Vermietung ohne Besichtigung: Widerrufsrecht gilt auch für Mietverträge – das sollten Vermieter beachten

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Zeitdruck oder der Umzug in eine weit entfernte Stadt können dazu führen, dass eine Wohnung vermietet wird, ohne dass sie der Mieter vorher besichtigt hat. Unter bestimmten Umständen kann das für Vermieter gewichtige Folgen haben. Denn das neue Widerrufsrecht, das am 13. Juni 2014 in Kraft getreten ist, wirkt sich in so einem Fall auf die Vermietungspraxis aus – sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.

Widerrufsrecht, Mietvertrag unterschreiben, Foto: Halfpoint/fotolia.com
Wird ein Mietvertrag unterschrieben, ohne dass die Wohnung vorher besichtigt worden ist, hat der Mieter unter bestimmten Voraussetzungen ein Widerrufsrecht. Foto: Halfpoint/fotolia.com Foto: Halfpoint/fotolia.com

Jemand mietet eine Wohnung, ohne sie vorher besichtigt zu haben. Der Normalfall ist das zwar nicht, trotzdem kann diese Situation vorkommen, zum Beispiel bei Zeitdruck oder wenn jemand nach einem langen Auslandsaufenthalt wieder zurück nach Deutschland ziehen möchte. Für Vermieter kann das erhebliche Folgen haben. Denn das „Gesetz zur Umsetzung der EU-Verbraucherrechte-Richtlinie“, das am 13. Juni 2014 in Kraft getreten ist, wirkt sich in so einem Fall auf die Vermietungspraxis aus. Das neue Gesetz räumt Verbrauchern ein 14-tägiges Widerrufsrecht bei Verträgen ein, die außerhalb von Geschäftsräumen oder als Fernabsatzverträge geschlossen wurden.

Widerrufsrecht gilt nur bei Verträgen zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer

„Wird der Mietvertrag außerhalb von Geschäftsräumen des Vermieters geschlossen, ohne dass der Mieter die Wohnung vorher besichtigt hat, kann der Mieter den Mietvertrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen“, sagt Inka-Marie Storm,  Referentin für Miet- und Immobilienrecht beim Eigentümerverband Haus und Grund. Voraussetzung sei, dass es sich bei den Vertragsparteien um einen Unternehmer und einen Verbraucher handle. Ob ein privater Vermieter auch Unternehmer ist, hänge entscheidend davon ab, ob er seine Immobilie aus geschäftlichen Gründen vermiete. Wann das der Fall ist, sei „noch nicht höchstrichterlich“ beantwortet, betont Storm. „Es kommt zum Beispiel darauf an, wie viele Objekte der Vermieter vermietet.“ Prinzipiell müsse immer nach Einzelfall entschieden werden.

Tritt nun so ein Fall ein, muss der Vermieter den Mieter laut Gesetz über sein Widerrufsrecht informieren. Macht er das nicht, kann der Mietvertrag sogar noch bis zu zwölf Monaten nach Abschluss widerrufen werden. „Es ist wichtig, dass Vermieter sich von ihren Mietern quittieren lassen, dass sie über ihr Widerrufsrecht belehrt worden sind. Denn am Ende ist immer der Vermieter in der Beweispflicht“, betont Storm. Will der Mieter bereits vor Ablauf der Widerrufsfrist in die Wohnung ziehen, müsse der Vermieter den Mieter darüber aufklären, dass er im Falle eine Widerrufs Wertersatz an den Vermieter zahlen muss. Dieser Wertersatz sei anteilig an der vereinbarten monatlichen Miete zu berechnen. „Wenn der Mieter nach fünf Tagen den Mietvertrag widerruft und auszieht, muss er auch für diese fünf Tage Miete zahlen.“ Storm rät Vermietern daher, den Mietvertrag so abzuschließen, dass bis zum Einzug des Mieters die 14-tätige Widerrufsfrist abgelaufen ist.

Widerruf auch bei Änderungen des Mietvertrags möglich

Das Widerrufsrecht des Mieters gilt übrigens auch bei Änderungen des Mietvertrags oder bei Aufhebungsverträgen, wenn Mieter und Vermieter diese bei „gleichzeitig körperlicher Anwesenheit außerhalb von Geschäftsräumen“ schließen, wie es im Fachjargon heißt. Auch hier gilt: Der Vertrag muss zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer zustande kommen. Solche Verträge sollten laut Storm daher nie unmittelbar bei einem gemeinsamen Gespräch in der Wohnung des Mieters unterzeichnet werden. „Sofern die wesentlichen Vertragspunkte persönlich besprochen wurden, sollte der Vertrag später per Post oder E-Mail geschlossen werden. So hat der Mieter ausreichend Zeit, über die Tragweite der Vertragsänderung nachzudenken“, sagt Storm.

Auf Maklerverträge hat es übrigens laut Storm keine Auswirkung, wenn ein Mieter seinen Mietvertrag widerruft. „Der Makleranspruch entsteht, wenn der Mietvertrag infolge der Vermittlung oder infolge des Nachweises durch den Makler zustande kommt. Es genügt also, dass der Mietvertrag geschlossen wird, gleichgültig ob er kurz darauf widerrufen, gekündigt oder anderweitig beendet wird.“

25.08.2014


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1 Kommentar

Langhof Immobilien Fürth am 19.12.2015 11:57

Sehr wichtiger und guter Artikel.

Langhof Immobilien

Ihr Makler in Fürth

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