Grillen, Rasenmähen, Nacktsonnen: Was in der Freiluftsaison erlaubt ist

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Laute Rasenmäher, Grillgeruch und wuchernde Hecken: Kaum hat die Freiluftsaison begonnen, gibt es oft Ärger mit den Nachbarn. Was auf Balkon, Terrasse und im Garten erlaubt ist und was nicht.

Freiluftsaison, Rasenmäher, Foto: PhotographyByMK/fotolia.com
Kaum hat die Freiluftsaison begonnen, wird es in vielen Gärten laut. Der Rasenmäher darf allerdings nur werktags und dann nur zu bestimmten Zeiten angeworfen werden. Foto: PhotographyByMK/fotolia.com Foto: PhotographyByMK/fotolia.com

Wenn es draußen wärmer wird, nehmen die Streitereien am Gartenzaun häufig zu. Grillgeruch weht ins Wohnzimmer, laute Musik dröhnt in den Ohren und Rasenmäher-Geräusche stören beim sonntäglichen Frühstück. Gründe für Zoff gibt es in der Freiluftsaison genug.

Wann der Rasenmäher ruhen muss

Kaum hat der Frühling begonnen, wird es in den meisten Gärten laut. Da Rasenmähen aber den Nachbarn gewaltig auf die Nerven gehen kann, sollten hier ein paar wichtige Regeln eingehalten werden. In Deutschland gilt die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. Diese besagt, dass Rasenmäher werktags, also auch samstags, von 7 bis 20 Uhr angeworfen werden dürfen. Besonders laute Geräte, wie Freischneider, Laubbläser, Motorsensen oder Grastrimmer dürfen nur von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr eingesetzt werden. Außer sie sind mit einem gemeinschaftlichen Umweltzeichen der Europäischen Gemeinschaft gekennzeichnet, dann dürfen sie werktags auch von 7 bis 20 Uhr benutzt werden. An Sonn- und Feiertagen darf der Rasen nicht gemäht werden. Ausgenommen von der Regelung sind die klassischen handbetriebenen Rasenmäher.

Häufig gelten aber über diese deutschlandweiten Regelungen hinaus auch noch landes- und kommunalrechtliche Vorschriften. Darüber kann man sich bei den Ordnungsämtern der Kommunen informieren.

Grillen kann im Mietvertrag untersagt werden

Was wäre ein Sommer ohne Grillparty? Prinzipiell darf sowohl im Garten als auch auf der Terrasse oder dem Balkon gegrillt werden – die Nachbarn müssen es akzeptieren. Es sei denn, der Rauch zieht direkt in die Nachbarwohnung. Zudem kann Grillen auf dem Balkon auch im Mietvertrag untersagt werden, urteilte das Landgericht Essen (Az.: 10 S 438/01).

Bei Grillpartys oder anderen geselligen Runden auf Balkon und Co. müssen übrigens die Ruhezeiten eingehalten werden. Nachtruhe herrscht zwischen 22 und 6 Uhr. Auch die Mittagsruhe muss beachtet werden. Diese ist aber nicht mehr bundeseinheitlich geregelt. Oft schreiben die Hausordnungen eine Mittagsruhe vor, meist zwischen 12 und 15 Uhr.

Gartenzwerge, Freiluftsaison, Foto: Gina Sanders/fotolia.com
Gartenzwerge sind Geschmackssache. Jeder darf so viele aufstellen wie er möchte. Kritisch wird es, wenn die Zwerge eindeutig obszön sind. Foto: Gina Sanders/fotolia.com Foto: Gina Sanders/fotolia.com

Freiluftsaison: Wenn sich der Nachbar nackt im Garten räkelt

Wenn sich der Nachbar nackt im Garten sonnt, freut das nicht jeden. Im Prinzip ist FKK im eigenen Garten oder auf dem Balkon aber erlaubt und auch kein Grund zur Kündigung, solange der Hausfrieden nicht gestört wird. So urteilte das Amtsgericht Merzig (Az.: 23 C 1282/04).

Kritisch wird es, wenn das Nacktsonnen als Erregung öffentlichen Ärgernisses interpretiert wird. Wenn der Balkon oder das Gartengrundstück sehr einsehbar sind – zum Beispiel von der Straße aus – kann unter Umständen eine Ordnungswidrigkeit nach § 118 Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) wegen Belästigung der Allgemeinheit vorliegen.

Obszöne Gartenzwerge können Ehrverletzung darstellen

Gartenzwerge sind Geschmackssache. Grundsätzlich darf jeder so viele Gartenzwerge in seinen Garten stellen, wie er möchte. Sogenannte Frustzwerge, mit eindeutigen obszönen Gesten, müssen aber nicht geduldet werden, wenn sie so stehen, dass der Nachbar sie sehen kann und vielleicht auch soll. Der Nachbar kann sich in diesem Fall auf seine Ehrverletzung berufen, urteilte das Amtsgericht Grünstadt (Az.: 2a C 334/93).

Blumengießen, Balkon, Freiluftsaison, Gießwasser, Foto: Krawczyk-Foto/fotolia.com
Vorsicht beim Blumengießen auf dem Balkon. Heruntertropfendes Gießwasser darf weder die Fassade noch den darunter wohnenden Nachbarn beeinträchtigen. Foto: Krawczyk-Foto/fotolia.com Foto: Krawczyk-Foto/fotolia.com

Bäume des Nachbarn sind tabu

Für Ärger unter Nachbarn sorgen auch wuchernde Hecken und Pflanzen. Hängen beispielsweise Baumäste in den Nachbarsgarten, müssen diese aufs eigene Grundstück zurückgeschnitten werden. Allerdings darf der verärgerte Nachbar nicht einfach selbst zur Säge greifen. Der Baumbesitzer muss innerhalb einer angemessenen Frist die Gelegenheit haben, die Äste selbst zu entfernen. Man sollte den Garten des Nachbarn auch nicht als Frischobstquelle nutzen. Erst wenn Früchte vom Nachbarsbaum von selbst in den eigenen Garten fallen, wechseln sie den Eigentümer.

Wer Blumen oder Kräuter auf seinem Balkon anpflanzt, muss die Töpfe und Kästen so aufstellen oder befestigen, dass sie nicht herunterfallen können. Gießwasser von oben darf weder die Hausfassade beschädigen noch den unten wohnenden Nachbarn stören (Amtsgericht München, Az.: 271 C 73794/00). Nachbarn müssen es auch nicht hinnehmen, wenn von oben ständig Blüten auf den eigenen Balkon oder die Terrasse fallen (Landgericht Berlin, Az.: 67 S 127/02).

12.05.2014


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8 Kommentare

Thomas Matt am 09.05.2016 20:45

Die Balkone werde auch gerne benutzt um die gelbe Säcke und anderen Müll sowie Fahrräder zu lagern - sieht auch nicht so toll aus....

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Alex Lippert am 04.05.2016 13:44

Hier sollte aber unbedingt beachtet werden, daß diese genannte "Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung" = 32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-

Immissionsschutzgesetzes (Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung - 32. BImSchV)

... mehr
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Ingrid S. am 01.06.2014 12:08

Sehr geehrte Damen und Herren, es gibt auch die Kettenraucher, die Tag und Nacht auf "Balkonien" sitzen und einem die hochgiftigen Nikotinwolken auf den darüber befindlichen Balkon blasen, so dass man nicht nur diesen nicht benutzen... mehr

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Sabine H. am 06.04.2017 19:03

Liebe Frau S.,

ich kann Ihnen voll und ganz zustimmen. Ich selbst rauche heute nicht mehr, habe es in meiner Jugendzeit dann und wann getan. Die Schutzregelungen des Rauchens sind meiner Meinung nach übertrieben und realitätsfremd.... mehr

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