Energielieferant Algenfassade: Wohnen im Grünen

Lesermeinungen:  

(7)

Mikroalgen, winzig kleine Pflanzen, werden vielerorts im Sommer zur Plage. Sie wuchern Tümpel und Seen regelrecht zu und produzieren dabei Unmengen an Biogas. Im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg haben sich findige Entwickler nun diese Eigenschaften zunutze gemacht und ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit einer Bioreaktorfassade aus Algen gebaut.

Grüner Energielieferant: Die Bioreaktorfassade des Pilotprojektes BIQ im Hamburger Stadtteil Wilhemlsburg. Foto: IBA Hamburg GmbH / Johannes Arlt Foto: IBA Hamburg GmbH / Johannes Arlt

BIQ heißt das Algenhaus, das als Pilotprojekt zur Internationalen Bauausstellung (IBA) im Frühjahr 2013 fertiggestellt und dessen Projekterkenntnisse jetzt veröffentlicht wurden. Die Idee dahinter ist nicht neu: Das Haus soll sich selbst mit Energie versorgen. Neu hingegen ist der Energielieferant.

So funktioniert das Algenhaus

Das Prinzip ist dabei recht einfach: In Glaselementen der sonnenzugewandten zweiten Außenhaut des Hauses wachsen Algen, die Sonnenstrahlen absorbieren und aus deren Biomasse sich Energie erzeugen lässt. Jedes Fassadenelement ist dabei ein Bioreaktor. Alle Bioreaktoren sind durch Zu- und Abläufe miteinander verbunden und arbeiten tagsüber als solarthermische Absorber.

Ähnlich wie in einer Petrischale leben die Mikroalgen in rund 24 Litern nährsalzhaltiger Flüssigkeit zwischen den Glasscheiben. Dank Licht, Kohlendioxidzugabe und Nährstoffen vermehren sie sich schnell – und produzieren Biomasse, die automatisch geerntet wird. Der entstandene Algenbrei wird in den Technikraum des BIQ und von da aus in die externe Biogasanlage weitergeleitet. Dort kann die Algenbiomasse in Methan, also Biogas umgewandelt werden. Mit dem Gas ließe sich dann ein Blockheizkraftwerk betreiben, das Strom und Wärme erzeugt.

Theorie und Praxis

Aktuell geschieht die Energieumwandlung nur auf dem Papier: Bei dem Pilotprojekt darf die Fassade noch nicht zur Stromerzeugung genutzt werden. Aus rechtlichen Gründen kann die Umwandlung der Algenmasse in Biogas nicht an einem Wohngebäude durchgeführt werden.
Das Algenhaus könnte eine vierköpfige Familie recht problemlos mit Energie versorgen: Durchschnittlich verbraucht sie rund 4.000 kWh im Jahr – die Bioreaktorfassade erzielt aber einen Nettoenergiegewinn von rund 4.500 kWh im Jahr.

Für wen geeignet?

Passivhaus-Fans und Befürworter regenerativer Energien werden hier glücklich. Außerdem alle, die die Idee des offenen Wohnens mögen, denn die Innenräume des BIQ sind individuell schalt- und anpassbar. Und natürlich sollte man an Pflanzen und der Farbe Grün Gefallen finden. Das architektonische Konzept sieht schließlich vor, dass man den Algen beim Wachsen zusehen kann.

24.10.2013


Ihre Meinung zählt

(7)
4.3 von 5 Sternen
5 Sterne
 
4
4 Sterne
 
2
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
1
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Umwelt

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben