Minijob statt Schwarzarbeit: Putzfrau, Handwerker und Co. sind von der Steuer absetzbar

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Schwarzarbeit ist zwar illegal, aber günstig. Für ein Drittel aller Deutschen kommt es deshalb in Frage, Arbeiten rund ums Haus ohne Rechnung erledigen zu lassen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Es gibt aber auch legale Wege, um zu sparen: Einfach Putzfrau, Handwerker und Co. von der Steuer absetzen. Hier einige Tipps wie das geht.

Schwarzarbeit. Foto: apops/fotolia.com
Mit Schwarzarbeit Geld sparen ist selten sinnvoll. Privathaushalte sollten lieber Steuerermäßigungen für haushaltsnahe Tätigkeiten nutzen. Foto: apops/fotolia.com

Gut ein Drittel aller Deutschen können sich vorstellen, Handwerker, Putzfrau und Co. schwarz zu beschäftigen. Das zeigt eine aktuelle Studie von immowelt.de. Viele sind schlicht zu geizig, andere halten es für zu teuer, bei der Handwerkerrechnung neben Stundenlohn, Anfahrt und Materialkosten auch noch die Umsatzsteuer mitzubezahlen. Auch die Sozialversicherungsabgaben für die Haushaltshilfe würden sich einige gern sparen. Dem Gesetzgeber ist die weitverbreitete Sparwut durchaus bewusst. Um Schwarzarbeit entgegenzuwirken, hat er mehrere Möglichkeiten geschaffen, Handwerkerrechnungen, sogenannte „haushaltsnahe Tätigkeiten“ und Minijobs in Privathaushalten steuerlich geltend zu machen. Wer sich gut informiert, kann so auch auf legalem Weg Geld sparen.

Viel Sparpotenzial: haushaltsnahe Tätigkeiten

Mit dem recht sperrigen Begriff „haushaltsnahe Tätigkeiten“ sind  Arbeiten gemeint, die eigentlich jeder selbst erledigen kann: putzen, bügeln, Hecken schneiden, Schnee schippen oder auf die Kinder aufpassen. Auch die Pflege von älteren Familienmitgliedern zählt dazu. Rund hundert solcher Aufgaben hat das Bundesfinanzministerium definiert. Wer sie von einem Gärtner, Winterdienst oder einer Haushaltshilfe erledigen lässt, kann einen Großteil der Kosten von der Steuer absetzen. Voraussetzung ist ein Arbeitsvertag mit dem Dienstleister. Außerdem muss der Lohn überwiesen und darf nicht bar ausgezahlt werden. Steuerzahler können eine Höchstsumme von 20.000 Euro pro Jahr mit 20 Prozent geltend machen. Im günstigsten Fall entsteht so eine Steuerermäßigung von 4.000 Euro.

Handwerkerrechnungen absetzen

Tapezieren, fliesen, die Heizung erneuern – all das sind Arbeiten, die gewöhnlich einen Fachmann erfordern. Wer hier den korrekten Weg wählt und sich eine Rechnung ausstellen lässt, kann daran ebenfalls den Fiskus mit 20 Prozent  beteiligen. Hier beträgt der Höchstbetrag für Rechnungen 6.000 Euro pro Jahr. Wer so viel geltend macht, senkt seine Steuerschuld damit um 1.200 Euro. Auch hier muss der Auftraggeber die Rechnung überweisen.
Achtung: Absetzbar sind nur Lohn, Anfahrtskosten und Verbrauchsmittel inklusive Mehrwertsteuer. Die eigentlichen Materialkosten, wie Tapetenrollen oder Fliesen, muss der Auftraggeber komplett selbst zahlen. Steuerzahler können von der Ermäßigung nur in dem Jahr profitieren, in dem die Kosten entstanden sind.

Die Putzfrau als Minijobber anmelden

Viele Putzfrauen, die in deutschen Haushalten Böden wischen, staubsaugen und bügeln, tun dies in Schwarzarbeit. Ihre privaten Arbeitgeber sparen es sich meist, sie beim Sozialversicherungsträger anzumelden. Dabei sind die Lohnnebenkosten für Minijobber in Privathaushalten eigentlich nicht sehr hoch. Und: die Anmeldung bei der Knappschaft ist unkompliziert per Onlineformular möglich. Anschließend ist die Putzfrau unfall-, kranken- und sozialversichert. Die Knappschaft zieht automatisch die anfallenden Lohnnebenkosten vom Konto des privaten Arbeitgebers ein. Verdient die Haushaltshilfe beispielsweise 450 Euro monatlich, fallen zwischen 33,50 Euro und 65 Euro zusätzlich an.  Auch von diesen Lohnebenkosten übernimmt der Staat 20 Prozent, maximal 510 Euro im Jahr, was im Schnitt 42,50 Euro monatlich entspricht. Unter Berücksichtigung der Steuerermäßigung kostet eine ordnungsgemäß angemeldete Putzfrau so im Höchstfall nur 22,50 Euro mehr im Monatals eine Schwarzbeschäftigte mit gleichem Lohn.

Strafen für Schwarzarbeit

Wer Handwerker und Co. lieber schwarz bezahlt, dem drohen empfindliche Strafen. Je nachdem, welcher Tatbestand vorliegt, können manche Aspekte der Schwarzarbeit als Ordnungswidrigkeit oder sogar als Straftat eingestuft werden. Dann drohen eine Freiheitsstrafe oder ein Bußgeld. Wer also von einem wachsamen Nachbarn verpfiffen wird, dem geht die ganze Ersparnis schnell flöten und mit besonderem Pech warten sogar ein paar Jahre hinter Gittern.

Spezielle Tipps für Mieter und Vermieter gibt Nora Schmidt-Kesseler von der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) im Interview mit immowelt.de:

Immowelt.de: Profitieren private Vermieter ebenfalls von den Steuerermäßigungen, wenn sie haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen für vermietete Häuser in Anspruch nehmen?
Schmidt-Kesseler: Nein, sie erhalten keine Steuerermäßigung. Sie können die Beträge aber als Werbungskosten absetzen.
Immowelt.de: Was ist dabei zu beachten?
Schmidt-Kesseler: Der private Vermieter sollte zunächst alle Belege sammeln, die im Zusammenhang mit der vermieteten Wohnung oder dem Haus angefallen sind. Dabei kann er einfache Renovierungskosten als Werbungskosten von den Mieteinnahmen absetzen. Diese Kosten sind in der Anlage V einzutragen und auf Verlangen der Finanzverwaltung muss er die Belege einreichen. Werbungskosten können grundsätzlich nur in dem Jahr abgesetzt werden, in dem die Rechnung gezahlt wurde.

Immowelt.de: In der Nebenkostenabrechnung sind oft Posten wie Hausmeister oder Winterdienst enthalten. Können Mieter hierfür auch eine Steuervergünstigung erhalten?
Schmidt-Kesseler: Ja, Mieter können haushaltsnahe oder handwerkliche Tätigkeiten, die in den Nebenkosten auftauchen, geltend machen. Dazu zählen neben Hausmeister und Winterdienst auch Kosten für Hausreinigung, Schornsteinfeger, Gärtner oder die Wartung von Heizung oder Aufzügen.
Immowelt.de: Was ist dabei zu beachten?
Schmidt-Kesseler: Das Finanzamt akzeptiert nur die reinen Arbeits- und Fahrtkosten. Nicht begünstigt sind die Kosten für das Material. Daher sollte streng darauf geachtet werden, dass die reinen Arbeits- und Fahrtkosten getrennt auf den Handwerkerrechnungen und später auch in der Nebenkostenabrechnung ausgewiesen werden. Der Vermieter kann eine separate Bescheinigung ausstellen, in der er die Gesamtkosten und den genauen Anteil des Mieters an diesen Kosten auflistet. Das Finanzministerium bietet dafür einen Vordruck an.

Link-Tipp: Privatpersonen, die ihre Putzfrau als Minijobber anmelden möchten, können dies auf der Seite der Minijob-Zentrale bequem online erledigen.

27.08.2014


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