„Ein guter Makler bringt mehr als er kostet“ – Jürgen Michael Schick vom IVD zum Bestellerprinzip

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Unionsparteien und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag die Absicht erklärt, ein Gesetz zu verabschieden, nach dem künftig derjenige einen Makler bezahlen muss, der ihn beauftragt. Über das Bestellerprinzip bei der Maklercourtage sprach immowelt.de mit Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverband Deutschland IVD.

Bestellerprinzip, Schick, IVD, Foto: IVD
Hält das Bestellerprinzip bei der Maklercourtage für den falschen Weg: Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des IVD. Foto: IVD Foto: IVD

immowelt.de: Was raten Sie Ihren Mitgliedern im Hinblick auf die von der kommenden großen Koalition geplante Einführung des Bestellerprinzips bei der Maklercourtage?

Jürgen Michael Schick: Für Handlungsempfehlungen ist es noch zu früh. Bisher kennen wir nur die Absichtserklärungen aus dem Koalitionsvertrag, die wir für populistisch und unsachgemäß halten. Warten wir ab, was der Gesetzgeber daraus machen wird. Wir bringen uns hier aktiv ein. Vermietungsmakler sollten aber mit allen Eventualitäten rechnen und schon jetzt für die eigene unternehmerische Zukunft planen und gegebenenfalls ihre Geschäftspraktiken überprüfen. Ich würde alle Szenarien durchspielen und mich als Unternehmer gedanklich darauf einrichten, auch wenn wir im jetzt anstehenden Gesetzgebungsprozess das Schlimmste zu verhindern versuchen.

Einige Makler überlegen, sich künftig vor einer Wohnungsbesichtigung vom Mietinteressenten bestätigen zu lassen, dass dieser den Makler beauftragt hat. So wollen sie auch weiterhin die Maklercourtage vom Mieter beziehen. Glauben Sie, dass diese Idee aufgehen kann?

Jürgen Michael Schick: Die Arbeitsgruppe Verkehr, Bauen und Wohnen hat sich im Zusammenhang mit dem Bestellerprinzip darauf verständigt, dass sowohl Vermieter als auch Mieter weiterhin als Auftraggeber auftreten können. Es soll das marktwirtschaftliche Prinzip gelten, dass der, der bestellt, auch bezahlt. Wie das in der Praxis umgesetzt werden kann, wissen wir erst, wenn wir das Gesetz kennen.

Laut einer aktuellen Umfrage von immowelt.de glauben immerhin 21 Prozent der Makler, dass die Umlage der Maklergebühr auf den Vermieter einen Imagegewinn für die Maklerbranche darstellen könnte. Stimmen Sie dem zu?

Jürgen Michael Schick: Nein, das Bestellerprinzip hat nichts mit der Qualität der Maklertätigkeit zu tun. Wobei wir auch sagen: Anstatt mit einem Bestellerprinzip dem mangelnden Wohnungsneubau Rechnung tragen zu wollen, sollte endlich der Sach- und Fachkundenachweis gesetzlich verankert werden. Das steht ja immerhin auch im Koalitionsvertrag. Das Bestellerprinzip soll die Wohnungsvermietung regulieren. Hier geht es also um die Frage, wer die Provision zahlt. Das hat nichts mit der Kompetenz eines Maklers zu tun. Dass am Ende die Auswirkungen auf das Geschäftsgebaren übergehen, kann man nur vermuten.

Ein Ergebnis der gleichen Umfrage war, dass 75 Prozent der Makler fürchten, dass sich Vermieter künftig auf eigene Faust ihre Mieter suchen. Glauben Sie das auch?

Jürgen Michael Schick: Das wird kontrovers diskutiert in der Branche. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, je professioneller die Maklerauftraggeber sind, umso höher auch die Maklerquote wird. Sprich, professionelle Auftraggeber, die selbst eine hohe immobilienwirtschaftliche Kompetenz haben, beauftragen öfter einen Immobilienmakler als das Laien oder Gelegenheitsvermieter tun. Es hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt, wenn diese Eigentümer vermehrt die Vermietung selbst übernehmen, kommt es zu Fehlern beim Abschluss des Mietvertrages, zu längeren Wiedervermietungszeiträumen und zu mangelhaften Wohnungsabnahmen.

Wie könnten Makler künftig Wohnungseigentümern ihre Leistung schmackhaft machen, wenn diese nun die Maklergebühr bezahlen müssen?

Jürgen Michael Schick: Ein guter Makler bringt mehr als er kostet. Der Vorteil von Maklern gegenüber privaten Wohnungseigentümern ist, dass die Makler sich im Markt bestens auskennen. Sie wissen nicht nur, welchen Mietpreis man realistisch erwarten kann, sondern können auch schneller einen passenden Mieter finden. Außerdem können sie garantieren, dass sie sich mit allen Formalien wie zum Beispiel dem Mietvertrag auskennen. Letztendlich sparen Vermieter Zeit und Geld, wenn sie einen Makler engagieren – trotz der Courtage.

Was wollen Sie als Verband weiterhin gegen die Pläne der großen Koalition unternehmen?

Jürgen Michael Schick: Der IVD wird weiterhin als Sprachrohr der Immobilienwirtschaft auftreten und die Interessen seiner Mitglieder vertreten. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der Markt von selbst regelt, wer die Maklercourtage bezahlt. Eine Einschränkung der Vertragsfreiheit, was das Bestellerprinzip ja letztlich ist, halten wir für falsch. Jetzt kommt es auf die richtige Umsetzung im Gesetzgebungsverfahren an, damit sichergestellt ist, dass auch weiterhin Mieter und Vermieter den Makler beauftragen können. Zudem machen wir uns weiterhin dafür stark, dass der Sach- und Fachkundenachweis sowie die Versicherungspflicht für Makler und Verwalter gesetzlich verankert werden.

13.12.2013


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19 Kommentare

Karl Baumann am 16.09.2014 01:29

Der Umstand, daß viele Makler um ihren Umsatz fürchten, wenn das Bestellerprinzip eingeführt wird, zeigt wie sie den Wert ihrer eigenen Leistung einschätzen.

Alleine das ist schon ziemlich erbärmlich.

Zur Krönung der Armseligkeit... mehr

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JamMan55 am 03.07.2014 10:51

„Ein guter Makler bringt mehr als er kostet“ kann ich nur bestätigen. Mein Makler konnte immer seinen Preis mitverdienen ohne mich mehr zu belasten. In Potsdam sind die Immobilien überall sehr teuer geworden, jedoch kann ein guter Makler... mehr

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Michael Lindenberg am 13.03.2014 11:58

Es geht hier nicht nur um das Maklerrecht bzw. den Eingriff in die Vertragsfreiheit. Auch die Hausbesitzer / Vermieter werden mit dem Bestellerprinzip im Verbund mit weiteren Beschränkungen zur Mietpreisfestlegung entmündigt. Die SPD... mehr

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