Fast jeder fünfte Deutsche unterschreibt seinen Mietvertrag ungelesen – diese Klauseln sollten Mieter kennen

Lesermeinungen:  

(34)

Wer nach langer Wohnungssuche eine passende Bleibe gefunden hat, ist darüber meist sehr glücklich und kann es gar nicht erwarten, den Vertrag zu unterschreiben. Wie eine repräsentative Umfrage ergab, lesen 17 Prozent der Deutschen ihren Mietvertrag dabei gar nicht oder nur ungenau. Allerdings sollten Mieter einige Klauseln im Mietvertrag genau unter die Lupe nehmen.

Mietvertrag, Klauseln, Foto: Marco Santi Amantini/fotolia.com
Bevor Mieter ihren Mietvertrag unterzeichnen, sollten sie ihn genau durchlesen und einige Klauseln unter die Lupe nehmen. Foto: Marco Santi Amantini/fotolia.com Foto: Marco Santi Amantini/fotolia.com

Bevor Mieter den Kugelschreiber zücken und ihren Mietvertrag unterschreiben, sollten sie diesen genau durchlesen. 17 Prozent der deutschen Mieter macht das nicht, wie jetzt eine Studie von immowelt.de ergeben hat. Sie haben keine Ahnung, was genau in ihrem Vertrag steht. Immerhin 60 Prozent dieser Mieter, die den Vertrag nicht richtig durchlesen, prüfen wenigstens, ob der Mietpreis korrekt angegeben ist. Doch auch auf andere Punkte im Vertrag sollten Mieter achten.

Um spätere Streitigkeiten zu vermeiden, sollte folgendes unbedingt in einem Mietvertrag aufgelistet sein:

  • Die Höhe der Miete
    Normalerweise wird die monatliche Kaltmiete mit Betriebskostenvorauszahlung im Mietvertrag vermerkt. Handelt es sich um einen Staffel –oder Indexmietvertrag, muss von Anfang an klar sein, ab wann und in welchen Schritten die Miete eventuell erhöht wird.
  • Quadratmeterzahl
    Grundsätzlich muss die Quadratmeterzahl der Wohnung im Mietvertrag nicht vermerkt werden. Es ist aber ratsam dies zu tun. Denn Mieter können nachträglich die Miete mindern, wenn im Mietvertrag über zehn Prozent mehr Wohnraum ausgewiesen sind, als ihnen tatsächlich zur Verfügung stehen. Allerdings eben nur, wenn die Quadratmeterzahl auch im Vertrag steht.
  • Höhe der Kaution
  • Umfang der Betriebskosten
  • Nutzungsrechte von Keller, Garten und Gemeinschaftsräumen
  • Bestehende Mängel (diese können auch separat in einem Übernahmeprotokoll vermerkt sein)

In vielen Fällen kommt es vor, dass Mietverträge einige Zusatz- oder Sonderklauseln enthalten. Generell ist das erlaubt. Benachteiligen die Klauseln aber den Mieter unangemessen oder verstoßen gegen geltendes Recht, sind sie laut Gesetz ungültig. Dabei spielt es dann keine Rolle, ob die beiden Parteien den Vertrag schon unterzeichnet haben oder nicht. Über folgende Klauseln sollten Mieter Bescheid wissen:

Kleinreparaturklausel

In vielen Mietverträgen finden sich sogenannte Kleinreparaturklauseln. Vermieter regeln damit, dass der Mieter die Pflicht hat, bestimmte Reparaturen entweder selbst zu übernehmen oder die Kosten dafür zu tragen. Als Kleinreparatur zählt beispielsweise der Austausch eine Duschkopfs oder die Reparatur eines tropfenden Wasserhahns beziehungsweise eines defekten Lichtschalters. Über die Kostenfrage hat die Rechtssprechnung unterschiedliche Urteile gefällt. Die Kostenobergrenze liegt demnach aber im Einzelfall zwischen 75 und 120 Euro. Über das Jahr verteilt dürfen die Kosten sechs bis zehn Prozent der Jahreskaltmiete nicht überschreiten.

Haustierverbot im Mietvertrag

Grundsätzlich dürfen kleine Tiere, wie Meerschweinchen, Hamster oder Fische, in einer Mietwohnung gehalten werden. Doch auch das Halten größerer Tiere, zum Beispiel Hunde oder Katzen, können laut aktuellster Rechtssprechung nicht generell in einer Tierhaltungsklausel verboten werden (BGH-Urteil Az. VIII ZR 168/12). Laut BGH müsste in jedem Einzefall zwischen den Interessen des Vermieters, den Interessen der Hausgemeinschaft und den Interessen des Mieters abgewogen werden.

Schönheitsreparaturen

Normalerweise geht der Gesetzgeber davon aus, dass für Schöneitsreparaturen grundsätzlich der Vermieter aufkommen muss. Allerdings kann der Vermieter gewisse Schöneitsreparaturen vom Mieter durchführen lassen. Starre Renovierungsvorschriften im Mietvertrag, zum Beispiel, dass der Mieter alle drei Jahre die Küche neu streichen muss, sind laut Bundegerichtshof ungültig. Benutzt der Vermieter im Vertrag Formulierungen wie „im Allgemeinen“ oder „normalerweise“ ist die Fristenregelgung allerdings gültig. Zieht der Mieter vor Ablauf der Frist aus, muss er nicht renovieren. Ist im Vertrag nichts anderes geregelt, umfassen Schönheitsreparaturen in der Regel das Streichen bzw. Tapezieren der Wände und Decken, das Streichen der Heizkörper sowie der Fenster und Türen.

Mietminderung

Laut Paragraph 536, Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sind Mieter immer berechtigt, die Miete zu mindern, wenn die Tauglichkeit der Mietsache gemindert ist. Das bedeutet: Klauseln, wonach Mietminderungen ausgeschlossen sind, sind automatisch unwirksam, denn die im Mietvertrag getroffenen Vereinbarungen stehen nicht über den Gesetzen des BGB.

Besuch vom Vermieter

Wohnungseigentümer haben ein berechtigtes Interesse daran, dass Mieter mit ihrer Wohnung sorgsam umgehen. Viele Vermieter wollen sich daher mit speziellen Klauseln im Mietvertrag das Recht verschaffen, ihre Wohnung regelmäßig zu besichtigen. Nicht immer sind diese Regelungen wirksam. So entschied das Amtsgericht Hamburg, dass im Mietvertrag nicht geregelt sein darf, dass der Vermieter die Wohnung ohne vorherige Terminabsprache betreten darf (Az.: 49 C 513/05). In einem anderen Fall stellte das Amtsgericht Münster fest, dass eine Besichtigungsklausel dann nicht zulässig ist, wenn sie einen Besuch des Vermieters ohne konkreten Anlass erlaubt (Az.: 6 C 4949/08).

04.08.2014


Ihre Meinung zählt

(34)
4.7 von 5 Sternen
5 Sterne
 
29
4 Sterne
 
3
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
2
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Tipps für Mieter

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben

3 Kommentare

Immowelt-Redaktion am 18.09.2014 15:59

Sehr geehrter Herr Günter,

es ist nicht gesetzlich festgeschrieben, wie viel ein Hausmeister verdienen darf.

Beste Grüße,

Ihre Immowelt-Redaktion

auf Kommentar antworten

Wilhelm Günter am 16.09.2014 12:17

Wir haben einen Hausmeister für 2 Häuser a.6 Familien,der bekommt 75 € pro Monat = 900 € im Jahr für nur das Rasenmähen. Ist das korrekt ?

auf Kommentar antworten

petra eiselt am 07.09.2014 17:46

Hallo,

das Haus in dem ich wohne, ist verkauft worden. Jetzt haben wir nartürlich eine Hausverwaltung, die alles ausschöpft was sie kann. Erst ist die Miete erhöht worden und dann hat man mir die Rechnung meiner Haustürklingel unten mit... mehr

auf Kommentar antworten