Mietrecht: immowelt.de klärt über die hartnäckigsten sieben Irrtümer auf

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Der Mietvertrag wird erst bei Einzug gültig und nachts ist duschen verboten? Rund um das Mietrecht kursieren zahlreiche Gerüchte, die so eigentlich gar nicht stimmen. Das sind die sieben häufigsten Irrtümer im Mietrecht.

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Wahr oder falsch? Einige Irrtümer im Mietrecht sind so verbreitet, dass sie von vielen Mietern geglaubt werden. Foto: fzkes/fotolia.com

Vom Nachtduschverbot bis hin zum Zweitschlüssel für den Vermieter: Bezüglich des Mietrechts kursieren einige Irrtümer und Halbwahrheiten. Hier wird mit den hartnäckigsten Mythen aufgeräumt.

Irrtum 1: Der Mietvertrag wird erst bei Einzug gültig

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass der Mietvertrag erst mit dem Einzug des Mieters gültig ist. Die Wirksamkeit beginnt allerdings schon bei Vertragsunterzeichnung durch Mieter und Vermieter. Anders als beispielsweise bei einem Verbrauchervertrag gibt es bei einem Mietvertrag kein Widerrufsrecht. Das bedeutet: Auch wenn ein Mieter einen Vertrag vorschnell unterschrieben hat, kann dieser erst nach der üblichen Frist von drei Monaten gekündigt werden. Nur wenn der Vermieter mit einem Aufhebungsvertrag einverstanden ist, kann das Mietverhältnis vorzeitig beendet werden.

Irrtum 2: Untervermietung ist generell verboten

Der Vermieter kann die Untervermietung nicht grundsätzlich verbieten. Will ein Mieter nur einen Teil seiner Wohnung an jemanden untervermieten, ist das in der Regel zulässig. Dafür muss er allerdings erst den Vermieter um Erlaubnis fragen und nachvollziehbare Gründe nennen. Das können persönliche oder wirtschaftliche sein, zum Beispiel eine Kostenersparnis oder das Bedürfnis, in einer Gemeinschaft zu wohnen.

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Mehr zu Ihren Rechten bei der Untervermietung.

Irrtum 3: Miete kürzen, wenn die Wohnung zu klein ist

Irrtümer Mietrecht, Mietminderung, Foto: iStock/yuriz
Die Wohnung ist zu klein? Ob das ein Grund zur Mietminderung ist, sollten Mieter genau prüfen. Foto: iStock/yuriz

Ist die Wohnung kleiner als im Mietvertrag angegeben, dürfen Mieter deshalb nicht grundsätzlich ihre Miete mindern. Einen Teil der Miete einzubehalten ist nur dann möglich, wenn die Abweichung mehr als zehn Prozent beträgt. Wird im Mietvertrag beispielsweise eine Wohnungsgröße von 100 Quadratmetern angegeben, tatsächlich ist die Wohnung aber nur 91 Quadratmeter groß, muss die volle Miete gezahlt werden.

Irrtum 4: Einmal im Monat darf auf dem Balkon gegrillt werden

Irrtümer Mietrecht, Foto: iStock/criene
Wer glaubt, einmal im Monat hat er einen Freihfahrtschein fürs Grillen, der kann sich irren. Foto: iStock/criene

Sobald es wärmer wird und die Sonne scheint, liegt Grillgeruch in der Luft. Wie häufig und ob überhaupt auf dem Balkon der Grill angeschmissen werden darf, dazu gibt es jedoch keine höchstrichterliche Rechtsprechung. Das führt dazu, dass Vermieter oft in der Hausordnung regeln, wann oder ob überhaupt gegrillt werden darf. Zum Beispiel, indem sie festlegen, dass das Grillen mit Holzkohle untersagt ist. Wer sich an eine solche Regelung nicht hält, der riskiert eine Abmahnung oder bei Wiederholung schlimmstenfalls die Kündigung. Aber: Ist nur der Holzkohlegrill verboten, können Mieter stattdessen einen Elektrogrill verwenden.

Findet sich in der Hausordnung kein Vermerk, darf aber nicht hemmungslos gegrillt werden. Wichtig ist das Gebot der Rücksichtnahme: Zu starke Rauchentwicklung, die eine unzumutbare Belästigung der Nachbarn darstellt, muss vermieden werden.

Irrtum 5: Der Vermieter darf einen Zweitschlüssel haben

Ohne Wissen oder Einwilligung des Mieters darf niemand einen Zweitschlüssel zur Wohnung besitzen – weder Vermieter, noch Hausverwaltung oder Hausmeister. Auch ein unangekündigter Besuch des Vermieters ist nicht zulässig: Außer in Notfällen – wie beispielsweise einem Wasserrohrbruch – darf der Vermieter die Wohnung nicht ohne Genehmigung des Mieters betreten. Anderenfalls macht er sich des Hausfriedensbruchs schuldig.

Irrtum 6: Der Hausflur gehört zur Wohnung

Irrtümer Mietrecht, Foto: iStock/Silvia Jansen
Der Hausflur soll zur Wohnung gehören? Auch das ist ein verbreiteter Irrtum. Foto: iStock/Silvia Jansen

Im Mietrecht ist klar geregelt, dass der Hausflur nicht zur Wohnung eines Mieters gehört. In Mehrfamilienhäusern ist es dennoch Gang und Gäbe, Schuhe vor der Haustür abzustellen, und das am besten noch in einem Schuhregal oder -schrank. Das kann nicht nur für unangenehme Gerüche im Hausflur sorgen, sondern auch brandgefährlich sein: Bricht im Haus ein Feuer aus, sind Flucht- und Rettungswege schwieriger zu passieren und bergen ein unnötiges Unfallrisiko. Aus diesem Grund ist das Abstellen von Gegenständen im Hausflur unzulässig. Ausgenommen sind Kinderwagen, Gehhilfen und Rollstühle, wenn sie den Weg nicht versperren.

Irrtum 7: Baden und Duschen ist nachts verboten

Vor allem für Schichtarbeiter ist die eigene Körperhygiene zuweilen nur nachts möglich. Fühlen sich die Nachbarn durch Wassergeplätscher in vorgerückter Stunde gestört, müssen sie das hinnehmen. Denn das Landgericht Köln entschied: Ein generelles Verbot für nächtliches Baden und Duschen durch den Vermieter ist unzulässig (LG Köln 1 S 304/96). Denn das Waschen gehört zur normalen Lebensführung eines Mieters.

08.03.2013


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11 Kommentare

Gottfried am 04.08.2018 17:07

Wie mir jetzt bekannt wurde, besitzt mein Vermieter einen Zentralschlüssel für die gesamte Schließanlage, mit dem er Zutritt zu allen 4 Wohnungen hat. Wie kann ich das für meine Wohnung verhindern? Ich will nicht genötigt werden, ein... mehr

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Immowelt-Redaktion am 06.08.2018 10:06

Hallo Gottfried und vielen Dank für Ihren Kommentar,

einen solchen Schlüssel darf der Vermieter nicht besitzen. In der Praxis werden sie allerdings kaum eine andere Möglichkeit haben als das Schloss auszutauschen, wenn Sie... mehr

AndreasF am 29.06.2018 15:18

Danke für die Informationen. Dennoch habe ich eine Frage: Wir wohnen in der obersten Etage mit einer schmalen Terrasse nach links, vorn und rechts der Wohnung. Die linke Seite ist für alle Bewohner ein Fluchtweg. Zählt dieser Teil der... mehr

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Immowelt-Redaktion am 02.07.2018 09:02

Hallo Andreas,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Flächen, die dem Mieter nicht exklusiv zur Verfügung stehen, gehören in der Regel nicht zur Wohnfläche. Allerdings wäre durchaus denkbar, dass andere Mieter den Teil der Terrasse... mehr

andy am 28.06.2018 14:27

Danke für Ihren Kommentar u.Rat

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