81 Prozent der Deutschen sind zur Videoüberwachung der eigenen Wohnung bereit

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Wenn es um ihre Sicherheit und den Schutz ihres Eigentums geht, wollen die Deutschen nichts dem Zufall überlassen. 81 Prozent von ihnen können sich daher vorstellen, die eigene Wohnung mit einer Kamera zu überwachen. So wollen sie etwa Handwerker, Putzkräfte und Babysitter ausspähen oder aber Einbrecher fassen. Das ist das Ergebnis einer Studie. Allerdings: Die Videoüberwachung hat juristische Grenzen.

Videoüberwachung, Kamera, Foto: Monkey Business/fotolia.com
Bei der Videoüberwachung der eigenen Wohnung müssen sich Mieter und Eigentümer an bestimmte Gesetze halten. Foto: Monkey Business/fotolia.com Foto: Monkey Business/fotolia.com

Die eigene Wohnung ist den Deutschen heilig – so sehr, dass sie auch bereit sind, ihre Sicherheit mit Videokameras zu überwachen, wie eine repräsentative Studie von immowelt.de nun zeigt. Von über 1.000 befragten Mietern und Wohnungseigentümern antworteten 81 Prozent, dass sie sich vorstellen könnten, mittels Videokamera zu überprüfen, was in den eigenen vier Wänden vor sich geht während sie nicht zu Hause sind.

Handwerker, Putzkräfte und Babysitter im Visier

43 Prozent der Befragten würden mittels Videoüberwachung gerne überprüfen, ob der Handwerker seinen Job richtig erledigt, 23 Prozent könnten sich vorstellen, ihre Putzfrau bei der Arbeit zu filmen. Rund ein Fünftel würde die Überwachungskamera nutzen, um herauszufinden, ob der Vermieter nicht heimlich in der Wohnung herumstöbert. Ebenso viele möchten ihren Babysitter per Videoüberwachung bei der Arbeit kontrollieren. Die große Mehrheit, 79 Prozent der Befragten, würden die Kamera dazu nutzen, um nach einem Einbruch den Täter überführen zu können.

Rechtliche Grenzen der Videoüberwachung

Grundsätzlich ist die Überwachung der eigenen vier Wände zwar legal – ohne Rücksicht auf die Rechte anderer dürfen Mieter und Eigentümer ihre Überwachungskameras aber nicht laufen lassen. In einem Urteil stellte der Bundesgerichtshof im Jahr 2010 den Grundsatz auf, dass eine Überwachungskamera nur die eigene Wohnung oder das eigene Grundstück filmen darf, nicht jedoch angrenzende Grundstücke oder den öffentlichen Raum (Az.: VI ZR 176/09).

Auch in den eigenen vier Wänden hat die Videoüberwachung rechtliche Grenzen. „In seinem Haus darf der Mieter oder Eigentümer zwar grundsätzlich tun und lassen was er will, also auch Kameras anbringen. Wenn er damit jedoch andere Personen filmt, kommen deren Persönlichkeitsrechte ins Spiel“, sagt der auf Multimediarecht und Datenschutz spezialisierte Rechtsanwalt Guido Flick. Wer in der Wohnung gefilmt wird, müsse darauf auf jeden Fall hingewiesen werden – das gelte für Besucher genauso wie für Handwerker. Auch angestellte Putzkräfte dürfen nicht heimlich mit der Überwachungskamera gefilmt werden. „Der Mieter oder Eigentümer tritt dabei als Arbeitgeber auf, daher greift der Arbeitnehmerdatenschutz. Auch Angestellte müssen über Überwachungsmaßnahmen informiert werden und sich einverstanden erklären“, so Flick.

Die heimliche Beobachtung von Personen mittels Videokameras ist übrigens alles andere als ein Kavaliersdelikt. „Das bloße Anfertigen von Bildaufnahmen ist ein Vergehen nach dem Bundesdatenschutzgesetz, dabei droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Wer zusätzlich Tonaufnahmen anfertigt, begeht eine Straftat nach dem Telekommunikationsgesetz. Dabei kann eine bis zu zweijährige Freiheitsstrafe verhängt werden“, erklärt Flick.

Verwertbarkeit von Videoaufnahmen fraglich

Auch bei einem Einbruch ist der praktische Nutzen von Überwachungskameras übrigens fraglich. „Die Polizei hat sehr genaue Anforderungen an das Videomaterial. Wenn ein Täter dadurch überführt werden soll, muss er sehr genau erkennbar sein, sein Gesicht muss beispielsweise mindestens zwei Drittel des Bildes ausfüllen“, erklärt Flick. In der Praxis dienen Videokameras daher eher dazu, Mietern und Wohnungseigentümern bei längerer Abwesenheit ein gutes Gefühl zu geben.

Trotz aller Neugier haben die meisten Deutschen übrigens Vertrauen in die eigene Familie. Lediglich jeweils vier Prozent der Befragten können sich vorstellen, mit der Videokamera heimlich die eigenen Freunde, Geschwister, Schwiegereltern oder den Partner zu überwachen.

24.06.2014


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3 Kommentare

Jens am 02.07.2016 21:31

Das ist ja wohl mal Oberschwachsinn. Da mißt unsere Obrigkeit wieder mal mit zweierlei Maß. Bei irgendwelchen U-Bahn-Schlägern wird auch mit grob verpixeltem Bildmaterial gesucht, wo das Gesicht kaum erkennbar ist und ich als... mehr

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Muck am 05.09.2014 05:51

Simon, dass ist nicht Dein Ernst?! Du hast den Text nicht wirklich verstanden. Es geht nicht darum dass der Staat Deine Wohnung ausspioniert, sondern das private Leute das mit ihrer eingenen Wohnung machen!

Außerdem kann man mehr... mehr

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Simon am 26.07.2014 12:45

Ich bin für die öffentliche Videoüberwachung. Gern auch in englischen Ausmaß!

Dennoch würde mir das in meiner Wohnung echt zu weit gehen.

Ein wenig privatsphäre muss sein! Und wer weiß was die mit dem Videomaterial machen.

Gruß... mehr

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