Frust, Ärger und Existenzängste: So reagieren Makler auf die Mietpreisbremse

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Vor der Bundestagswahl war der Wohnungsmarkt ein heiß diskutiertes Wahlkampfthema. Jetzt liegt der erste Gesetzentwurf zur Mietpreisbremse und zum Maklerrecht vor. Neumieten in angespannten Wohnungsmärkten sollen beispielsweise nur noch um zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen dürfen. Wir haben Immobilienmakler gefragt, was sie von dem Gesetzentwurf halten.

Mietpreisbremse, Foto: fabstyle/fotolia.com
Der erste Getzentwurf zur Mietpreisbremse liegt vor und sorgt für heiße Diskussionen. Foto: fabstyle/fotolia.com Foto: fabstyle/fotolia.com

Gehasst, wirkungslos und investitionshemmend. Der Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zur Mietpreisbremse macht Immobilienprofis aus ganz Deutschland fassungslos. Sein Entwurf sieht vor, dass Neumieten in angespannten Wohnungsmärkten nur noch um zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen dürfen. Das geplante Bestellerprinzip hingegen erfährt mehr Zustimmung.

Wir haben Immobilienmakler aus ganz Deutschland nach ihrer Meinung zu diesem Gesetzentwurf  befragt und wollten wissen, vor welchen Konsequenzen sie sich am meisten fürchten.

Steffen Weise, Foto: privat
Steffen Weise. Foto: privat Foto: privat
Ewald Bohn, Foto: privat
Ewald Bohn. Foto: privat Foto: privat

Steffen Weise aus Dresden (52), Fachjurist und freier Sachverständiger bei POPIMOB: „Ich hasse diesen Gesetzentwurf. Denn wie bitteschön wollen Sie die Orte und Regionen festlegen, wo die Mietpreisbremse gelten soll! Das ist nicht durchsetzbar. Unterm Strich entsteht dabei nur Verunsicherung in unserem Berufsstand sowie bei den Mietern und Vermietern. Wir wissen ja gar nicht mehr, was wir unseren Kunden noch sagen dürfen, ohne die nächste Klage am Hals zu haben. Mit dieser zentralen Überregulierung werden sämtliche Anreize für Investitionen geblockt.  Zum Bestellerprinzip lässt sich nur eines sagen: Grundsätzlich soll immer der zahlen, der meine Dienstleistung in Anspruch nimmt. Ganz einfach.“

Ewald Bohn, Immobilienmakler aus Fürth (55), seit 27 Jahren im Immobiliengeschäft: „Die Mietpreisbremse ist die größte Idiotie, die man sich vorstellen kann.  Es geht nicht, dass der Staat alles regulieren möchte und sich überall einmischt. Die Mietpreisbremse macht das Wohnen auf lange Sicht nicht bezahlbarer. Die Regierung sollte sich mehr um den sozialen Wohnungsbau und Förderprogramme kümmern, wenn sie mehr sozialen Wohnraum benötigt. Unter der Mietpreisbremse leidet nur die Qualität der Wohnungen und Investitionen: Da macht doch keiner mehr einen Pinselstrich vor der Neuvermietung. Beim Bestellerprinzip wäre es fair, dass sich Vermieter und Mieter die Provision teilen (Innen- und Außenprovision), wie dies beim Immobilienverkauf üblich ist. Denn schließlich bekommen beide Seiten eine Dienstleistung von mir als Makler. Bezahlt der Vermieter den Makler, sitzt er am längeren Hebel und kann seinen Traummieter auswählen. Darunter leiden dann wieder bestimmte Personengruppen. Sollte der Staat in dieser Form in die Provisionsregelung eingreifen und sich dadurch der Marktanteil bei Maklern verschieben, haben Nachwuchs-Fachkräfte in der Branche nach der Ausbildung zum Immobilienkaufmann kaum eine Chance übernommen zu werden, da den Vermietungsbereich überwiegend junge Leute abdecken.“

Günther Schwob, Foto: privat
Günther Schwob. Foto: privat Foto: privat

Günther Schwob aus München (48), Geschäftsführer der SHL Gruppe: „Ich halte von der Mietpreisbremse gar nichts. Der Immobilienmarkt ist ein freier Markt. Den bedürftigen Wohnungssuchenden wäre mit mehr sozialem Wohnungsbau deutlich besser geholfen. Das Bestellerprinzip finde ich prinzipiell gut. Aber auch hier wird es bestimmt einige Zeit dauern, bis dies gesetzeskonform umgesetzt wird. Gerade in Ballungszentren wie hier in München zahlen viele Wohnungssuchende freiwillig Provision, um den Zuschlag zu bekommen. “

Michel Sawall, Foto: privat
Michel Sawall. Foto: privat Foto: privat

Michel Sawall von Sawall Immobilien aus Berlin (48), seit 2001 selbstständiger Immobilienmakler: „Für mich ist die Mietpreisbremse auch eine Investitionsbremse für die Altersvorsorge. Verständlicherweise werden Kapitalanleger ihre Altersvorsorge kaum aufs Spiel setzen, wenn die Rahmenbedingungen wackelig sind. Lässt sich also ein Mietzins nicht frei dem Markt anpassen, so wird die Immobilie als Altersvorsorge schnell unattraktiv. Die Bundesregierung spricht auf der einen Seite immer wieder über die Notwendigkeit einer privaten Altersvorsorge und auf der anderen Seite will sie jetzt Beschränkungen, die eben genau diese Zielsetzung torpedieren. Was das Bestellerprinzip betrifft: Prinzipiell verstehe ich die Logik des Gesetzes. Dass dieses Gesetz Jobs kosten wird, liegt aber auf der Hand. Beispielsweise werden sich Verwalter deutlich schwerer damit tun, Maklern einen Vermietungsauftrag zu erteilen und dies im Zweifel selbst oder durch den Eigentümer durchführen lassen. Dies wird zu einer Reduzierung der Beauftragung von Immobilienbüros führen und somit zu Jobverlusten bis hin zur Pleite einzelner auf Vermietung spezialisierter Büros. Ich wünsche mir grundsätzlich in unserem Land weniger denn mehr Reglementierungen. Als mündige Bürger sollten wir auch selbständig denken und entscheiden dürfen.“

21.03.2014


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13 Kommentare

Andreas Bönig am 08.05.2014 08:16

Zunächst: Ich bin keine Makler, sondern Mieter und das auch noch in München, weshalb sich meine Erfahrungen auf München und das Umland (min. 50km Radius) beziehen.

Fast ausschließlich kommentieren diesen Artikel Maklerinnen und... mehr

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Harry W. Mellies/ Mellies Immobilien am 15.04.2014 13:41

Ein Sozialstaat ist ein Staat, der in seinem Handeln soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit anstrebt, um die Teilhabe aller an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen zu gewährleisten. Bezeichnend ist auch die konkrete... mehr

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Joerg Maderer, Maderer Immobilien am 12.04.2014 15:34

Also,

ich stelle mir die Frage, ich habe sehr viele Mietinteressenten die mich beauftragen eine Mietwohnung zu finden.

Das Bestellerprinzip, würde mir in diesem Fall, 4 Kaltmieten als Provision zusichern. Weil ja beide Parteien mich... mehr

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