Banken müssen Anleger über Risiken bei Immobilienfonds aufklären

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Banken, die Anlegern den Erwerb von Anteilen an offenen Immobilienfonds empfehlen, müssen auch ungefragt über mögliche Risiken umfassend aufklären. Dies hat der Bundesgerichtshof (Az.: XI ZR 477/12) entschieden. Mehrere Anlegerinnen hatten gegen die Beratungspraxis ihrer Bank geklagt. Sie argumentierten, sie seien nicht hinreichend über das Risiko einer sogenannten Aussetzung der Rücknahme von Anteilen informiert worden.

Beratung, Immobilienfonds, Aussetzung der Rücknahme, Foto: FotolEdhar/fotolia
Wer in einen Immobilienfonds investiert, muss von seiner Bank genau über mögliche Risiken aufgeklärt werden. Foto: FotolEdhar/fotolia Foto: FotolEdhar/fotolia

Wenn eine Bank ihren Kunden zur Geldanlage einen offenen Immobilienfonds empfiehlt, muss sie auch ungefragt darüber aufklären, welche Risiken eine solche Investition birgt. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH). Im vorliegenden Fall hatten Anlegerinnen im Jahr 2008 Anteile an einem offenen Immobilienfonds erworben. Noch im gleichen Jahr setzte die Fondsgesellschaft allerdings die Rücknahme der Anteile aus. Das bedeutet: Die Anlegerinnen konnten ihre Anteilsscheine vorübergehend nicht mehr an die Fondsgesellschaft zurückgeben.

Liquiditätsrisiko bei Investition in Immobilienfonds

Wenn ein Immobilienfonds die Anteilsrücknahme aussetzt, ist das zwar grundsätzlich legal, es sei für die Anleger allerdings ein Liquiditätsrisiko, entschieden die Richter des BGH. Denn wenn Anleger ihre Anteilsscheine nicht mehr zurückgeben können, haben sie auch keinen Zugriff mehr auf ihr investiertes Geld. Der Anleger müsse über alle Risiken der Investition in einen offenen Immobilienfonds informiert werden, bevor er seine Anlageentscheidung trifft – darunter auch über die Möglichkeit einer Aussetzung der Rücknahme von Anteilen. Ob eine solche Aussetzung wahrscheinlich ist, spiele in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Nicht abschließend geklärt werden konnte bei der Verhandlung, ob die Klägerinnen durch eine schriftliche Kundeninformation über das Risiko informiert worden waren. Auch ob sie ihre Entscheidung, in den Fonds zu investieren, nur getroffen hatten, weil sie von diesem Risiko nichts wussten, blieb unklar. Der BGH verwies den Fall daher an das Berufungsgericht zurück.

Aussetzung der Anteilsrücknahme

Offene Immobilienfonds sind für Anleger besonders interessant, weil sie es ermöglichen, sich schon mit verhältnismäßig kleinen Beträgen an Immobilien zu beteiligen. Viele verschiedene Anleger stellen dabei einer Fondsgesellschaft Geld zur Verfügung, der dieses für sie investiert. „Offen“ heißt in diesem Zusammenhang, dass es beim Anlagebetrag keine Obergrenze gibt, der Fonds über die Investitionen also relativ frei verfügen kann. In der Finanzkrise wollten viele verunsicherte Anleger ihre Anteile zurückgeben und von der Fondsgesellschaft ihr Geld zurückverlangen. Diese setzten die Rücknahme der Anteile daraufhin aus, um ihre eigene Liquidität nicht zu gefährden und ihre Immobilien nicht unter ihrem Wert verkaufen zu müssen.

29.04.2014


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