Immowelt-Studie zur neuen Wohnungsnot: Knapp die Hälfte der Haushalte in den Metropolen kämpft um zehn Prozent der freien Wohnungen

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In vielen deutschen Großstädten besteht Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Knapp die Hälfte der Haushalte in den Metropolen buhlt um rund zehn Prozent der frei verfügbaren Wohnungen – das ergibt eine Analyse von Angeboten auf immowelt.de und immonet.de, zwei der drei größten Immobilienportale Deutschlands. Verstärkter Zuzug, steigende Armut und hohe Bau- und Sanierungskosten verschärfen die Situation.

Wohnungsnot, Foto: Tiberius Gracchus/fotolia.com
In vielen deutschen Metropolen herrscht Wohnungsnot. Foto: Tiberius Gracchus/fotolia.com Foto: Tiberius Gracchus/fotolia.com

Die Baubranche boomt. In den Metropolen entstehen allerdings überwiegend hochpreisige Neubauten. Eines der drängendsten Probleme auf dem Wohnungsmarkt wird damit nicht gelöst: der Mangel an günstigen Wohnungen in Ballungsgebieten. Niedrigverdiener, Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfänger, Alleinerziehende und Studierende ohne elterliche Finanzspritze haben auf dem freien Wohnungsmarkt kaum eine Chance.

Knapp die Hälfte der Haushalte in den deutschen Metropolen buhlt um rund zehn Prozent der frei verfügbaren Wohnungen. Das ergibt eine Analyse der Mietangebote auf immowelt.de und immonet.de, zwei der drei führenden Immobilienportale Deutschlands. Untersuchungszeitraum waren die ersten drei Quartale 2015.

Jeder zweite Berliner hätte Anspruch auf Wohnberechtigungsschein

Die Auswertung zeigt: Besonders stark ist die Diskrepanz in Berlin. Nach Angaben der Stadt hätten 55 Prozent der Haushalte grundsätzlich Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Auf dem freien Markt sind jedoch kaum Wohnungen in niedriger Preislage vorhanden. Maximal 7,3 Prozent der Berliner Wohnungen, die auf immowelt.de und immonet.de angeboten wurden, liegen unter der nach Vorgaben des Sozialgesetzbuches (SGB) angemessenen Mietobergrenze. Auch in Hamburg, Köln und Nürnberg besteht demnach ein erheblicher Mangel an günstigem Wohnraum – gleichzeitig liegt dort der Anteil an wohnscheinberechtigten Haushalten bei mindestens 40 Prozent. Frankfurt, München und Stuttgart machten auf Anfrage keine Angaben, wie viele Haushalte grundsätzlich Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS) hätten. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Quote auch dort ähnlich hoch liegt.

StadtAngebote im
günstigen Segment
grundsätzlich WBS-
berechtigte Haushalte
Nürnberg6,5 Prozent40 Prozent
Berlin7,3 Prozent55 Prozent
Köln7,5 Prozent45 Prozent
Hamburg7,7 Prozent41 Prozent
Frankfurt8,7 Prozentkeine Angabe
München11,5 Prozentkeine Angabe
Stuttgart15,1 Prozentkeine Angabe
Dresden50,2 Prozent22 Prozent

In Nürnberg, Berlin, Köln, Hamburg und Frankfurt sind mehr als 90 Prozent der inserierten Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen nicht bezahlbar. „Für eine wachsende Zahl der Bevölkerung wird das Wohnungsangebot immer geringer“, erklärt Immowelt-CEO Carsten Schlabritz. „Besonders in den Ballungsgebieten wird die Wohnungsnot im preisgünstigen Segment in den kommenden Jahren weiter steigen.“

Drei wesentliche Gründe für die Wohnungsnot

  1. Immer mehr Menschen zieht es in die Metropolen. Städte wie München und Berlin locken besonders junge Menschen mit der Aussicht auf qualifizierte Ausbildung, Arbeit, kulturelle Vielfalt und Lifestyle.
  2. Die Zahl der Menschen mit geringem Einkommen nimmt weiter zu. Der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht in seinem aktuellen Armutsbericht von einem Rekordhoch der Armutsquote. Der europaweite Flüchtlingsstrom wird die Situation auf dem Wohnungsmarkt in den kommenden Jahren zusätzlich verschärfen.
  3. Der Bau von günstigem Wohnraum lohnt sich nicht mehr. Für Investoren sind Neubauwohnungen mit Mieten unter zehn Euro kaum noch profitabel. Das liegt vor allem an den steigenden Grundstücks- und Baukosten, den strengen Energieeffizienz-Vorschriften sowie den zu geringen finanziellen Anreizen durch die Wohnraumförderung.

Zur Immowelt-Studie mit Details zu den untersuchten Städten kommen Sie über folgenden Link: news.veraendere-deine-stadt.de/wohnungsnot

Berechnungsgrundlage

Untersucht wurde das Wohnungsangebot in den Städten Nürnberg, Berlin, Köln, Hamburg, Frankfurt, München, Stuttgart und Dresden.

Analysiert wurde der Anteil an Wohnungen, die den Vorgaben des Sozialgesetzbuches (SGB) für angemessene Wohnkosten der jeweiligen Stadt entsprechen. Als Grundlage diente das Gesamtangebot der Inserate auf immowelt.de und immonet.de hinsichtlich der vorgegebenen städtischen Mietobergrenzen.

Untersuchungszeitraum: Januar bis September 2015

In Hamburg, Frankfurt und Stuttgart konnte mit Nettokaltmieten gerechnet werden. In den übrigen Städten wurden zur Vergleichbarkeit von den Bruttokaltmieten die kalten Betriebskosten abgezogen.

Mietobergrenzen am Beispiel Berlin

Untersucht wurde die Zahl an Wohnungen mit:

  • 0 bis 50 Quadratmetern und einem Preis von bis zu 285,50 Euro (eine Person)
  • über 50 bis 60 Quadratmetern und einem Preis von bis zu 342,60 Euro (zwei Personen)
  • über 60 bis 75 Quadratmetern und einem Preis von bis zu 399,75 Euro (drei Personen)
  • über 75 bis 85 Quadratmetern und einem Preis von bis zu 453,05 Euro (vier Personen)
  • über 85 bis 97 Quadratmetern und einem Preis von bis zu 526,71 Euro (fünf Personen)
  • für jedes weitere Haushaltsmitglied + zwölf Quadratmeter und +65,16 Euro

15.12.2015


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