Studenten auf Wohnungssuche: Wohnformen im Überblick

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Wenn das neue Semester losgeht, sind wieder viele Studenten auf Wohnungssuche. Kein leichtes Unterfangen, denn in den Unistädten ist Wohnraum knapp und teuer. Kein Wunder, dass die Wohnformen für Studenten immer vielfältiger werden.

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Die eigenen vier Wände oder doch WG? Zum Semesterbeginn machen sich viele Studenten Gedanken über die für sie passende Wohnform. Foto: CandyBox Images/fotolia.com Foto: CandyBox Images/fotolia.com

Die Zahl der Studenten in Deutschland wächst. Zum Wintersemester 2013/2014 waren laut Statistischem Bundesamt rund 2,6 Millionen Frauen und Männer an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Das sind gut 230.000 mehr als noch vor zwei Jahren. Doch nicht nur an den Universitäten wird es eng. Vor allem in Großstädten und Ballungsräumen mit allgemein hohem Mietpreisniveau wird es für Hochschüler immer schwieriger, eine Unterkunft zu finden. Nicht verwunderlich, dass die Wohnformen für Studenten immer vielfältiger werden. Studentenwohnheim und Wohngemeinschaft sind zwar nach wie vor beliebt, viele Hochschüler wohnen aber mittlerweile auch im Altenheim oder in ehemaligen Frachtcontainern. Welche Wohnform für einen am besten geeignet ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Günstige Option für Studienanfänger: Das Studentenwohnheim

Studentenwohnheime sind gerade für Studienanfänger eine gute und günstige Option. Die Zimmer sind fast immer möbliert. Geld für die Einrichtung können sich Studenten also schon einmal sparen. Außerdem sind Studentenwohnheime meist auch mit Waschmaschinen und Fernsehräumen ausgestattet. Die Mietpreise sind im Vergleich zu Mietwohnungen recht günstig: Zimmer in Wohnheimen des Studentenwerks München kosten beispielsweise zwischen 160 und 330 Euro im Monat. Ein weiterer Vorteil: Auf Wohnheimpartys oder in den Gemeinschaftsräumen lernt man schnell neue Leute kennen. Allerdings sind die Wartelisten für einen Wohnheimplatz sehr lang. Je nach Wohnheim kann die Wartezeit schon mal zwei Jahre dauern. Dreckige Gemeinschaftsküchen und Lärm sind die Schattenseiten in vielen Wohnheimen.

Stress vermeiden: Tipps fürs Zusammenwohnen

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Foto: Mirko Raatz/fotolia.com Foto: Mirko Raatz/fotolia.com

Einer der größten Streitpunkte beim Zusammenleben ist das Putzen. Vor allem, weil unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit und Ordnung haben können. Frieden schafft hier der klassische Putzplan. Räume, die jeder nutzt, wie Bad, Flur oder Küche, sollten möglichst einmal pro Woche geputzt werden. Das beste System für den Putzplan ist ein rotierendes. Das heißt, jeder ist pro Woche für einen Bereich in der Wohnung zuständig und muss diesen dann innerhalb eines bestimmten Zeitraums auch sauber machen. Dreckiges Geschirr sollte am besten gleich jeder nach dem Benutzen selbst spülen.

Einkaufsliste, Wohnform, Foto: Kzenon/fotolia.com
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Produkte wie Klopapier, Putzmittel, Müllbeutel oder Milch werden in Wohngemeinschaften meist gemeinschaftlich genutzt. Blöd nur, wenn man immer der Einzige ist, der die Dinge nachkauft. Es ist daher sinnvoll, eine Einkaufsliste anzulegen, in der gekennzeichnet wird, wer was als nächstes kaufen muss. Außerdem sollte jeder ein eigenes Kühlschrankfach für seine Lebensmittel haben.

Lautstärke, Wohnform, Foto: Piotr Marcinski/fotolia.com
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Kompromissbereitschaft und Rücksichtnahme lauten die Schlüsselwörter eines guten Zusammenlebens. Bereits vor dem Einzug sollten daher Themen wie Partys, Lärm sowie Lern- und Ruhezeiten angesprochen werden. Sinnvoll ist es, feste Ruhezeiten auszumachen, in denen dann keine laute Musik mehr gehört werden darf. Wer sich auf eine wichtige Prüfung vorbereiten muss, sollte seine Mitbewohner informieren und um Rücksicht bitten. Kündigen sich für mehrere Tage Übernachtungsäste an, sollte das auch mit den Mitbewohnern abgesprochen werden.

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Foto: Photographee.eu/fotolia.com Foto: Photographee.eu/fotolia.com

Probleme sollten immer persönlich besprochen werden. Es gibt nichts Schlimmeres als Mitbewohner, die nur noch über Zettel miteinander kommunizieren. Ein regelmäßiger WG-Abend, an dem sich die Mitbewohner bewusst Zeit füreinander nehmen, ist sinnvoll. Da können dann auch Probleme auf den Tisch gelegt werden.

Tür, WG-Zimmer, Wohnform, Foto: Drago/fotolia.com
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Jeder braucht einen eigenen Rückzugsort. Das Zimmer der Mitbewohner ist deshalb tabu. Sofern es nicht anders abgemacht ist, sollte man nie einfach in das Zimmer der Mitbewohner gehen oder ungefragt Sachen herausholen.

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Wohngemeinschaft, Wohnform, Foto: fotogestoeber/fotolia.com
Gemeinsam essen, gemeinsam koch oder spielen: In einer WG ist man nie allein. Foto: fotogestoeber/fotolia.com Foto: fotogestoeber/fotolia.com

Für Gesellige: Leben in der Wohngemeinschaft

Mit den richtigen Leuten kann eine Wohngemeinschaft ein Traum sein, mit den falschen allerdings schnell ein Albtraum. Passen die Mitbewohner so gar nicht zusammen, gibt es nur Streitereien über ungewaschenes Geschirr oder die Nebenkosten. Haben sich aber die perfekten Mitbewohner gefunden, hat das WG-Leben einige Vorzüge zu bieten. Von Kochabenden bis hin zum gemeinsamen Lernen für Klausuren. Der größte Vorteil dürfte finanzieller Natur sein. In Deutschland werden für eine Single-Wohnung im Durchschnitt 10,50 Euro pro Quadratmeter fällig, für eine größere, WG-geeignete Wohnung mit 80 bis 120 Quadratmetern hingegen nur 8,90 Euro. Ein WG-Zimmer zu finden ist allerdings nicht leicht. Gerade in Städten mit knappem Wohnungsmarkt melden sich auf Inserate oft über 100 Leute. Zusätzlich werden WG-Castings veranstaltet, bei denen sich Studenten gegen viel Konkurrenz durchsetzen müssen. Die perfekte WG finden Hochschüler über persönliche Kontakte.

Tipps für das WG-Casting

  • Eine gute Vorbereitung ist das A und O: Wer die Wohnungsanzeige genau durchliest, sieht gleich, ob er etwas mit den Mitbewohnern gemeinsam hat und ihm die WG überhaupt zusagt.
  • Der erste Eindruck zählt:  Am besten ist es, beim ersten Treffen ganz natürlich zu sein und sich nicht zu verstellen.
  • Bestechung erlaubt: Gegen ein paar Bier, eine Flasche Wein oder eine Tüte Gummibärchen hat sicher niemand etwas einzuwenden. Meist lockern solche kleinen Mitbringsel die Runde auf.
  • Wer den Mitbewohnern gleich viel von sich und seinem Leben erzählt,  vermeidet unangenehme Fragen. Wohnungssuchende sollten aber auch Interesse an der WG und den Mitbewohnern zeigen.
  • Absolutes No-Go: Beim WG-Casting sollte man alleine erscheinen und auf gar keinen Fall den Partner, die beste Freundin oder sogar die Eltern mitbringen. Man will ja schließlich als eigenständige, selbstbewusste Person auftreten.
  • Beim Abschied ist es nie verkehrt, nochmal zu betonen, wie sehr einem die WG gefallen hat.

Viel Privatsphäre: Wohnen in den eigenen vier Wänden

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Wer seine Ruhe haben möchte, sollte sich nach einer eigenen Wohnung umsehen. Foto: Volker Witt/fotolia.com Foto: Volker Witt/fotolia.com

Niemand klaut den Lieblingsjogurt aus dem Kühlschrank, keine Diskussionen mehr über den Putzplan: wer daheim seine Ruhe haben will, sollte sich eine eigene Wohnung suchen. Gerade für Studenten, die sich auf die Abschlussprüfungen vorbereiten müssen, kann das von Vorteil sein. Single-Wohnungen sind allerdings die teuerste Variante der studentischen Wohnform. In Berlin beispielsweise kostet eine Singlewohnung derzeit 11,80 Euro pro Quadratmeter, in Stuttgart sogar 15,10 Euro. Außerdem bevorzugen Vermieter meist Mieter, die Vollzeit arbeiten. In vielen Fällen müssen Studenten, die eine Wohnung mieten wollen, eine Bürgschaft von ihren Eltern unterschreiben lassen.

Für Experimentierfreudige: Leben im Container

Zu viele Studenten, zu wenig Wohnungen. Als Lösung für dieses Problem sind in den vergangenen Jahren in manchen Großstädten Wohncontainer als Alternative zum klassischen Mietshaus errichtet worden. Noch hat sich die Wohnform nicht komplett in Deutschland durchgesetzt. Die Container könnten aber für Studenten durchaus die Wohnform der Zukunft werden. Sie bieten Platz auf engstem Raum und können schnell aufgebaut werden. In Berlin beispielsweise hat erst in diesem Jahr ein Containerdorf für Studenten eröffnet. Ein möblierter, etwa 26 Quadratmeter großer Container kostet dort mit Heiz-,  Wasser- und Stromkosten sowie Internetanschluss 389 Euro Miete im Monat. Günstiger als normale Wohnungen vor Ort sind die Container meistens nicht. Doch sie sind eine Alternative in Städten mit knappem Wohnungsangebot und meist so ausgestattet, dass sich die Studenten um nichts mehr kümmern müssen. 

Für sozial Engagierte: Wohnen für Hilfe

Wohnen für Hilfe, Senioren, Wohnform, Foto: Robert Kneschke/fotolia.com
Bei der Initiative „Wohnen für Hilfe“ wohnen Studenten kostengünstig bei Senioren. Foto: Robert Kneschke/fotolia.com Foto: Robert Kneschke/fotolia.com

„Wohnen für Hilfe“ nennt sich eine der neuesten Formen der Wohngemeinschaft. Studenten wohnen hierbei bei älteren oder hilfsbedürftigen Menschen. Für weniger Miete oder sogar für ein kostenfreies Zimmer helfen die Studenten ihren Vermietern im Haushalt oder im Garten, erledigen die Einkäufe oder gehen mit dem Hund Gassi.

Die Initiative gibt es mittlerweile in mehreren deutschen Städten, beispielsweise in München, Jena, Bamberg oder Kiel. Die Faustregel bei fast all diesen Programmen lautet: Pro Quadratmeter Wohnraum leistet der Mieter eine Stunde Hilfe im Monat. Der Kontakt zwischen Studenten und Senioren kommt über eine spezielle Wohnbörse zustande. Diese wird meist vom Studentenwerk oder der Stadt betreut. In einigen Städten gab es auch schon Aktionen, bei denen Altenheime Studenten aufgenommen haben. Für eine geringere Miete arbeiten die Studenten ein paar Stunden im Monat im Seniorenheim – organisieren Arzttermine oder gehen mit den Senioren spazieren.

Für Abenteuerlustige: Miete sparen als Hauswächter

Wer nicht nur Miete sparen möchte, sondern auch abenteuerlustig ist, hat die Möglichkeit, sich als Hauswächter zu bewerben. Besitzer von leerstehenden Gebäuden – das können Schlösser, ehemalige Krankenhäuser oder Bürogebäude sein – suchen oft jemanden, der auf das Gebäude aufpasst. Die Hauswächter dürfen dafür in der Immobilie wohnen und müssen keine Miete, sondern nur eine relativ niedrige Verwaltungsgebühr im Monat zahlen. Es kann schon vorkommen, dass die Wächter dann für etwa 180 Euro im Monat in einer leerstehenden Villa mit Swimmingpool wohnen können. Der Nachteil: Wird die Immobilie wieder gebraucht, muss sie vom Hauswächter geräumt werden. Das kann innerhalb weniger Monate passieren. Darüber hinaus muss sich der Hauswächter an einige Auflagen halten, zum Beispiel darf er meist im Gebäude nicht rauchen oder muss längere Besuche ankündigen.

19.03.2014


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