen bisweilen aber auch andere Satzungsziele, etwa eine besonders energieeffiziente und ökologische Bauweise, die Sanierung von wertvollen Altbauten oder die Schaffung von seniorengerechtem Wohnraum. Solche Wohnungen sind dann oftmals weniger günstig, aber immer noch günstiger als Wohnungen von gewinnoptimiert agierenden Investoren, denn genau die Gewinnoptimierung ist kein Ziel der Genossenschaften.

Eintrittsgebühr für Genossenschaftswohnung

Allerdings muss man sich in eine Genossenschaft zunächst einmal einkaufen. Üblicherweise zahlt der Neugenosse eine Eintrittsgebühr und ist zudem verpflichtet, einige Anteile – oft Abhängig von der Wohnungsgröße – zu erwerben. Ein Beispiel: Die Berliner Genossenschaft Merkur eG verlangt eine Eintrittsgebühr von 55 Euro, einen Pflichtanteil von 150 Euro sowie zusätzlich 600 Euro für jeden Wohnraum.

Ganz anders das Konzept der erst vor kürzerer Zeit gegründeten Genossenschaft AndersWohnen eG aus Nürnberg: Hier war es ein Ziel, Wohnraum für Senioren und Alleinerziehende zu schaffen und mögliche soziale Synergien zu nutzen. Im Gebäude der Genossenschaft befinden sich neben 44 Wohneinheiten auch eine Kita und eine Bäckerei als Treffpunkt. Hier Genosse zu werden, war für die Bewohner allerdings etwas teurer als bei den alteingesessenen Genossenschaften: Neben einmaligen 1.500 Euro Mitgliedsbeitrag wurden zwischen 100 und 400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche fällig – je nach Einkommen. Dafür liegen die Mieten geringfügig unterhalb derer, die der aktuelle Mietspiegel ausweist. Zudem verspricht die Genossenschaft niedrige Mietsteigerungen und ein lebenslanges Wohnrecht.

Da Genossenschaftswohnungen oft günstiger sind als Mietwohnungen, sind sie begehrt. Das hat zur Folge, dass es bisweilen lange Wartelisten gibt. Unter Umständen kann man auch als Erbe an eine solche Wohnung gelangen – ob das möglich ist, regelt die jeweilige Satzung der Genossenschaft.

15.09.2014


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2 Kommentare

Immowelt-Redaktion am 31.07.2015 08:23

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