Studie: Energetische Sanierung lohnt sich (nicht)

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Die energetische Sanierung lohnt sich für Immobilieneigentümer nicht, lautet das Ergebnis einer Studie. Doch dieses Ergebnis wurde jetzt vom Auftraggeber und Studienersteller uminterpretiert. Ergebnis: Sie lohnt sich doch.

energetische Sanierung
Energetische Sanierung lohnt sich nicht – außer die Energiekosten steigen weiter deutlich. Foto: Fotolia/Jürgen Fälchle

Die energetische Gebäudesanierung lohnt sich finanziell nicht. Das ist zumindest eine Kernaussage einer von der KfW-Bankengruppe beim Prognos-Institut beauftragten Studie. In der ursprünglich von der KfW zur Studie publizierten Pressemitteilung vom 17. März 2013 heißt es noch: „Allerdings wird auch deutlich, dass sich aus heutiger Sicht die Investitionen nicht allein aus den eingesparten Energiekosten refinanzieren lassen.“
Diese Aussage haben KfW und Prognos Anfang April in fast gleichlautenden Pressemitteilungen relativiert. Die Aussage lautet jetzt: Die energieeffiziente Sanierung lohnt sich doch.

Hohe Investitionen erforderlich

Laut Studie müssten bis zum Jahr 2050 insgesamt zwischen 838 und 953 Milliarden Euro in energetische Sanierungen investiert werden, um insgesamt zwischen 372 und 453 Milliarden Euro Energiekosten einzusparen.

Sie kommt dennoch zu dem Ergebnis, die energetische Sanierung solle stärker gefördert und vorangetrieben werden. Prognos hebt vor allem gesamtwirtschaftlich positive Effekte hervor: So würde eine höhere Förderung bis 2050 zwischen 200.000 und 300.000 Arbeitsplätze sichern und zu einem zusätzlichen Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts um jährlich durchschnittlich 0,4 Prozent beitragen. Leidtragende wären demzufolge aber dann die Vermieter und Mieter, da sich die Investitionen nicht allein aus den eingesparten Energiekosten refinanzieren lassen. Anders ausgedrückt: Einem Mieter hilft es wenig zu wissen, dass Arbeitsplätze gesichert werden, wenn infolge einer Modernisierungsmieterhöhung seine Miete stark steigt.

Studien-Kritik: Sanierung lohnt sich doch

Kritik an der Studie gab es von mehreren Seiten: Der Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, kritisiert, die Studie gehe von einem jährlichen Heizkostenanstieg von lediglich 1,1 Prozent aus. Das sei viel zu niedrig angesetzt, konservativen Prognosen zufolge müsse man laut Fell damit rechnen, dass sich die Heizölpreise bis 2030 verdoppeln. Sein Fazit: Energetische Gebäudesanierung lohnt sich doch.

Die KfW-Bankengruppe als Auftraggeber der Studie war – wie auch Fell – mit dem Ergebnis ebenfalls nicht zufrieden und stellt eine andere Rechnung auf: Die KfW unterstütze in der Studie bis zum Jahr 2050 Gebäudesanierungen in Höhe von insgesamt 507 Milliarden Euro. Der Anteil der energieeffizienzbedingten Ausgaben an den Gesamtkosten betrage aber lediglich 237 Milliarden Euro – die restlichen Kosten würden im Zuge von Sanierungsarbeiten ohnehin anfallen. Das energetische Einsparpotenzial  belaufe sich laut KfW auf 361 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Plus von 124 Milliarden Euro.

Die abweichenden Aussagen zeigen, wie interpretationsanfällig Studien sind, die auf Annahmen und Teilbetrachtungen beruhen. Je nachdem, welche Aspekte interpretiert und gewichtet werden, können abweichende Ergebnisse die Folge sein. immowelt.de empfiehlt sanierungswilligen Eigentümern, die Kosten jeder einzelnen Maßnahme dem zu erwartenden Nutzen gegenüberzustellen. Der Energieberater mit BAFA-Anerkennung Thomas Späth aus Nürnberg rät eine pragmatische Vorgehensweise: Einzelne Gewerke energetisch zu sanieren, sei vor allem dann sinnvoll, wenn bestimmte Arbeiten ohnehin anstehen. Müsse beispielsweise eine alte Fassade erneuert werden, sollte sie auch gleichzeitig gedämmt werden. Der finanzielle Mehraufwand halte sich in Grenzen.

10.04.2013


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