Urteil: Mieter haftet nicht für Schädlingsbefall

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Müssen in einer Mietwohnung Schädlinge bekämpft werden, haftet der Mieter nicht unbedingt für die Kosten. Dies hat das Amtsgericht Frankfurt am Main in einem Urteil (Az.: 33 C 1169/14) entschieden. Eine Hauseigentümerin hatte einer Mieterin die Schuld an einem Schädlingsbefall durch Schaben gegeben und verklagte sie auf die Kosten für den Kammerjäger. Das Gericht wies die Klage jedoch ab.

Schädlingsbekämpfung, Schaben, Kakerlake, Foto: naratip1972/fotolia.com
Ungebetene Gäste: Ein Vermieter kann nicht verlangen, dass ein Mieter die Kosten für die Schädlingsbekämpfung erstattet. Foto: naratip1972/fotolia.com Foto: naratip1972/fotolia.com

Ameisen, Motten, Silberfischchen, Kakerlaken: Schädlingsbefall in der Wohnung ist lästig und teilweise auch gesundheitsgefährdend. Sind die Räume erst einmal befallen, sind die Schädlinge so leicht oft nicht wieder loszuwerden. Dann stellt sich die Frage, wer für den Kammerjäger aufkommen muss. Das Amtsgericht Frankfurt am Main entschied nun in einem Urteil, dass der Vermieter den Mieter nicht für die Kosten der Schädlingsbekämpfung haftbar machen kann. Im vorliegenden Fall tauchten in zwei benachbarten Häusern Schaben auf. Die Vermieterin beauftragte daraufhin einen Kammerjäger, der feststellte, dass in der Wohnung einer bestimmten Mieterin besonders viele der Insekten lebten. Das Schädlingsbekämpfungsunternehmen schloss daraus, dass in dieser Wohnung der Ausgangspunkt des Schabenbefalls liege. Es bestand die Möglichkeit, dass die Tiere über den Balkon in das Nachbarhaus übergewandert sind.

Die Vermieterin ließ die Schaben daraufhin in beiden Häusern bekämpfen, wodurch Kosten in Höhe von rund 3.600 Euro entstanden. Diesen Betrag verlangte sie nun von der Mieterin zurück. Nach Ansicht der Vermieterin habe diese die Schaben durch Lebensmittelpackungen aus so genannten „multikulturellen Kleinläden“ überhaupt erst in die Wohnung getragen und den Schädlingsbefall zudem nicht rechtzeitig gemeldet.

Schädlingsbefall: Vermieter trägt Kosten

Vor Gericht blieb die Vermieterin mit ihrer Klage erfolglos. Sie habe keinen Anspruch auf Ersatz der Kosten für die Schabenbekämpfung, so die Richterin. Ob die genannten Lebensmittelverpackungen die Ursache für den Schabenbefall seien oder nicht, sei dabei unerheblich. Mietern sei es schließlich grundsätzlich erlaubt, Lebensmittel in einem Laden ihrer Wahl zu kaufen. Eine Verletzung von Pflichten aus dem Mietvertrag sei dies nicht. Mieter können auch nicht verpflichtet werden, bestimmte Lebensmittel nach dem Kauf luftdicht zu verpacken. Zudem sei nicht bewiesen, dass die Schaben tatsächlich über die Wohnung der Beklagten auf das Nachbarhaus übergewechselt seien. Ebenso sei nicht erwiesen, dass die Ausbreitung der Schaben hätte verhindert werden können, wenn die Vermieterin früher davon gewusst hätte. Die Vermieterin muss die Kosten für den Kammerjäger daher selbst tragen.

Schädlinge als Streitthema

Die Frage nach der Haftung für die Schädlingsbekämpfung in Mietwohnungen beschäftigt die Gerichte immer wieder. So entschied beispielsweise das Landgericht Hamburg in einem Urteil (Az.: 307 S 17/00), dass die Kosten für eine einmalige Schädlingsbekämpfung grundsätzlich der Vermieter zu tragen habe – es sei denn, der Mieter habe den Befall selbst verursacht. Oft ist jedoch nicht einwandfrei zu klären, woher die Tiere kommen. In einem anderen Urteil entschied das Amtsgericht Hamburg, dass Klauseln im Mietvertrag, wonach der Mieter seine Räume grundsätzlich auf eigene Kosten von Schädlingen freizuhalten habe, unwirksam seien (Az.: 45 C 35/01). Mieter können also nicht grundsätzlich dazu verpflichtet werden, Ungeziefer selbst zu bekämpfen.

18.07.2014


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