Frühlings-Tipps für den Garten: Hat der warme Winter den Pflanzen geschadet?

06.03.2014 | Andrea Uhrig
 
 
Der Frühling hält Einzug in Deutschland. Pflanzenexperte Lars Frenzke gibt Frühlings-Tipps, was man Anfang März im Garten schon machen kann – und womit man noch warten sollte.
Frühling, Garten, Frühlings-Tipps, Foto: Alexander Raths/fotolia.com
Der Frühling ist da. Hobbygärtner können jetzt schon einiges im Garten erledigen. Beispielsweise Obstbäume oder Hartriegel schneiden. Foto: Alexander Raths/fotolia.com
Garten, Frühlings-Tipps, Lars FrenzkeGartenexperte Lars Frenzke gibt Frühlings-Tipps für den Garten. Foto: Lars Frenzke

Die Zierkirschen blühen, die Rosen treiben: Dieser Winter war der wärmste seit 1881. Welche Auswirkungen hat die Witterung auf die Pflanzen? Immowelt.de sprach mit Lars Frenzke, Berater für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Fürth und ließ sich Frühlings-Tipps für den Garten geben.

immowelt.de: Haben die relativ hohen Temperaturen den Pflanzen geschadet?
Lars Frenzke: Nein, den Pflanzen haben die fehlenden Fröste nicht wehgetan. Es macht ihnen nichts aus. Es ist lediglich die Angst vor einem Spätfrost, denn die Pflanzen haben ihren Winterschutz aufgegeben.

Wie funktioniert der Winterschutz?
Lars Frenzke: Im Winter fahren die Pflanzen ihren Stoffwechsel herunter und führen weniger Wasser in den Zellen. Dadurch erhöht sich der Salzgehalt. Die Pflanzen haben so einen natürlichen Frostschutz. Wenn die Temperatur über eine längere Phase warm ist, wird ihnen Frühling vorgegaukelt.

Was kann ich jetzt schon in meinem Garten tun?
Lars Frenzke: Man sollte sich nicht zu vorzeitigen Handlungen hinreißen lassen. Aber einiges kann man Anfang März schon schneiden. Dazu zählen Hartriegel, Kornelkirsche, Kugelakazien, Beerensträucher, Weinreben und Obstbäume. Mit den Rosen sollte man noch bis zur Forsythienblüte warten, das ist ein guter Zeitpunkt.

Worauf muss ich achten?
Lars Frenzke: Wer seine Beete aufräumt, sollte noch ein wenig Laub drin lassen. Denn Nützlinge, wie Marienkäfer, sind noch in der Winterstarre und brauchen den Schutz des Laubs. Ganz aufs Aufräumen verzichten, sollte man aber trotzdem nicht. Denn unter dem dicken Laubmantel kann nichts trocknen. Wenn es zu feucht ist, bildet sich Fäulnis. Das gilt auch für dick eingepackte Kübelpflanzen.

Was ist die größte Gefahr für die Gartenpflanzen?
Lars Frenzke: Die größte Risiko besteht, wenn der so genannte Kahlfrost kommt: Wenn eine dämmende Schneedecke fehlt und der Frost direkt auf die oberste Bodenschicht und Pflanzen wirkt. In der Forst- und Landwirtschaft sowie im Gartenbau können strenge oder langandauernde Kahlfröste zu Frosttrocknis an Winterkulturen und Gehölzen führen: Wenn dann die Sonne noch scheint und immergrüne Pflanzen Wasser verdunsten, von unten durch den gefrorenen Boden aber keine Flüssigkeit bekommen, vertrocknen sie.

Wann dürfen die Kübelpflanzen wie Oliven und Oleander aus ihrem Winterquartier?
Lars Frenzke: Eigentlich können diese Pflanzen schon jetzt raus – vor allem da die meisten eh zu dunkel und zu warm stehen. Wichtig ist, dass sie an einem Schattenplatz und möglichst nah an einer Wand stehen. So sind sie gut geschützt. Sollte es nochmal richtig kalt werden, schützt ein spezielles Wärmeschutz-Vlies oder eine Decke die Pflanzen auch einige Tage lang vor mehreren Minusgeraden.

Wann kann ich 100 Prozent sichergehen, dass nichts mehr passiert?
Lars Frenzke: Das ist die Gretchenfrage: In der Regel gilt, dass man nach den Eisheiligen Mitte Mai auf der sicheren Seite ist. Aber wir hatten vor wenigen Jahren auch noch Ende Mai Frost. Da sind bei uns in Franken Weinreben, Eschen und die Triebe der Walnussbäume erfroren. Für die Pflanze an sich ist das kein Problem – aber Blüte und Frucht überstehen das nicht.

Wie wirkt sich denn der milde Winter auf die Schädlinge aus?
Lars Frenzke: Vermutlich haben mehr Schädlinge durch die konstant milden Temperaturen überwintert. Das muss man genau beobachten, um dann rechtzeitig eingreifen zu können. Also mit wachsamem Auge durch den Garten gehen und schauen, ob an den Neutrieben Läuse sitzen. Auch Schnecken sind bereits unterwegs. Sie haben ihre Gelege unter Laubhaufen abgelegt. Die kleinen weißen Kügelchen kann man einfach mit der Hand zerdrücken.

Erwartet uns denn dann auch eine Insektenplage?
Lars Frenzke: Das vermutlich eher nicht. Es ist ein Irrglaube, dass die Insekten in einem kalten Winter erfrieren. Im Gegenteil:  Bei wechselhaftem, feuchtem Wetter ist eher so, dass schädliche Insekten verpilzen.

Glauben Sie, dass der Winter nochmal kommt?
Lars Frenzke: Das kann man nie sagen. Ich persönlich glaube aber nicht daran. Allerdings reichen einmal -4 Grad aus, um die Obstblüte zu zerstören.

Kategorie: Lifestyle
Bewerten Sie diesen Beitrag!
( 4 Bewertungen, Ø 4 Sterne )
 
 
Ähnliche Beiträge

Kommentar schreiben

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus. Ihre E-Mail ist erforderlich, wird aber nicht veröffentlicht.
 
Infos zum Datenschutz

Artikel durchsuchen

Newsletter abonnieren

© Immowelt AG 2015   © Marktplatz für Wohnungen, Immobilien und Häuser zum Kaufen oder Mieten

tracking